Schnitzeljagd

Wir sind in Deutschland. Alles ist uns so bekannt und vertraut. Trotzdem ertappen wir uns immer wieder dabei Vorsorge für Strom- und Wasserausfälle zu treffen. Ich spüle immer sofort nach dem Essen das Geschirr, es könnte ja später kein Wasser mehr geben. Andreas hat die Digitaluhr der Mikrowelle nicht gestellt – beim nächsten Stromausfall ginge die Programmierung ja wieder verloren.

Die Kälte macht uns nicht so zu schaffen wie wir erwartet hätten. Aber die Lufttrockenheit. Unsere Haut ist wie ein Schwamm, Hautlotionen und Cremes werden aufgesaugt und hinterlassen trozdem nur eine trockene, schuppige Haut.

Die Dokumente, die wir für eine Aufenthaltsgenehmigung in Nicaragua hier in Deutschland besorgen müssen sind zahlreich und teilweise nicht ganz verständlich. Beglaubigungen der Beglaubigungen und dann noch einmal überbeglaubigen lassen. Aber jetzt wo wir es angegangen sind, scheint der Berg erklimmbar zu sein. Vor ein paar Wochen wollte ich es nicht glauben und habe mir Alternativen überlegt. Aber alle 3 Monate eine Visumverlängerung beantragen und bezahlen und dann alle 6 Monate das Land für einige Tage verlassen ist auch nicht so das Wahre. Also ran an die Schnitzeljagd. Nur das es bei unseren Papieren nicht um unser Leben geht.

Emotional wesentlich belastender finde ich die Jagd nach Gabriels Papieren. Der kleine herzkranke Junge aus unserem Kinderheim muss dringend operiert werden, im Ausland. Es ist nicht einfach ein Krankenhaus zu finden, dass ihn umsonst operieren kann, aber es sieht so aus, als haben wir eins gefunden. Das ist die gute Nachricht. Jetzt muss das Kind erst einmal eine Geburtsurkunde bekommen, die unsere Kinderheimkinder nur sehr schwer bekommen. Erst dann kann man einen Pass beantragen und ein Visum. Unsere Kollegin kümmert sich in Managua darum. So beten wir, dass der Kleine diese Zeit überlebt. Dann werde ich mit ihm reisen.

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