Heute sollte ich mit dem kleinen Adan im größten Kinderkrankenhaus Managuas erscheinen, damit er von dem Arzt der ihn operieren soll, ein Dr. Garcia aus Mexiko, untersucht werden kann.
Adan hat eine heftige Kyphoskoliose und geht deshalb nach vorne über geneigt. Er ist acht Jahre alt, sieht aber aus wie ein Vierjähriger und wird auch leider oft so behandelt. Als er vor 2 Jahren zu uns kam, konnte er überhaupt nicht laufen, da er von seinen Betreuern immer herumgetragen wurde. Er läuft und spielt jetzt weitestgehend unauffällig mit den anderen Kindern.
Als ich im Krankenhaus ankam (immerhin 36 Kilometer vom Kinderheim entfernt) wusste keiner von dem Termin. Nach langem hin- und hertelefonieren mit meinem Mobiltelefon bis ich kein Guthaben mehr hatte, erfuhr ich, dass der Arzt auf einem Kongress an einer Universität spricht und vergessen hatte mir das mitzuteilen. Ich sollte zu dem Kongress mit Adan kommen.
Es gehört nicht gerade zu meinen Stärken, mich in Managua zurechtzufinden, mit seinen fehlenden Straßennamen und so gut wie gar keiner Beschilderung, auch größerer Einrichtungen wie Krankenhäuser und Unis nicht. Nachdem ich in der falschen Uni herumlief und jeder mich irgendwo hinverwies, fand ich die richtige Uni dann ein paar hundert Meter weiter und auch die Medizinische Fakultät, auch ohne Beschilderung und den Kongress, auch ohne Beschilderung. Dr. Garcia wurde herausgeholt und bat uns hereinzukommen und auf einem Sitz vorne Platz zu nehmen. Und dann saß ich da in der ersten Reihe mit Adan auf dem Schoss und wir mussten bzw. durften 2 ½ Stunden lang der Vorlesung folgen. Es war schon interessant für mich. Aber erstens wusste der Arzt nicht, dass ich auch Ärztin bin (ich wäre sonst in Ohnmacht gefallen) und dann waren die Vorträge auch nicht gerade für das Kind geeignet. Es wurden immer Bilder von Kindern mit schweren Skoliosen gezeigt, dann die Röntgenaufnahmen, dann die blutigen Operationen. Dabei drehte ich immer Adans Kopf weg und hielt ihm die Augen zu. Er wollte es auch nicht sehen. Als aber dann Fotos von ihm selber gezeigt wurden und seine Röntgenaufnahmen, die der Arzt letztes Jahr gemacht hatte, fing er leise an zu weinen. Er konnte sich ja zusammenreimen welche Bilder bald folgen werden. Der Arme.
Dr. Garcia kam danach zu uns und sagte er würde ihn dann am Montag Morgen untersuchen, dann sollten wir noch mal ins Kinderkrankenhaus zu kommen. Oh man, warum kann man mich nicht einfach anrufen und den Termin absagen, statt mich mt dem Kind quer durch die Stadt zu schicken und ewig warten zu lassen um ihn dann doch nicht zu untersuchen. Es hilft hier vieles mit Humor zu nehmen. Aber so witzig war es nicht. Allerdings war der Arzt wirklich sehr nett und ich konnte es ihm dann doch nicht übel nehmen. Wahrscheinlich macht er seine Arbeit hier auch ohne ein angemessenes Honorar.
Adan und ich haben dann bei uns zu Hause ein verspätetes Mittagessen gegessen, und Adan, der ein sehr lieber, freundlicher Junge ist, spielte noch mit Gabriel.