Heute haben Andreas und ich unsere diversen Verantwortungsbereiche übernommen und Angesichts der Fülle der Verantwortung war ich ein wenig besorgt die letzten Tage. Unsere Angestellten sind alles einfache, ungelernte Kräfte aus dem Dorf hier. Unsere westlichen Vorstellungen von Gesundheit, Hygiene, Erziehung, Ehe, Landwirtschaft, Ernährung und unsere Werte sind oft krass unterschiedlich.
Aber da ich sowieso erst einmal alles richtig verstehen muss, bevor ich was ändere und dann nicht alle Veränderungen auf einmal angehen kann, habe ich mir in jedem Bereich erst einmal nur eine Umstellung vorgenommen. Wer hätte es gedacht, dass ich als erste „Amtshandlung“ im Bereich der Landwirtschaft den Kompost neu organisiert habe. Ich habe die Köchin, die Gärtner und Teenager, die bei der Gartenarbeit helfen, zusammengeholt und mir ihren Kompost erklären und zeigen lassen.
Es war ein großes Loch hinten im Feld in der prallen Sonne in dem Gemüse- und Obstschalen, gekochte Speisereste, und massenhaft Plastik und Metall reingekippt wurden, seit Monaten. Seitdem sie einen Kompost anlegen sollten, aber nicht wussten wie.
So habe ich ihnen das Prinzip des Komposts erklärt und sie gebeten den Plastik und Metallmüll rauszusammeln. Dann wird der Erdaushub wieder drüber geschaufelt und ein neuer Kompost angelegt. Wir haben uns ein schattiges Plätzchen ausgesucht.
Jetzt muss ich aber mal dringend den Kompostwurmbauern aufsuchen und Würmer besorgen. Einer der Männer meinte, man könne, wenn man genug von den Kompostwürmer hätte, sie raussammeln, aushungern lassen, braten und essen. Ich bin ja bereit viel auszuprobieren, aber das spar‘ ich mir, glaube ich.
Es ist gar nicht so einfach, wenn man keine Müllabfuhr hat. Alle paar Wochen lädt einer von uns den ganzen Müll auf seinen Pick-Up und fährt ihn zur Mülldeponie. Solange wird es in Säcken draußen gelagert. Das Loch hatte den Vorteil, dass sich die Ratten und die Hunde frei bedienen konnten, während wenn sie die Säcke aufreißen mehr Sauerei anstellen. Was machen wir also mit den Essensresten von den Tellern? Die Schweinezucht hat uns letztes Jahr zu viele Fliegen beschert. Bei so vielen Babys ist das nicht gerade das Gesündeste.
Wir haben uns jetzt entschieden Hühner auszuprobieren. Die Vorschläge waren abenteuerlich, und da ich keine Ahnung von Hühnern habe, habe ich erst einmal dem Kauf von 10 Hühnern und 10 Küken zugestimmt. Es ist ja nicht so, dass man in diesem Land nicht alles von jemandem lernen kann. Aber das erfordert Zeit. Wir werden uns in den nächsten Wochen mal auf „Besuchstour“ begeben.
Aber die Hühner und der Kompost sind nicht das eigentliche Problem. Ich muss jetzt allen irgendwie kulturangepasst unsere Hygieneregeln noch einmal beibringen. Das z.B. jeder sich die Hände mit Seife vor jeder Mahlzeit waschen soll und die Köchinnen vor dem Arbeiten mit Lebensmitteln die Hände desinfizieren sollen. Das kommentierte ein Mitarbeiter mit den Worten: „Ja in Deutschland ist das so. Aber hier in Nicaragua machen wir das nicht. Hier sind doch Bakterien überall!“
In Deutschland desinfiziert man sich zu Hause die Hände auch nicht, habe ich sie beruhigt. Aber das nicaraguanische Gesundheitsministerium hat Gesetze für Kinderheime….
Ich muss mir jetzt irgendeine plastische Darstellung von Bakterien und deren Verbreitung ausdenken, die hier akzeptiert wird.