Wir hatten einen Landwirt…… Don Juan (Name geändert) hatte angeblich viel Erfahrung in der Landwirtschaft auf der Finca seines Vaters gesammelt. Und so hatte man ihn vor einem Monat im Kinderheim angestellt um einige Felder auf dem Kinderheimgelände anzulegen und Gemüse und Obst für unseren täglichen Gebrauch anzupflanzen.
Seine Standardantwort auf alles war: Das ist kein Problem. Er meinte, Hühner könnten wir anschaffen, die könnten von den Küchenabfällen leben. Ob wir denn nicht zufüttern müssten? Nein, kein Problem. Die brauchen nichts weiter. Wir sollten 40 kaufen. Wir zogen es vor mit 10 zu beginnen.
Wir sprachen mit Don Juan ab, erst einmal ein einziges Feld anzulegen und diverse Gemüsearten anzubauen. Das wäre kein Problem. Wir wollten wissen, was das alles kosten würde? Das wäre auch kein Problem. Es würde fast nichts kosten. Ein paar Samen und der Treibstoff für den Traktor.
Wir gingen davon aus, dass wenn er Erfahrung in der Landwirtschaft hat, wir nicht mitdenken müssten.
Aber bevor wir das Feld umgraben konnten, musste der Traktor repariert werden. Dann kostete der Treibstoff für das Feld 100 Dollar. Und das Feld war nicht mit einem Zaun umgeben. So war es nur eine Frage von Tagen, wann unsere Pferde oder Nachbars Kühe alles verwüsteten.
Bevor wir mit ihm besprechen konnten was wir machen, legte er in unsere Abwesenheit ein neues Feld an, in einem Gelände das schon umzäunt war. Aber als wir wissen wollten, wie er das Feld nach der Regenzeit bewässern will, stellten wir fest, dass nirgendwo ein Wasseranschluss in der Nähe war. Er sollte nun erst einmal warten bis wir einen Plan erstellten.
Aber als wir am nächsten Vormittag kamen, hatte er das nächste Feld umgegraben. Dort gab es noch von seinem Vorgänger, Bob (ein Amerikaner) ein Bewässerungssystem. Das Feld lag aber am Weg und war auch nicht mit einem Zaun umgeben und letztes Jahr war uns dort so viel geklaut worden und fremde Pferde hatten die halbe Ernte zerstört.
Und der Traktor musste wieder repariert werden.
Jetzt begannen wir mitzudenken… Mais wollte er in dem nicht bewässerten Feld anbauen. Das müsste noch vor Ende der Regenzeit reifen. Weißer Mais. Ich machte eine Internetrecherche und kam zu dem Ergebnis, dass wir nur dann profitabel sind, wenn wir einen möglichst hohen Ertrag erzielen. Ja klar, sagte Don Juan, wir müssen Insektizide, Herbizide, Fungizide und Dünger kaufen. Aha, was für Kosten noch dazu kommen? Nichts weiter, kein Problem.
Und wie ernten wir den Mais?, wollte ich wissen. Ach ja, wir müssen eine Erntemaschine kommen lassen. Was die denn kostet? Ach, nur etwas 10% der Ernte. Aha… Und wie machen wir Mehl daraus? Eine Mühle. Die kostet.. usw….
Wir baten Bob, der letztes Jahr Testfelder angelegt hatte, zu kommen. Die Insekten hatte er mit Wolfsspinnen komplett in den Griff bekommen. Insektizide wären nicht nötig. Wenn man erst einmal mit Insektiziden anfinge, hätten wir auch keine Spinnen oder andere natürlichen Feinde mehr und dann erst recht ein Problem. Don Juan fand das lächerlich. Insektizide schaden doch keinem. Wir Europäer hätten keine Insekten in Europa, deshalb könnten wir nicht mitreden.
Und als wir ihm dann erklärten, er solle das Feld erst einmal so vorbereiten, dass das Unkraut nicht mehr so reichlich wächst, wir könnten nicht direkt morgen säen, war er richtig böse. Das würde man in Nicaragua nicht so machen. Man lässt das Unkraut mit dem Mais wachsen.
Das ist nicht wahr! Es mag sein, dass arme Bauern das so machen und immer arm blieben, weil es zu Ernteausfällen von bis zu 80% führt und außerdem viel mehr Wasser und Dünger erforderlich macht. Aber ich hatte auf einigen unserer Fahrten durch Nicaragua Bilder von schön gepflegten, unkrautfreien Feldern gemacht. Die wollte ich ihm zeigen.
Außerdem, erklärten wir ihm, wollten wir keinen Mais anbauen, wir wollten doch Gemüse anpflanzen. Doch, doch sagte Don Juan, für die Hühner müssten wir Mais anbauen, man muss zufüttern, sonst legen sie keine Eier…. AAHHH!
Wir mussten Don Juan entlassen. Wir erklärten ihm, die Traktorreparaturen haben einfach zuviel verschlungen. Wir sagten, es täte uns sehr leid, dass er diese Anstellung verlöre. Das wäre kein Problem, meinte er.
Leider ist Don Juan nicht der Einzige mit dem wir das erlebt haben. Einige Geschichten könnte ich noch erzählen. Die richtigen Mitarbeiter zu finden ist hier schwierig.