Archiv des Autors: Marion

Ein Leben ohne Werbung

Die Gründerin unserer Kinderheime, Sandy, ist Gestern aus USA nach Nicaragua gekommen und hat uns einige heiß erwarteten Sachen mitgebracht, wie medizinische Bücher.  Unter anderem brachte sie Andreas einen Werbekatalog für Videozubehör. Er saß und blätterte darin, schüttelte den Kopf und meinte zu mir: „So eine Verschwendung. Das ist ein Farbdruck. Der ganze dicke Katalog…“ Ich musste an die vielen Kataloge und Werbeprospekte denken, die jede Woche bei uns in Deutschland im Briefkasten waren. Und die waren auch noch oft Hochglanzdrucke. Wie fremd uns das vorkommt. So weit weg. So viel Papier. So viel Werbung. Wozu eigentlich Werbung? Das Leben läuft hier auch ganz gut ohne. 

Jede Woche einmal öffnen wir unseren Briefkasten. Es könnte ja was darin sein, auch wenn es keine Postzustellung gibt. Noch nie war dort eine Werbung oder Postwurfsendung drin. Doch, einmal fällt mir ein. Als wir 2 Tage lang kein Wasser hatten, hat jemand eine einfache Schwarz-Weiß-Kopie mit Werbung für Wasserspeichersysteme eingeworfen. Das fanden wir schlau. 

Durch die Glastür gerannt

Heute Morgen ist Andreas durch unsere Glastür gerannt. Es hatte angefangen zu regnen und er rannte so schnell er konnte nach draußen, um die Wäsche reinzuholen. Er versuchte es zumindest.

Ich hatte gerade das Baby aus dem Kinderheim, für das wir einen Termin im privaten Krankenhaus Metropolitano nachmittags hatten, direkt neben die Glastür zum schlafen hingelegt. Ich ging ins Büro und hörte kurz darauf einen entsetzlichen Knall und zerberstendes Glas. Ich dachte, die Gasflasche in der Küche sei explodiert. Als ich ins Wohnzimmer rannte, stand Andreas vor der zerbrochenen Fensterscheibe und blutete, wie es mir schien, überall. Das Baby hatte, Gott sei Dank, keine Scherben abbekommen.

Vergrößerung: Rest der GlastürEs ist schwer Ruhe zu bewahren, wenn der eigene Mann so blutet. Ich ließ ihn sich auf den Boden legen und rannte herum und suchte genug Verbandsmaterial. Wie gut, dass ich das gute Verbandsmaterial, das mir der Schwiegervater vor unsrer Abreise mitgab, schnell fand. Andreas brauchte ein paar Druckverbände.

Während ich danach eine Freundin anrief, die in der Nähe wohnt, rannte ich zu den Nachbarn, die uns gerade gestern noch einmal eindrücklich ihre Hilfe in allen Situationen angeboten hatten und bat sie, mit mir das Wichtigste für die Abfahrt zu regeln und sich um die Scherben, die Blutlachen und die kaputte Tür zu kümmern. Liebe Nachbarn. Das hilft so. 

Meine Freundin kam, packte uns alle ins Auto und fuhr uns quer durch die Stadt. Die Fahrt schien wie eine Ewigkeit. Aber im Metropolitano hat man Andreas sofort behandelt und wieder zusammengenäht. 

Andreas fühlte sich dann gut genug, um zu dem Termin des Babys mit uns zu gehen. Das war viel schlimmer dran als er –  nicht akut, aber chronisch. Der Arzt hat uns die ernste Lage erklärt und es war schwer für uns alle, die Fassung zu bewahren. 

Als wir nach Hause kamen, hatten die Nachbarn die Tür bereits reparieren lassen und es war alles geputzt. Das hat so geholfen. Andreas geht es zwar den Umständen entsprechend sehr gut, aber er ist schon ein wenig eingeschränkt und so wird alles ein wenig komplizierter und dauert länger…  

Die Tür wird ab jetzt „dekoriert“.

