Mitten im Wirbelsturm Alma

Nasse Wände
Heute war ein schwerer Tag. Die Regenzeit hat dramatisch begonnen und es regnete in den letzten Stunden heftig und ununterbrochen. Als wir aufstanden, entdeckten wir Wasserflecken an der Wand unseres Schlafzimmers. Da der Vermieter sowieso wegen der ganzen defekten Wasserhähne vorbeikommen wollte, blieb Andreas zu Hause während ich einen medizinischen Einsatz mitmachte. Leider kam der Vermieter nicht und rief Nachmittags an, er käme stattdessen Morgen. Manana, das kennen wir ja schon. Also werde ich morgen zu Hause bleiben während Andreas Termine wegen der Angestellten im Kinderheim wahrnimmt, wo ich eigentlich übersetzen sollte für ihn. Hoffentlich kommt der Vermieter dann Morgen. Die Wand kann nicht so lange warten, die Wasserflecken wachsen. Und da es so warm hier ist, schimmelt alles innerhalb von Tagen.

Medizinischer Einsatz
Mit den amerikanischen Ärzten und deren Team fuhr ich dann mit dem alten Schulbus des Kinderheimes nach San Diego an der Pazifischen Küste nordwestlich von Managua. Wie sich rausstellte, war das mitten im Zentrum des ersten Hurrikans dieser Saison, Hurrikan Alma (Stufe 1). Wir hatten keine Nachrichten gehört und die Hurrikanwarnungen nicht mitbekommen. In dem Dorf hatte es auch schon seit 24 Stunden gegossen, so dass das Schulgebäude überflutet war und wir die Patienten in dem Kirchengebäude behandeln mußten. Das war ein ca. 30 qm großer Holzverschlag mit Blechdach und vielen Löchern. Um hinzugelangen mussten wir durch knöcheltiefe Schlammpfützen waten. Jim, (ein Krankenpfleger) und ich suchten uns eine trockene Stelle und stellten unseren Klapptisch und Plastikstühle dort auf. Die Apotheke haben wir ausnahmsweise im Schulbus eingerichtet, weil es so goss. Es wurde dann eng, als die ca. 60 Patienten alle im Kirchengebäude auf Behandlung warteten.
Gegen Mittag traf der Hurrikan die nicaraguanische Pazifikküste, wo wir gerade waren und als das Blechdach in Stücken abgehoben wurde und ein Baum zum Teil auf die Kirche fiel, sind wir aufgesprungen, habe alle Patienten rausgeschoben und nach Hause geschickt, unsere Sachen gepackt und sind in den Bus geflüchtet. Die Apotheke wurde eilig aufgelöst und wir sind losgefahren. Aber leider kamen wir nur 100 m und der erste Baum lag quer. Es wurde eine beschwerliche Reise. Die ersten Bäume haben die Männer mit Mascheten weggehackt, die nachfolgenden Bäume waren so groß, dass das auch nicht mehr ging. Ein Traktor kam vorbei und wir haben ihn engagiert uns die 10 km bis zur nächsten befestigten Hauptstraße frei zu machen. Er räumte weitere 6 Bäumen weg und zog den Bus aus mehreren Schlammlöchern, während wir über die Felder liefen. Das Ausmaß der Schäden, die wir sahen, war erschreckend. Dank sei Gott, dass uns allen fast nichts Ernsthaftes passiert ist. Drei Teammitgliedern sind auf Grund der Windstärke Gegenstände ins Auge geflogen, zwei wurden am Fuß verletzt beim Bäume abhacken. Sie wurden von unseren Ärzten behandelt. Erstaunlich, dass wir überhaupt vor Einbruch der Dunkelheit im Kinderheim Los Cedros ankamen. Wir werden in Zukunft besser auf die Hurrikanwarnungen achten …

 
Container
Als wir im Kinderheim ankamen, waren wir erfreut zu sehen, dass der langersehnte Container mit Reis, Spielsachen, Matratzen und weiteren Hilfsgütern nach viel Drama um den Zoll angekommen war. Der LKW blieb zwar ca. 100 m von unserem Warenhaus im Schlamm stecken, aber mit unseren Geländewagen konnten wir die Sachen herüberfahren. Auch unsere Waschmaschine, die wir in den USA gekauft haben, war im Container. Leider gab es Abends im Dunkeln beim Entladen des Containers noch Stress zwischen einigen Menschen, der mich sehr mitgenommen hat. Ich hätte mich gerne näher informiert und eingesetzt für ihre Anliegen, aber momentan sind wir nicht in der Position, in der wir das machen sollten und wir vertrauen, dass die momentanen Leiter den besten Durchblick haben und gute Entscheidungen treffen.

Waschmaschine

Ja, die Waschmaschine. Wir baten unsere nicaraguanischen Nachbarn uns beim herein tragen der Waschmaschine zu helfen. Sie waren erstaunt über die elektrische Waschmaschine. Es gäbe doch draußen am Haus eine Waschstelle (Betonwaschbecken), wo unsere Waschfrau (wenn wir denn eine hätten) waschen könnte. So eine Waschmaschine würde doch nicht so viel kosten. Ich habe darauf verzichtet ihnen zu erklären, dass ich die Kosten für die Waschfrau in 1-2 Jahren raushätte.

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