Archiv der Kategorie: Nicaragua 2008

Unser Leben in Nicaragua, 2008

Voller Sonntag

Heute früh war Andreas im amerikanischen Gottesdienst, dann waren wir zusammen in einem nicaraguanischen Gottesdienst in unsere Wohngegend, der uns sehr gefallen hat. Der Pastor ist sehr freundlich, hat Humor, predigt anschaulich und ansprechend, die Größe der Gemeinde war überschaulich und alle waren sehr nett zu uns und zueinander. Der Lobpreis wird mangels Musiker mit einer Musik CD gemacht und alle singen kräftig mit. So war die Qualität der Musik super und auch die Lautstärke war angenehm.

Dann sind wir zu einem Jazz-Brunch vom Deutschen Club gegangen und haben es richtig genossen Deutsche kennenzulernen.

Nachdem man uns in der Deutschen Boschaft gesagt hatte, dass in Nicaragua recht wenige Deutsche leben, haben wir gedacht, dass wir Deutsche nicht einfach so „zufällig“ kennenlernen werden und auch mal was unternehmen müssen, wenn uns das wichtig ist. Wichtig war es uns am Anfang hier nicht, aber so langsam wäre es ja ganz nett, denken wir.

Eine Chilenin, die wir dort getroffen haben, die mit einem Deutschen verheiratet ist, hat auch in Aachen studiert und hat in Eschweiler an der VHS Spanisch unterrichtet. Unglaublich, die Welt ist klein. 

Das deutsche Essen im Club haben wir ebenfalls sehr genossen. Wir wußten bis heute garnicht wie sehr wir es vermissten!

Und da der Tag noch ein paar Stunden hatte, sind wir mit Freunden in eine nicaraguanische Gemeinde in Los Cedros gegangen. Dort war die Musik so laut, dass ich befürchtete einen Hörschaden zu erleiden und mich in die letzte Reihe setzte. Hier liebt man Musik, je lauter desto besser. Die Obergrenze scheint mir manchmal nur die Kapazität der Musikanlage zu sein. Und die Boxen waren riesig!

Don Juan

Wir hatten einen Landwirt…… Don Juan (Name geändert) hatte angeblich viel Erfahrung in der Landwirtschaft auf der Finca seines Vaters gesammelt. Und so hatte man ihn vor einem Monat im Kinderheim angestellt um einige Felder auf dem Kinderheimgelände anzulegen und Gemüse und Obst für unseren täglichen Gebrauch anzupflanzen.

Seine Standardantwort auf alles war: Das ist kein Problem. Er meinte, Hühner könnten wir anschaffen, die könnten von den Küchenabfällen leben. Ob wir denn nicht zufüttern müssten? Nein, kein Problem. Die brauchen nichts weiter. Wir sollten 40 kaufen. Wir zogen es vor mit 10 zu beginnen.

Wir sprachen mit Don Juan ab, erst einmal ein einziges Feld anzulegen und diverse Gemüsearten anzubauen. Das wäre kein Problem. Wir wollten wissen, was das alles kosten würde? Das wäre auch kein Problem. Es würde fast nichts kosten. Ein paar Samen und der Treibstoff für den Traktor.

Wir gingen davon aus, dass wenn er Erfahrung in der Landwirtschaft hat, wir nicht mitdenken müssten.

Aber bevor wir das Feld umgraben konnten, musste der Traktor repariert werden. Dann kostete der Treibstoff für das Feld 100 Dollar. Und das Feld war nicht mit einem Zaun umgeben. So war es nur eine Frage von Tagen, wann unsere Pferde oder Nachbars Kühe alles verwüsteten.

Bevor wir mit ihm besprechen konnten was wir machen, legte er in unsere Abwesenheit ein neues Feld an, in einem Gelände das schon umzäunt war. Aber als wir wissen wollten, wie er das Feld nach der Regenzeit bewässern will, stellten wir fest, dass nirgendwo ein Wasseranschluss in der Nähe war. Er sollte nun erst einmal warten bis wir einen Plan erstellten.

Aber als wir am nächsten Vormittag kamen, hatte er das nächste Feld umgegraben. Dort gab es noch von seinem Vorgänger, Bob (ein Amerikaner) ein Bewässerungssystem. Das Feld lag aber am Weg und war auch nicht mit einem Zaun umgeben und letztes Jahr war uns dort so viel geklaut worden und fremde Pferde hatten die halbe Ernte zerstört.

Und der Traktor musste wieder repariert werden.

Jetzt begannen wir mitzudenken… Mais wollte er in dem nicht bewässerten Feld anbauen. Das müsste noch vor Ende der Regenzeit reifen. Weißer Mais. Ich machte eine Internetrecherche und kam zu dem Ergebnis, dass wir nur dann profitabel sind, wenn wir einen möglichst hohen Ertrag erzielen. Ja klar, sagte Don Juan, wir müssen Insektizide, Herbizide, Fungizide und Dünger kaufen. Aha, was für Kosten noch dazu kommen? Nichts weiter, kein Problem.