Auf der anderen Seite des Flusses

Kartenvergrößerung hier klickenWir sind heute aus dem Süden des Landes westlich von Rivas (nördlich von Tola) zurückgekommen, wo wir an einem medizinischen Einsatz in einer entlegenen Region teilgenommen haben. Obwohl Andreas und ich die ganze Zeit in der selbst mitgebrachten Apotheke gearbeitet haben und die Verschreibungen des nicaraguanischen Arztes zusammengestellt und mit spanischen Erklärungen versehen haben, habe ich beim Austeilen der Medikamente manche Schicksale mitbekommen.

Wir arbeiteten mit einer lokalen Baptistengemeinde zusammen, die alle Mitarbeiter stellte, so dass wir insgesamt 90 Patienten behandeln und beraten konnten.

Wir hatten nur eine Nacht eingeplant, aber als wir nach einem langen arbeitsintensiven Tag einpackten, regnete es heftig und der Fluss über den es keine Brücke gibt, schwoll an. Wir waren ja schon gut vorbereitet und hatten statt dem Kleinbus der Hilfsorganisation, unseren höher gelegten Pickup wegen des Vierradantriebes genommen (Filmclip „Flussdurchquerunghier). Aber das was uns an diesem Abend am Flussbett erwartete war einfach zu gefährlich. Tiefster Matsch und ein Fluss der ca. Hüfthoch angeschwollen war, so dass uns die Einheimischen warnten. Viele standen am Flussbett und warteten, bis das Wasser zurückgehen würde, um dann durch den Fluss zu waten.

Vergrößerung: Andreas am Brunnen - Wasser zum DuschenDa es sowieso schon stockdunkel war und die Fahrt nach Managua im Dunkeln wegen der vielen „Hindernisse“ kein Vergnügen, sondern eher eine Gefahr ist, kehrten wir um.

Unsere Gastfamilie der Nacht zuvor lebte auf der anderen Flussseite, so dass wir eine neue Familie suchten mussten, die uns aufnahm. Spontan nahm eine Frau aus der Gemeinde uns mit. Dona Digna versorgte uns mit Reis und Bohnen und ihre Enkelin stellte ihr Bett zu Verfügung. Morgens schöpfte Andreas Wasser aus dem Brunnen und in der daneben gelegenen Dusche übergossen wir uns. Komplette Ansicht des Hofes Abtrocknen war etwas schwierig, weil die Dusche kein Dach hatte und es immer noch regnete. Das war aber nicht so schlimm, weil es morgens schon warm war und sogar ich kaum gefroren habe.

Mit der Bitte das Hausschwein photographieren zu dürfen, habe ich ein paar Aufnahmen von dem urigen Hof gemacht.

Vergrößerung: Andreas frühstücktBeim Frühstück unter einem Gemälde der Golden Gate Bridge musste ich darüber nachdenken, dass diese Menschen, die hier ihr ganzes Leben verbracht haben, sich das Leben und Treiben in einer Stadt wie San Francisco kaum vorstellen können. Und auch nicht brauchen, wenn sie hier glücklich sind. Diese beiden Welten, die wir kennenlernen durften, sind so krass unterschiedlich, dass man sich manchmal fragt, ob sie sich auf dem gleichen Planeten befinden.

Gabriel lacht und lacht…

Heute waren wir mit dem 16-Monate alten Gabriel bei seiner Kardiologin, die in einem privaten Krankenhaus Managuas praktiziert und dort auch Kinder aus armen Verhältnissen oder Kinderheimen kostengünstig behandelt.

Gabriel war in den letzten Wochen sehr vergnügt trotz seines schweren Herzfehlers. Aber bei dem Arztbesuch übertraf seine Freude alles. Neben der Ärztin kamen noch ein Kardiologe dazu und der Kardiochirurg. Gabriel lachte permanent, was weiß ich warum. Die Ärzte meinten, er würde wohl sehr viel Liebe bekommen. Ja, das glaube ich auch.

