Man gewöhnt sich an vieles…

Sandy mit KinderSandy, die Gründerin der beiden Kinderheime ist zur Zeit hier und ich erzählte ihr, dass ich mehrmals die Woche einen Blog schreibe. Sie fragte, was ich da so schreiben würde. Ich erklärte ihr, dass ich weniger von meinen momentanen Befindlichkeiten berichten würde (meistens sind Andreas und ich ganz vergnügt), sondern eher nur die ungewohnten Tatsachen schildern würde. Das schwüle Wetter, Tropenstürme,  Strom- und Wasserausfälle, der Schimmel, Mosquitos, Skorpione, Schlaglöcher, Polizisten, Handwerker ohne Werkzeuge, „Mañana“, Streiks, Durchfälle, Krankenhäuser, Armut, aber auch hilfsbereite Nicaraguaner, strahlende Kinder, unkomplizierte Vermieter,  Bananenstauden, Riesenpapayas, der pulsierende Markt, der tropische Regenwald, usw…

Sie meinte, ich solle so viel wie ich kann in den ersten Monaten aufschreiben, nach ein paar Jahren, würde ich das alles nicht mehr als ungewöhnlich oder berichtenswert empfinden.

Ja, das merke ich jetzt schon ein wenig. Dinge, die ich früher sofort berichtet hätte, kommen mir jetzt so alltäglich vor oder ich nehme sie eher als unveränderlich hin.

Zum Beispiel mussten wir vor 2 Tagen eines unserer Babys, Gabriel, ins Krankenhaus schicken. Andrea fuhr mit ihm hin. Obwohl es ein privates Krankenkaus ist, ließen sie Gabriel, der einen schweren Herzfehler hat (und daran bald operiert werden muss), mit seiner Lungenentzündung, Hals- und Ohrentzündung einfach 5 Stunden mit Luftnot ohne Behandlung liegen. Andrea durfte ihm nichts zu essen oder zu trinken geben, bis der Arzt ihn angesehen hätte. Ja, hätte. Der kam nie. Und Andrea ist Britin und nicht auf den Mund gefallen. Aber je mehr Theater sie machte, desto weniger schien sich zu bewegen. Schließlich packte sie ihn und sagte sie ginge, weil sie ihn nicht mehr hungern und dursten lassen könne.
Und so hängte dann die Krankenschwester endllich die i.V. Antibiose an und brachte ihm Essen und Trinken. So gut wie in diesem Moment hat er schon lange nicht mehr gegessen. Er hatte ja auch von 11 Uhr Morgens bis 21 Uhr nichts gegessen. Ich bin froh, dass er noch die Kraft dazu hatte.

Während mich solche Erlebnisse wahrscheinlich immer bekümmern werden, werde ich viele andere Dinge einfach nicht mehr so als störend oder ungewöhnlich wahrnehmen. 

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