Heute hatten wir einiges für das Kinderheim in Managua zu erledigen. Leider fand Andreas keine Hose mehr, die ihm gepasst hätten, auch die Gürtel konnten seine Hosen nicht mehr hochhalten. So beschlossen wir, wenn wir sowieso schon in der Stadt waren, neue kaufen zu gehen, was gar nicht so einfach ist, wenn man sich in dieser Stadt nicht auskennt.
Eine weitere Maßnahme, neben der eine neue Konfektionsgröße anzulegen, war der Besuch eines westlichen Schnellimbisslokals wo er sich die „kalorienreichste Mahlzeit für das wenigste Geld“ bestellt hat. Da mir das nicaraguanische Essen sehr zusagt und die Hitze meinen Appetit auch nicht bremsen kann, habe ich lieber eine andere Mahlzeit gewählt…
In dem Bekleidungsgeschäft mussten wir uns ein wenig an die Verkäuferinnenflut gewöhnen, die in der Umkleidekabine zu viert dann direkt vor seiner „Zelle“ standen. Ich stellte mich dazu und wir starrten dann alle 5 gebannt auf seinen Bund. Ob die Hose passt? Wir kauften zwei Hosen für ihn, das kalorienreiche Essen braucht schließlich seine Zeit bis es „wirkt“.
Dann fuhren wir in eine Schlosserei um Schlüssel nachmachen zu lassen. Der Besitzer des kleinen Ladens war redselig und wollte wissen, ob wir aus dem demokratischen oder dem föderalen Teil Deutschlands kämen. Ich schaute ihn etwas fragend an und er fragte, ob wir auf dem Teil Deutschlands kommen, der früher demokratisch genannt wurde aber nicht demokratisch war? Nein, sagte ich, wir kommen aus dem Teil der auch wirklich demokratisch war.
Er erzählte uns seine Meinung über die Armut in Nicaragua. Armut ist ein Lebensstil in seinem Land. Selbst wenn du einem Armen 100 Dollar in die Hand drückst, wird er es nicht benutzen um sein Haus in Ordnung zu bringen, sondern er wird es so lange für Vergnügen ausgeben, bis es verbraucht ist.
Er sei der Meinung dass sich jeder, ob er viel oder wenig Geld hat, viel und gutes Essen leisten sollte. Wer am Essen spart ist geizig. Ein reicher Nicaraguaner, mit dem er oft zusammenarbeitet, isst immer nur Tortillas um Geld zu sparen. Der wäre zwar reich an Geld, aber arm in seinem Lebensstil.
Da fielen uns Andreas Gürtel im Auto ein. Ob er einen Locher für Ledergürtel habe? Wir müssten ein paar zusätzliche Löcher in einige Gürtel machen. Ja, einen Locher aus der ehemaligen DDR habe er. Der wäre so billig gewesen, so habe er ihn sich damals zugelegt. Früher gab es in Nicaragua im Wesentlichen nur Importe aus der DDR und Russland. Wahrscheinlich hat er seine Gürtel damit immer nur weiter gemacht. Man sah ihm an, dass er nicht geizig war (zumindest nach seiner Definition).
Nach dem Lochen fuhren wir auf dem Nachhauseweg in einer deutschen Metzgerei vorbei und leisteten uns, wie bisher erst zweimal, deutschen Wurstaufschnitt. Und dann haben wir uns so ein richtiges gutes Abendbrot zu Hause gemacht.
Ja, deutsche Essen schmeckt mir auch.