Bis vor ein paar Wochen hat er wenig gelacht, war oft schlapp und hatte regelmäßig Wutanfälle. Immer wenn er etwas nicht bekam was ihm wichtig war. Wir Missionare oder die Kinderfrauen, die ihn gerade betreuten haben es mit Geduld ertragen (auch wenn er nicht immer bekam was er wollte). Inzwischen ist er nicht mehr so wählerisch und isst alles was man ihm gibt und spielt mit dem was man ihm gerade anbietet. Und wenn es nur ein Stück Papier ist. Das wird dann eben zerknüllt und wieder glatt gemacht, unter Unständen eine Viertel Stunde lang.

Die Ärzte meinten dann noch er hätte sich gut entwickelt und sei gut genährt. Er würde bestimmt viele Hamburger und Hot Dogs essen. Der Arzt lachte als er das sagte und Gabriel lachte laut mit. Nein, nein, das isst er nie, meinte ich, er isst Gallo Pinto (das nicaraguanische Hauptgericht aus gebratenem Reis und Bohnen) – jeden Tag.

Jedenfalls war der Termin für uns nicht so hilfreich. Da die Ärzte in der Kinderkardiologischen Ambulanz weder ein Pulsoxymeter haben (um die Sauerstoffsätigung zu messen) noch einen Arzt haben, der eine Echokardiographie machen kann, haben sie sein Herz mit Stethoskop abgehört und die Sauerstoffsätigung nach Anschauen seiner Fingernägel eben geschätzt.

Da er in Nicaragua sowieso nicht operiert werden kann, wollen sie irgendwann, wenn ein Arzt aus dem Ausland kommt, wenigstens nochmal eine Echokardiographie machen lassen, damit wir mit dieser Diagnose dann ein Krankenhaus im Ausland finden, das ihn operieren könnte. Wir machen uns jetzt auf die Suche.

Als ich Gabriel ins Kinderheim zurück brachte, brauchte ich mich nicht mehr rauszuschleichen wie sonst, wenn ich etwas Zeit mit ihm verbracht habe, damit er nicht schreit. Ich habe ihm einfach gewinkt und „Adios“ gerufen und er hat begeistert gelacht, zurück gewinkt und fand das furchtbar lustig.

Hoffentlich schlägt sein Herz noch lange und lässt ihn lange so vergnügt sein. Wir beten dafür.

Der Stress muss langsam steigen

Letzte Woche sprach uns die Hausmutter der Jungen, Jackie, an, dass es eine Frau gibt, die regelmäßig zu den Jungen kommt und mit ihnen was unternimmt, was pädagogisch nicht so geschickt sein könnte und wir außerdem schon ein Alternativprogramm für die Jugendlichen haben. So haben wir Jackie gesagt, sie könnte ja mit der Frau sprechen, ihr danken für ihren Einsatz in den letzten Monaten und dass wir jetzt noch weitere Programme für die Jungen hätten und dass das alles ein wenig viel wird… oder so…
Jackie meinte, dass das absolut nicht die Nicaraguanische Art und Weise wäre „das Problem“ zu lösen. Das würde die Frau verletzten..

Wir haben uns dann erklären lassen was sie nicaraguanischer findet. Sie meinte, wir sollten einfach immer öfter auf den Termin an dem die Frau kommt eine andere Aktivität legen. Wenn sie kommt, sind die Jungs schon beschäftigt. Oder sie erfährt es von unsere Köchin..
Wir fanden, dass das so was wie „raus mobben“ sein könnte. Nein, keinesfalls, meinte Jackie, das würde die Frau gar nicht schlimm finden.

