Mañana

Im voraus planen kann man in diesem Land nicht wirklich. Genauer gesagt, nicht über Morgen hinaus. Es ist immer, wirklich immer schief gegangen, wenn wir einen Termin mit irgendwem, sei es einer Privatperson, einer Firma, dem Rechtsanwalt oder einem Amt gemacht haben. Wir haben lange versucht eine Systematik hinter dem „Einhalten“ und „Nicht einhalten“ von Terminen zu finden.  Jetzt glauben wir es einigermaßen verstanden zu haben: Das Geheimnis heißt: Mañana! (Das heißt auf Spanisch „morgen“).

Bisher kannte ich das aus Südamerika so: Mañana, heißt: Morgen, morgen nur nicht heute. Also eigentlich nie. Hier ist das anderes. Wenn man einen Termin für was auch immer haben will, lautet es immer „Mañana“  Dann wird er auch meistens, wenn auch nicht immer, eingehalten. Aber das wir am nächsten Tag vielleicht nicht können oder nicht den ganzen Tag zu Hause sind findet man immer verwunderlich. 

Da man aber mit Ämtern und Geschäften am Sonntag nicht telefonieren kann, kann man für Montag schon einmal keine Termine machen.

Wenn wir irgendetwas kaufen, was geliefert werden soll, müssen wir sicher sein, das wir am nächsten Tag zu Hause sind, weil dann immer geliefert wird. Wir sind jetzt so oft auf Unverständnis gestoßen, wenn wir gesagt haben: Wir bestellen das zwar heute, aber Morgen können sie nicht liefern, wir sind nicht zu Hause. Nicht zu Hause sein, das scheint es hier nicht zu geben. Irgendeiner bliebt immer beim Haus, wenn nicht die Señora des Hauses, dann wenigstens ihr Dienstmädchen oder ein anderer Angestellter. Schon aus Sicherheitsgründen.

Wie oft haben wir jetzt gesagt bekommen: Wir waren an ihrem Haus, um Ihnen ein Dokument (oder was auch immer) abzugeben, aber es war keiner da! (Man könnte ja auch mal vorher angerufen haben…)

Wie wir das Problem kulturgerecht lösen sollen, wenn weder ich den ganzen Tag zu Hause bleiben will, noch wir ein Dienstmädchen anstellen wollen, weiß ich auch nicht. Aber es wird für uns zunehmend schwieriger cool und geduldig zu bleiben wenn jemand wieder vorwurfsvoll sagt „Sie waren nicht zu Hause!!“ 

Einen Vorteil hat das ganze System jedoch: Einen Taschenkalender braucht man nie dabei zu haben. Die Termine für den nächsten Tag kann man sich ja noch so merken. Im Kalender stehen bei uns nur die Flugtermine, unsere eigenen und die anderer, die uns besuchen kommen. Die Fluggesellschaften machen bei dem Mañana-System nicht mit.

2 Gedanken zu „Mañana

  1. KH Pestke

    Ihr Lieben, was haltet Ihr von einem Briefkasten, der fest an der Hauswand befestigt ist (Diebstahl) oder einem Schlitz mit Klappe in der Haustür, der hoch genug angebracht sein sollte, damit die Schlangen nicht hineinschlüpfen können. Durch diesen Schlitz könnte man dann Dokumente, Briefe etc. hineinwerfen, wenn niemand zu Hause ist.
    Liebe Grüße
    Karl Heinz

  2. admin

    Hallo!
    Ja, einen Briefkasten haben wir. Seitdem hat unsere Adresse den Zusatz: „Beige Haus mit dem schwarzen Briefkasten.“ Eine Briefzustellung gibt es hier ja sowieso nicht und so senden Firmen Privatkuriere. Und die dürfen nur gegen Unterschrift ausliefern.
    Das größere Problem sind aber die Handwerker, die ohne Ankündigung kommen.
    Lieber Gruß
    Marion

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