Nachdem wir vor 2 Wochen darüber gesprochen hatten, dass die Kinderfrauen unter dem Motto „Tue was du sagst“ erziehen sollen, hat sich ein bisschen was geändert. Ich hatte ihnen gesagt, dass wenn sie beginnen konsequenter zu werden es einen „Kleinkinderaufstand“ geben könnte, da die Kinder das „seltsame“ Verhalten der Erwachsenen nicht umbedingt kampflos hinnehmen werden.
Es hielt sich in Grenzen, aber manchmal musste ich doch ein wenig schmunzeln. Ich weiß nicht, wie oft ich den kleinen 3-jährigen Carlito (Name geändert) draußen vor dem Speisesaal auf einem Stuhl sitzen fand, schreiend nach Tia Leslia (Tia = Tante). Die hatten ihn wegen schlechtem Benehmen (das kann man aber echt so nennen) rausgesetzt und gesagt, wenn er aufhört zu Schreien, kann er wieder reinkommen. Er schrie minutenlang „Tia Leslia, hol mich hier weg!“.
Eines Tages schrie er: „Ich sag es der Tia Lianne, dass Du mich hier hingesetzt hast!“ Lianne ist die Direktorin des Kleinkinderhauses und propagiert schon lange, dass Konsequenzen für sehr schlechtes Benehmen wichtig sind.
Inzwischen sitzt er meistens mit den anderen Kindern friedlich am Tisch und isst.
Süß ist auch, dass er vor ein paar Wochen entdeckt hat, was verheiratet heißt (zumindest hat er den Teil begriffen, dass Andreas und ich zusammengehören und uns auch schon mal einen Kuss geben). Er ruft jetzt immer wenn er mich sieht: Wo ist dein Ehemann? Und er wartet dann etwas verlegen, aber verschmitzt auf meine Antwort. Und jedesmal wenn er Andreas sieht, erklärt er ihm, dass er wüsste, Marion wäre seine Ehefrau, auch wieder ganz verschmitzt.
So fiel mir dann auf, dass wir das einzige Ehepaar sind, was gemeinsam im Kinderheim arbeitet.