Heute traf mich dann die Erkenntnis. Hier ist oft so ein Planungschaos, Termine liegen übereinander, Leute erscheinen nicht zu geplanten Treffen oder kommen spontan und gehen wieder wenn es nicht passt und so weiter. Da würde keiner denken, dass doppelte Termine absichtlich waren.
Es passierten dann noch weitere Sachen, bei denen uns Nicaraguaner dasselbe erklärten. Mache die Sache von Tag zu Tag komplizierter für den anderen und erhöhe den Stresspegel, dann gibt er irgendwann auf. Dann brauchtest du ihn nicht direkt anzusprechen und er hat sein Gesicht nicht verloren, er hat selber die Entscheidung getroffen aufzuhören. Unser Einwand, das sei ja Mobbing, hat kein Einheimischer so gesehen.
 

Dieses Prinzip haben wir jetzt bei unserem „Kuhproblem“ versucht anzuwenden. Seit Wochen sind fremde Kühe auf unserem Grundstück rund ums Kinderheim. Da wir schon seit langem allen Bauern der Umgebung gesagt haben, dass wir kein Land als Weideland verpachten werden (wir haben viele schlechte Erfahrungen gemacht), verwunderte uns das. Vergrößerung: Wir treiben die Kühe rausWir haben sie ziemlich oft von unserem Land runtergetrieben. Nachdem Andreas mit unseren Praktikanten dann aber an einem Tag 3 Mal hintereinander Rinder verjagt hat und sie immer wieder rein kamen, haben wir uns was Neues ausdenken müssen. Wir vermuten, dass der Besitzer oft unser Tor öffnet und sie bei uns rein treibt und wir fanden unseren Stacheldrahtzaun an einigen Stellen aufgeschnitten. Unsere einheimischen Mitarbeiter ermutigten uns, gegen diese Sache entschlossen vorzugehen, da es sonst zu einem Gewohnheitsrecht der umliegenden Kuhbesitzer wird, ihre Tiere bei uns reinzutreiben.
Wir redeten mit einem der Besitzer. Der sagte nur, dass er nicht genug Weidefläche für seine 23 (!) Kühe hat und wir ja genug hätten. Wir haben beratschlagt und beschlossen, nicht direkt die Polizei zu rufen. Erst einmal den Druck erhöhen..

Also haben die Praktikanten die Kühe zusammengetrieben und auf einem kleinen Feld eingesperrt. Und der Besitzer kam. Was das denn jetzt sollte? Wir sagten ihm, er müsse eine Strafe zahlen von umgerechnet 10 Cent pro Kuh. Dann würden wir sie rauslassen. Ja wo er das denn hernehmen solle?? (Eine Kuh kann auch hier hunderte von Dollar einbringen – so arm war er also nicht). Also setzte Andreas ein Schreiben auf, wenn wir noch einmal seine Kühe auf unseren Land finden, müsste er 10 Cent pro Kuh zahlen, danach 12 Cent, danach 14 Cent und so weiter. Das sollte er unterschreiben. Er hörte sich das entsetzt an und sagte, er könne nicht unterschreiben, da er nicht lesen könne. Und überhaupt, er habe 11 Kinder, die müsse er ernähren und er wolle uns gar nichts zahlen, usw…. Andreas sagte dann, das wir in den Kinderheimen insgesamt 44 Kinder haben. Er ließ das Argument „viele Kinder“ fallen. (Er hatte Andreas zuvor sowieso erzählt er habe nur einen Sohn, und der könne nicht auf die Rinder aufpassen, weil er zu Schule gehen müsse).
Nee, nee sagte er, er habe sich jetzt 60 Jahre durchs Leben gekämpft und jetzt machen wir ihm so ein Stress.

Ja, dachten wir uns, der Stresspegel muss steigen

Es schimmelt..

Vergrößerung: Angeschimmeltes ArmbandEs regnet viel…. Regenzeit. Und bei der Wärme und der hohen Luftfeuchtigkeit schimmelt so viel. Immer wieder entdecken wir verschimmelte Sachen im Kleiderschrank (Bücher, Kleidungsstücke, Schuhe, Taschen…..).
Als wir letzte Woche im strömenden Regen aus einem Geschäft kamen, sprangen wir ins Auto und ich meinte zu Andreas: Fahr schnell, schnell nach Hause! Sonst bin ich verschimmelt wenn wir dort ankommen!
  

