Nun bin ich mit Gabriel wieder zu Hause in Managua und mit Andreas vereint. Andreas war schon bald nach Gabriels Entlassung nach Nicaragua zurückgekehrt und ich musste ein wenig länger bleiben wegen einiger Komplikationen, die Gabriel nach der OP hatte.
Gabriel geht es sehr gut. Der Alptraum ist zu Ende. Er wird zwar nie ein gesundes Herz haben, aber momentan sind seine Sauerstoffsättigungen normal und stabil. Er hat sich laut Aussagen der Menschen, die ihn kennen sehr verändert. Er wirkt glücklicher, ruhiger, redet mehr (im Wesentlichen Worte in Deutsch, aber auch English und Spanisch). Er imitiert gerne und bringt Menschen zum Lachen.
Mir fiel es ein wenig schwer mich hier wieder einzugewöhnen.
In USA lebten wir im Ronald McDonald House (in der Kleinstadt in der Gabriel operiert wurde) und wurden täglich von freundlichen Mitarbeitern betreut, wurden mit leckerem Essen verwöhnt, hatten eine Badewanne mit warmen fließenden Wasser, immer Strom, eine liebe Familie hat mir ein Auto für die gesamte Dauer unseres Aufenthaltes geliehen und viele Menschen haben uns besucht, eingeladen und in irgendeiner Form geholfen.
Gabriel genoss die Aufmerksamkeit, die neuen Spielsachen, lernte Neues kennen wie Jacke und Mütze tragen, Enten im Park füttern, Fische im Aquarium beobachten, wozu Flugzeuge gut sind, Fernsehen (na ja, das kann er auch hier lernen), usw.
Das Autofahren war in USA traumhaft einfach. In den Geschäften gab es überall Einkaufswagen mit Kindersitz und ich konnte vieles besorgen was es hier in Nicaragua nicht oder nur schwer gibt. Ein lieber Mensch hat einen Lagerraum angemietet und wenn er voll ist, wird alles auf einen Container gepackt und ins Kinderheim runtergeschickt. So konnte ich auch größere Gegenstände besorgen.
Hier ist das Leben ein wenig rauer und heißer.
Am ersten Tag nach Rückkehr war das Wasser ausgestellt. So konnte auch der Durchlauferhitzer nicht genutzt werden (den wir mittlerweile in der Dusche haben) und Gabriel war kaltes Wasser nicht mehr gewöhnt. Also musste der Wasserkocher ran, Gabriel machte aber sein Geschäft direkt in das frische warme Wasser und ich musste wieder nach Andreas rufen. Ich fühle mich nicht mehr so selbstständig.
Auf meiner ersten Autofahrt hielt mich die Polizei an. Der Polizist schaute über mich hinweg und sagte zu Andreas (der auf dem Beifahrersitz saß) er solle der Senora mal erklären, dass man nicht über eine durchgezogene Linie fahren darf. Hey, Moment mal, ich sitze am Steuer, reden sie bitte direkt mit mir, wollte ich schon protestieren, aber ich habe einfach mit meiner Verteidigung begonnen (das Polizeiauto stand mitten auf einer befahrenen Strasse auf meiner Fahrbahn und ich musste ausweichen). Andreas stieg dann aus und erklärte dem Beamten, dass wir heute einfach nicht zahlen wollen und der ließ uns dann fahren. Vielleicht war es doch gut, dass die Männer das untereinander ausgemacht haben.
Die guten Nachrichten sind, dass im Kinderheim alles ganz gut läuft, den Kindern geht es gut.
Das „Programa de Amor“ hat auch seine guten Seiten. Man bemüht sich die Papiere der Kinder fertigzumachen (Geburtsurkunde, Verlassenheitserklärung, usw.) so dass Kinder besser in Pflegefamilien untergebracht werden können oder auch adoptiert werden können.