Die Frau hatte Recht, die mir vor einem Jahr sagte: „Schreib Tagebuch, Blog oder sonst was, so fleißig du kannst, wenn du am Anfang in Nicaragua bist, danach wird dir vieles so selbstverständlich erscheinen, dass du es nicht mehr aufschreiben wirst“.
So ist es. Ein Jahr ist vergangen, wir haben uns eingelebt, wir leben gerne hier.
Die Umstände haben sich nicht so sehr geändert, vieles wiederholt sich und ich will mich ja nicht ständig wiederholen oder gar beschweren…:-). Die Leute sagen weiterhin „Manana“ und „No hay problema“, sind verwundert wenn keiner zu Hause ist, der Strom fällt manchmal aus oder das Wasser, die Sonne scheint viel, ich friere nie. Das Wasserproblem haben wir nicht mehr, der Vermieter hat uns einen Tank im Garten aufstellen lassen, so drehen wir bei Bedarf den Hahn am Tank auf. Die Kinder im Heim entwickeln sich alle gut und machen wie immer einen glücklichen Eindruck. (Außer wenn man natürlich gerade während einer Troztreaktion reinspaziert kommt.)
Unserem Pflegekind geht es prima, also prima normalerweise, gerade leidet er an einer Impfreaktion und kann nicht laufen, wie alle Kinderheimkinder, die von der Dorfschwester geimpft wurden. Darauf, dass die Injektionsstelle desinfiziert wurde, haben wir bestanden. Das fand die Schwester völlig überflüssig. Heute erzählte mir eine Nicaraguanerin, dass ihre Schwester hier nach einer i.m. Injektion einen schweren Abszess bekam und fast an einer Blutvergiftung verstarb. Sie hat jetzt ein Loch an der Stelle.
Und das Vitamin A wurde ihm aus einer Tropfflasche in den Mund gedrückt. Ich weiß nicht wie viel Kinderspeichel daran klebte. So werden mit der Impfung gleich die Grippeviren geliefert.
Hätten wir den Impfstoff hier kaufen können, hätten wir selber geimpft, das heißt ein befreundeter amerikanische Arzt hätte es gemacht. Nachdem ich die Schwester impfen sah, dachte ich, selbst ich, hätte das besser gekonnt. Leider ist der Impfstoff hier nicht so leicht zu kriegen. Das Erlebnis war halt neu.