Rottweiler

Andreas wurde gebeten an diesem Wochenende den Lobpreis in einem Jugendgottesdienst auf Spanisch zu leiten. Letzte Woche hatte er die musikalische Einlage in einem Schulgottesdienst in der Amerikanischen Schule auf Englisch geleitet, aber Spanisch ist definitiv näher an dem was wir auf Dauer hier machen wollen. Jedenfalls waren wir heute auf dem Gelände wo der Gottesdienst stattfinden soll um die technischen Gegebenheiten dort zu sehen.

Wir hatten uns die Adresse ausgedruckt, die uns der Jugendleiter gemailt hatte. Und da es hier ja keine Straßennamen oder Hausnummern gibt, war das folgende Adresse: 

Auf der alten Straße nach Leon, Höhe Kilometer 13, rechts abbiegen, 1 Mile fahren, nach dem Fußballfeld rechts das weiße Tor, das Tor aufmachen, schnell wieder ins Auto steigen weil wir Rottweiler haben, dann auf mich warten. 

Wir haben das dann so gelöst: Vor dem Tor gehupt, das Tor einen Mini-Spalt geöffnet und auf den Gastgeber gewartet. Ja, sie hatten einige Rottweiler. Wer hier keinen Wächter hat, hat eben so was. 

Im Süden des Landes

Heute waren wir in einer entlegenen Gegend im Süden des Landes, in einer von Eingeborenen selbstverwalteten Region und haben dort mit einer lokalen Gemeinde einen medizinischen Einsatz vorbereitet, den wir im Oktober machen werden. Es war so gut wie gründlich der Leiter der Organisation, der ein Costa Ricaner ist, den Einsatz vorbereitete. Wir werden mit 2 Ärzten kommen und ich werde mit einer Kollegin beim Ausgeben der verschriebenen Medikamente helfen. Alles andere werden die Gemeindemitglieder machen. Wir haben lange gegenseitig unsere Namen geübt, damit wir an dem Tag als ein großes Team zusammenarbeiten können.

Der Pastor der kleinen Gemeinde hat fünf Kinder, von denen wir seine drei Töchter kennengelernt haben. Vergrößerung: CommedorSie standen an der Straße und verkauften, wie jeden Nachmittag nach der Schule, kleine offene Plastikbecherchen mit selbstgekochtem süßem Milchreis für umgerechnet 10 Cent. Damit verbessern sie das Familieneinkommen ein wenig.

Unterwegs aßen wir in einem „Comedor“, einer Art öffentlicher Kantine, in denen Nicaraguaner sehr häufig essen. Es wurde im selben Raum gegessen wo auch auf „Energiesparöfen“ die mit wenig Holz auskommen, gekocht wurde. Das Essen war echt lecker.

Carlito

Nachdem wir vor 2 Wochen darüber gesprochen hatten, dass die Kinderfrauen unter dem Motto „Tue was du sagst“ erziehen sollen, hat sich ein bisschen was geändert. Ich hatte ihnen gesagt, dass wenn sie beginnen konsequenter zu werden es einen „Kleinkinderaufstand“ geben könnte, da die Kinder das „seltsame“ Verhalten der Erwachsenen nicht umbedingt kampflos hinnehmen werden.

Vergrößerung: BabyfütterungEs hielt sich in Grenzen, aber manchmal musste ich doch ein wenig schmunzeln. Ich weiß nicht, wie oft ich den kleinen 3-jährigen Carlito (Name geändert) draußen vor dem Speisesaal auf einem Stuhl sitzen fand, schreiend nach Tia Leslia (Tia = Tante). Die hatten ihn wegen schlechtem Benehmen (das kann man aber echt so nennen) rausgesetzt und gesagt, wenn er aufhört zu Schreien, kann er wieder reinkommen. Er schrie minutenlang „Tia Leslia, hol mich hier weg!“.  