Und wie ernten wir den Mais?, wollte ich wissen. Ach ja, wir müssen eine Erntemaschine kommen lassen. Was die denn kostet? Ach, nur etwas 10% der Ernte. Aha… Und wie machen wir Mehl daraus? Eine Mühle. Die kostet.. usw….

Wir baten Bob, der letztes Jahr Testfelder angelegt hatte, zu kommen. Die Insekten hatte er mit Wolfsspinnen komplett in den Griff bekommen. Insektizide wären nicht nötig. Wenn man erst einmal mit Insektiziden anfinge, hätten wir auch keine Spinnen oder andere natürlichen Feinde mehr und dann erst recht ein Problem. Don Juan fand das lächerlich. Insektizide schaden doch keinem. Wir Europäer hätten keine Insekten in Europa, deshalb könnten wir nicht mitreden.

Und als wir ihm dann erklärten, er solle das Feld erst einmal so vorbereiten, dass das Unkraut nicht mehr so reichlich wächst, wir könnten nicht direkt morgen säen, war er richtig böse. Das würde man in Nicaragua nicht so machen. Man lässt das Unkraut mit dem Mais wachsen.

Gemüsefeld in Lava-AscheDas ist nicht wahr! Es mag sein, dass arme Bauern das so machen und immer arm blieben, weil es zu Ernteausfällen von bis zu 80% führt und außerdem viel mehr Wasser und Dünger erforderlich macht. Aber ich hatte auf einigen unserer Fahrten durch Nicaragua Bilder von schön gepflegten, unkrautfreien Feldern gemacht. Die wollte ich ihm zeigen.

Außerdem, erklärten wir ihm, wollten wir keinen Mais anbauen, wir wollten doch Gemüse anpflanzen. Doch, doch sagte Don Juan, für die Hühner müssten wir Mais anbauen, man muss zufüttern, sonst legen sie keine Eier…. AAHHH!

Wir mussten Don Juan entlassen. Wir erklärten ihm, die Traktorreparaturen haben einfach zuviel verschlungen. Wir sagten, es täte uns sehr leid, dass er diese Anstellung verlöre. Das wäre kein Problem, meinte er. 

Leider ist Don Juan nicht der Einzige mit dem wir das erlebt haben. Einige Geschichten könnte ich noch erzählen. Die richtigen Mitarbeiter zu finden ist hier schwierig.

Krisensitzung

Hausvater mit GitarreHeute haben wir uns mit allen Missionaren und dem Hausvater der Teenager, Adolfo, zusammengesetzt und Lösungen für die „Teenager-Krise“ gesucht und für die Situation gebetet.

Adolfo und seine Mutter, die mit den 9 Teenagern in einem kleinen Haus auf dem Kinderheimgelände wohnen, haben zweifelsfrei die größte Herausforderung von uns allen, denke ich. Immer fühlt sich einer der Jugendlichen benachteiligt, nicht geliebt, ungerecht behandelt, betrogen oder in seiner Freiheit eingeschränkt und beschnitten.

Wir fragen uns nun alle (wie so viele Eltern von Teenagern): Was haben wir nur falsch gemacht? 

Bäume wachsen nach

StraßenreparaturUnsere Straße wird gerade „geflickt“. Einige Schlaglöcher waren so tief, dass wir beim Einbiegen in die Straße immer Slalom fahren mussten. Da die Straßenarbeiter nicht so viele Hüttchen und Absperrmaterial haben, haben sie einfach einen dicken Baum umgelegt, zerteilt und um die Stellen verteilt. Bäume wachsen ja nach…

Wie die Zitrusbäumchen der christlichen Grundschule in Los Cedros. Dort waren wir gestern und der Direktor, ein Chilene, hat uns das Gelände gezeigt. Ich bewunderte die ca. 1m hohen Zitronen- und Orangenbäumchen. Ja, die wären nachgewachsen, sagte er.

Er erzählte uns, wie er letztes Jahr die Gärtner fragte, was sie mit dem Asthaufen machen wollten, der sich im Schulgarten stappelte. Verbrennen. Ja, dann sollen sie das mal mache, ehe der Haufen noch größer wird. Als er am nächsten Tag auf dem Weg nach Los Cedros war, sah er schon aus ca. 5 Kilometer Entfernung eine riesige Rauchwolke vom Schulgelände aufsteigen. Er raste hin und fand die ganze Zitrusplantage brennend vor. Die Bäume waren schon 2m hoch gewachsen.

Völlig entsetzt fragte er, was sie machen?? Ihr solltet doch nur die Äste verbrennen, nicht gleich die ganze Schule!! Ja, meinten sie, aber leider haben die Bäume Feuer gefangen. Aber das wäre nicht so schlimm. Die wachsen doch nach. 

