Wir hatten vor ca. einem halben Jahr ein kleines Mädchen vom Familienministerium bekommen, deren Mutter sie auf dem Gemüsemarkt stehengelassen hat und ihr unmissverständlich klargemacht hat, dass sie sie nicht mehr haben will. Da es von ihr keine Unterlagen gab, haben wir ihr Alter an Hand ihrer Größe und ihres Gewichtes auf ca. 5 Jahre geschätzt (unter Berücksichtigung einer wahrscheinlichen Fehl- und Mangelernährung). Einige unserer Mitarbeiter erkannten sie wieder als ein Mädchen, das an einer großen Ampel Managuas bettelte. Ihre Sprache war verroht, ihre Haare verlaust, ihr Blick immer mitleideregend und anklagend zugleich und ihre Tischmanieren nicht so richtig vorhanden. Sie ertrug keine Korrektur (die aber notwendig war – schon alleine wegen der anderen Kinder!) und reagierte immer mit völligem Rückzug und der Aussage „Keiner liebt mich“. Es war nicht einfach ihr klarzumachen, dass wir sie lieben, aber sie gewissen Verhaltensweisen ablegen muss.
Aber sie hat sich in den letzten Monaten sehr gut entwickelt. Sie ging in den Kindergarten – natürlich bekamen wir Beschwerden – aber sie hat sich echt verändert.
So waren wir alle sehr traurig als wir sie im Familienministerium wieder abgeben mussten. Es hatte sich eine Tante gefunden, in einer anderen Stadt, die selber keine Kinder haben konnte und sie adoptieren will. Unsere Kollegen Lianne hat sie zu ihrer Tante begeleitet um zu sehen wo sie unterkommt und sie dort eventuell besuchen zu können.
Ich freue mich, dass sie in einer Familie unterkommt, die sie haben will und beten dass es ihr gut geht.