Eines Tages schrie er: „Ich sag es der Tia Lianne, dass Du mich hier hingesetzt hast!“ Lianne ist die Direktorin des Kleinkinderhauses und propagiert schon lange, dass Konsequenzen für sehr schlechtes Benehmen wichtig sind.

Inzwischen sitzt er meistens mit den anderen Kindern friedlich am Tisch und isst.

Süß ist auch, dass er vor ein paar Wochen entdeckt hat, was verheiratet heißt (zumindest hat er den Teil begriffen, dass Andreas und ich zusammengehören und uns auch schon mal einen Kuss geben). Er ruft jetzt immer wenn er mich sieht: Wo ist dein Ehemann? Und er wartet dann etwas verlegen, aber verschmitzt auf meine Antwort. Und jedesmal wenn er Andreas sieht, erklärt er ihm, dass er wüsste, Marion wäre seine Ehefrau, auch wieder ganz verschmitzt. 

So fiel mir dann auf, dass wir das einzige Ehepaar sind, was gemeinsam im Kinderheim arbeitet.

Wasser und Strom

Gerade wollte ich von unseren ständigen, tagelang dauernden Wasserausfällen schreiben.  Aber gerade ist der Strom jetzt schon zum fünften Mal ausgefallen, das ist nicht weiß, was mich mehr stört. Da der Sonnenuntergang jeden Tag um 17:30 ist und es um 18 Uhr dunkel ist, ist es besonders abends nicht so angenehm ohne Strom.

Aber ohne Leitungswasser ist es schlimmer. Es wird auch nie vorgewarnt oder begründet warum wir nun kein Wasser haben. Wenn ich beim Wasserwerk anrufe, sagen sie, sie arbeiten dran. Und gestern sagten sie mir, ich solle beim Stromversorger anrufen, der sei Schuld. Aber der Mann dort sagte mir, mit Wasser hätten sie ja nichts zu tun, ich solle beim Wasserwerk anrufen. Ich ließ mich nicht abwimmeln und bekam dann die Antwort: Wir arbeite dran. Ja, das hätte ich mir eigentlich denken können.

Der Wasserdruck in den letzten Wochen war entweder zu stark oder kaum oder nicht vorhanden. Den starken Druck halten manche Wasserhähne nicht aus und tropfen.

Als wir das letzte Mal einen tropfenden Wasserhahn (einen in die Mauer eingelassenen) reparieren lassen wollten, hat es leider 6 Wochen gedauert, 10 Telefonanrufe, 3 vergebliche Tage im Haus auf die Handwerker Warten und dann schließlich einmal Ausflippen am Telefon. Das hat es dann gebracht. Der Wasserhahn wurde repariert. Dabei ist zwar versehentlich die Mauer ins Wohnzimmer durchbrochen worden. Die musste dann neu verputzt und neu gestrichen werden.

Vergrößerung: NotfallwasserDas Wasser war in den letzten 8 Tagen an ca. 5 Tagen abgestellt worden. Nur früh morgens zwischen 1 und ca. 6 Uhr war es an. Das Gluckern der Toilettenwasserbehälter und das Tropfen der Wasserhähne ließ uns dann jedes Mal aus dem Bett Springen um alle Eimer wieder aufzufüllen und unser Geschirr zu spülen.  

Unser Freunde, die in der benachbarten Wohngegend leben, haben einen zentralen Wassertank, der nachts dann wieder befüllt wird, so dass keiner was von Wasserausfall merkte. Manchmal habe ich mich schon gefragt, warum das Wasser nachts kurz angestellt wird, wenn man normalerweise nichts davon hat. Wirklich nutzen tut es ja nur denen, die ein teures Wasserspeichersystem haben, aber das haben hier nicht alle…