Ich kenne keine Stadt wie diese, die so Insider-mäßig ist. Wenn du hier lange lebst, kannst du vieles machen. Wenn nicht, brauchst du super dringend Einheimische DIE ALLES WISSEN sonst überlebst du mehr schlecht als recht!
Anfangs wunderte ich mich über unsere Nachbarn, die 20 Jahre jünger sind als wir und die immer sagten „Du musst das soundso machen, das musst du da und da kaufen, dann musst du da und da hingehen“ usw. Was wir alles „müssen“. Als ob wir nicht fähig wären zu überleben ohne sie. Wir werden uns schon umsehen und bald selber auskennen.
Ja, wie eigentlich? Wie habe ich mir das vorgestellt? Wie in München oder Essen oder sonst einer großen Stadt, die ich auf eigene Faust erkundet habe. Stadtplan, Telefonbuch, Tourist-Info, Bücher, U-Bahn- und Buspläne, Straßennamen, Hausnummern, usw
Ja, es gibt hier auch ein Telefonbuch – eins für ganz Nicaragua. Darin sind auch die gelben Seiten. Aber Straßennamen gibt es ja nicht. Hausnummern auch nicht. (Darüber habe ich bestimmt schon oft geschrieben. Aber ich komme, wie man sieht, irgendwie nicht darüber hinweg). Da steht dann da: Wo früher Pepsi war, drei Blöcke nach unten. Klasse, wo war denn PEPSI?? Oder „an der Ampel Colonial, ein Block zum See und 20 Schritte nach oben“. So fragte ich einen Insider, wo denn die Ampel Colonial ist. Ja da wo früher das Kino Colonial war, Aha. Alles klar. Und wo ist oben?
Jedenfalls das Telefonbuch: Man könnte ja meinen, dass es darin einen einfachen Stadtplan gäbe, wo diese markanten Stellen eingezeichnet sind, wenn es schon keine Straßennamen gibt. Wo PEPSI war und das Kino Colonial. Nein, gibt es nicht. Aber nicht nur, dass es das nicht im Telefonbuch gibt, so einen Stadtpln gibt es garnicht. Vage Pläne mit ein paar großen Straßen gibt es schon, aber sie spiegeln nicht die Adressen wieder, die im Telefonbuch stehen. Und dann haben die Kreisverkehre, an denen man sich oft orientiert, auch noch unterschiedliche Namen in den verschiedenen Plänen.
Und wo man was kauft, und wo welche Einrichtung ist, das veraten meist auch keine Schilder. Wenn ich Kinder ins große Mascota Kinderkrankenhaus bringen muss, staune ich immer wieder, dass ich mich an der roten Mauer orientieren muss, um zu wissen, wo ich von der Hauptstrasse abbiegen muss. Und das erste Mal musste ein Insider mit mir hinfahren. (Und die rote Mauer übrigens, da ist die Einfahrt zum zweitgrößten Markt der Stadt, zu dem es auch kein Schild gibt.)