Der Kultuschock kommt in Scheibchen

Ich war gespannt, wie es uns dabei geht, wenn wir nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland wieder in „unser“ Entwicklungsland reisen. Aber ich kann nicht sagen, dass es irgendwie komisch war. Wir waren eben wieder in unserem zweiten zu Hause.

Joel, unser nicaraguanische ehrenamtliche Mitarbeiter des Kinderheimes holte uns am Flughafen ab. Die Trockenzeit hat begonnen, die schöne grüne Landschaft vertrocknet langsam und überall wird der Müll wieder am Straßenrand verbrannt. Joel erzählte uns, dass er einen grasfreien „Grenzstreifen“ um die Grundstücksgrenzen gezogen hat, damit sich eventuelle Feuer nicht auf unser Land ausbreiten.

Etwas enttäuscht waren wir, dass wir im Gespräch mit Joel und Lianne dann feststellen mussten, dass Nicaraguaner, die sich Christen nennen und denen wir vertraut hatten, ein anderes Verständnis von Ehrlichkeit haben. Sie sind in ihren eigenen Augen oft ehrlich, aber nicht nach unserem deutschen oder amerikanischen Verständnis von Ehrlichkeit. Man verkauft in unserem Auftrag etwas für uns und gibt uns dann nur einen Teil des Kaufpreises weiter und behauptet, das wäre der volle Betrag gewesen. Was nicht dazu gesagt wird ist, dass das der volle Betrag nach Abzug eines eigenen Provisionsanteiles nach eigenem Ermessen ist. Oder ein Mann betrügt seine Frau und würde das nie als Betrug auffassen. Das ist Notwendigkeit.

Das Drama um unser herzkrankes Kind, das dringend operiert werden muss, geht in den zweiten Akt. Wir haben endlich einen Brief eines hiesigen Kardiologen bekommen, dass er im Ausland operiert werden muss. Seine Ärztin sagte uns zwar schon vor Wochen, dass es dringend ist, wollte uns aber keine Unterlagen geben, so dass wir uns garnicht um eine OP bemühen konnten. Jetzt haben wir endlich einen Brief, jetzt sagt uns das Familienministerium wir müßten beweisen, dass man die OP nicht in Nicaragua machen kann und dazu hätten wir einen Termin am 16. Januar in einem Krankenhaus, die das feststellen sollten. Wer weiß wie lange das Schreiben dann dauert.

Erst mit dem Schreiben des Krankenhauses würde man beginnen an seiner Geburtsurkunde zu arbeiten. Aber nur mit Geburtsurkunde kann man an einem Reisepass arbeiten und nur mit Reisepass kann man ein Visum beantragen und nur mit Visum kann er in USA operiert werden. 

Die Regierung erschwert ausländische Hilfe zunehmend.

Manchmal fällt es schwer, nicht einfach aufzugeben und zu sagen, dann versorgt eure Kinder doch alleine, wenn ihr das wollt und könnt. Sie wollen es, aber können es nicht, aber geben es nicht zu, dass sie es nicht können. So viel Stolz ist unerträglich, die Kinder des Landes, die Armen und die Schwachen, alle leiden sie unter so viel Stolz

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