Kinder in der Arztpraxis und im Kinderheim

Die Zeit in der Kinderarztpraxis tut mir gut. Durch das Zuschauen gewinne ich ein klein wenig mehr Sicherheit, dass ich nicht bei jeder Krankheit gleich mit dem Tod des Kindes rechnen muss, weil ich etwas übersehen haben könnte! Ein wenig beginne ich mich auch zu freuen, dass ich wieder medizinisch arbeiten kann. Ich war in den letzten Tagen echt motiviert Nachmittags in meine Pädiatriebücher reinzuschauen.

Wenn ich in der Praxis die Mütter und Väter mit ihre Kindern beobachte, überkommt mich manchmal ein wenig Traurigkeit und Mitleid für die Kinder, die in einem Heim aufwachsen. Sie sind zwar umgeben von vielen lieben Menschen und werden liebevoll umsorgt, aber diese ganz exklusive Beziehung zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind kennen sie nicht.

Ich mußte daran denken als wir letzten August in Nicaragua waren und die Kleinkinder zum Kindergarten brachten, rannte die 5-jährige Xochilt (ein indianischer Name) zu ihrer Kindergärtnerin, deutete auf Andreas und sagte: „Das ist mein Papa“. Wahrscheinlich kennt die Kindergärtnerin das schon. Jeder Mann, der sie in den Kindergarten bringt ist gerade ihr Papa.

Na ja, das wissen wir alle – im Heim aufwachsen ist sicher nicht die optimale Lösung. Aber besser als garnicht aufwachsen können oder hungern oder missbraucht werden…

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