Gestern wurde uns Pedro, ein kleiner 1½-jährige vom Familienministerium gebracht. Sie haben ihn mit seinen Sachen abgegeben, die bestanden aus einer Babyflasche, die er noch benutzt, Windeln, die aber für ein Neugeborenes waren und ihm nicht passten, einer Tüte voller Lutscher und einer Tüte Zucker. Zucker, meint man hier, brauchen alle Kinder. Die Babys bekommen als Durststiller eine extrem süße Lösung und viele der Kinder, die den ganzen Tag an ihren Flaschen nuckeln, haben angefaulte Zähne. Die Schulkinder nehmen in die Schule Kristallzucker in kleinen Plastikfläschen mit, den sie sich immer nach Bedarf in Mund schütten. Unsere Heimkinder bekommen stattdessen immer ein Pausenbrot oder Obst mit.
Pedro ist vor 3 Monaten schwerstverbrannt. Ich schätze, dass ¼ seiner Hautfläche Vebrennungen 2. oder 3. Grades aufweist. Er ist ohne Aufsichtsperson unter einem Mosquitonetz und mit einer Kerze alleine gelassen worden. Die Nachbarn haben seine Schreie gehört.
Jedenfalls wurde uns noch gesagt, dass er einen Termin im Krankenhaus heute hat. Andrea, unsere britische Missionarin und ich sind also um 6:30 Uhr losgefahren und haben uns dann im Krankenhaus gewundert, warum wir so lange warten müssen. Wir haben ihn in der Zeit mit Pfannekuchen gefüttert und uns über seinen Appetit gefreut.
Als wir dann mal nachhakten, wurden uns gesagt, dass er operiert werden sollte. Andrea durfte mit ihm in den OP, hat ihn ausgezogen und sich aller Taschen und Wertsachen entledigt und mir alles in die Hand gedrückt. In einem leeren Raum wurde ihr gesagt, dass sie dort mit ihm 3 Stunden warten muss bis zur OP (wegen den Pfannekuchen) dann 2 Stunden OP und dann noch 2 Stunden im Aufwachraum mit ihm verbringen muss. Ohne ihr Mobiltelefon konnte sie mir das auch nicht mehr mitteilen. Ich habe über Umwege erfahren, dass ich die beiden erst wieder in ca. 7 Stunden sehe.
Die plastische Chirurgie diente zur Hauttransplantation und soll nach weiteren OPs seine linke Hand wieder funktionstüchtig machen. Die ist seit dem Unfall in 90 Grad Überstreckung. Das Verbrennungszentrum machte auf mich einen sehr guten Eindruck und finanziert sich aus einer Stiftung einer der reichsten Frauen Nicaraguas.
Riskant fand ich nur, dass wir ihn nach der OP nach Hause, also ins Kinderheim nehmen mussten, das ca. 30 Kilometer entfernt liegt und damit meine ich nicht 30 Kilometer deutscher Landstraße, sondern mittelamerikanischer… Außerdem gehen die anderen Kleinkinder mit einem Frischoperierten auch nicht so zart um. Er bräuchte jetzt eigentlich seine eigene Pflegeperson. Aber die OP kam etwas überraschend für uns, kann man sagen.
Das arme Kind. Zusätzlich fragt er immer nach seiner Mama. Was für ein Schicksal. Übermorgen ist die nächste Operation.