Hier hat man eben eine etwas andere Einstellung zu Bäumen und zu geleisteter Gartenarbeit.

Mañana

Im voraus planen kann man in diesem Land nicht wirklich. Genauer gesagt, nicht über Morgen hinaus. Es ist immer, wirklich immer schief gegangen, wenn wir einen Termin mit irgendwem, sei es einer Privatperson, einer Firma, dem Rechtsanwalt oder einem Amt gemacht haben. Wir haben lange versucht eine Systematik hinter dem „Einhalten“ und „Nicht einhalten“ von Terminen zu finden.  Jetzt glauben wir es einigermaßen verstanden zu haben: Das Geheimnis heißt: Mañana! (Das heißt auf Spanisch „morgen“).

Bisher kannte ich das aus Südamerika so: Mañana, heißt: Morgen, morgen nur nicht heute. Also eigentlich nie. Hier ist das anderes. Wenn man einen Termin für was auch immer haben will, lautet es immer „Mañana“  Dann wird er auch meistens, wenn auch nicht immer, eingehalten. Aber das wir am nächsten Tag vielleicht nicht können oder nicht den ganzen Tag zu Hause sind findet man immer verwunderlich. 

Da man aber mit Ämtern und Geschäften am Sonntag nicht telefonieren kann, kann man für Montag schon einmal keine Termine machen.

Wenn wir irgendetwas kaufen, was geliefert werden soll, müssen wir sicher sein, das wir am nächsten Tag zu Hause sind, weil dann immer geliefert wird. Wir sind jetzt so oft auf Unverständnis gestoßen, wenn wir gesagt haben: Wir bestellen das zwar heute, aber Morgen können sie nicht liefern, wir sind nicht zu Hause. Nicht zu Hause sein, das scheint es hier nicht zu geben. Irgendeiner bliebt immer beim Haus, wenn nicht die Señora des Hauses, dann wenigstens ihr Dienstmädchen oder ein anderer Angestellter. Schon aus Sicherheitsgründen.

Wie oft haben wir jetzt gesagt bekommen: Wir waren an ihrem Haus, um Ihnen ein Dokument (oder was auch immer) abzugeben, aber es war keiner da! (Man könnte ja auch mal vorher angerufen haben…)

Wie wir das Problem kulturgerecht lösen sollen, wenn weder ich den ganzen Tag zu Hause bleiben will, noch wir ein Dienstmädchen anstellen wollen, weiß ich auch nicht. Aber es wird für uns zunehmend schwieriger cool und geduldig zu bleiben wenn jemand wieder vorwurfsvoll sagt „Sie waren nicht zu Hause!!“ 

Einen Vorteil hat das ganze System jedoch: Einen Taschenkalender braucht man nie dabei zu haben. Die Termine für den nächsten Tag kann man sich ja noch so merken. Im Kalender stehen bei uns nur die Flugtermine, unsere eigenen und die anderer, die uns besuchen kommen. Die Fluggesellschaften machen bei dem Mañana-System nicht mit.

Gutes Essen

Heute hatten wir einiges für das Kinderheim in Managua zu erledigen. Leider fand Andreas keine Hose mehr, die ihm gepasst hätten, auch die Gürtel konnten seine Hosen nicht mehr hochhalten. So beschlossen wir, wenn wir sowieso schon in der Stadt waren, neue kaufen zu gehen, was gar nicht so einfach ist, wenn man sich in dieser Stadt nicht auskennt.

Eine weitere Maßnahme, neben der eine neue Konfektionsgröße anzulegen, war der Besuch eines westlichen Schnellimbisslokals wo er sich die „kalorienreichste Mahlzeit für das wenigste Geld“ bestellt hat. Da mir das nicaraguanische Essen sehr zusagt und die Hitze meinen Appetit auch nicht bremsen kann, habe ich lieber eine andere Mahlzeit gewählt…

In dem Bekleidungsgeschäft mussten wir uns ein wenig an die Verkäuferinnenflut gewöhnen, die in der Umkleidekabine zu viert dann direkt vor seiner „Zelle“ standen. Ich stellte mich dazu und wir starrten dann alle 5 gebannt auf seinen Bund. Ob die Hose passt? Wir kauften zwei Hosen für ihn, das kalorienreiche Essen braucht schließlich seine Zeit bis es „wirkt“.

Dann fuhren wir in eine Schlosserei um Schlüssel nachmachen zu lassen. Der Besitzer des kleinen Ladens war redselig und wollte wissen, ob wir aus dem demokratischen oder dem föderalen Teil Deutschlands kämen. Ich schaute ihn etwas fragend an und er fragte, ob wir auf dem Teil Deutschlands kommen, der früher demokratisch genannt wurde aber nicht demokratisch war? Nein, sagte ich, wir kommen aus dem Teil der auch wirklich demokratisch war.

Er erzählte uns seine Meinung über die Armut in Nicaragua. Armut ist ein Lebensstil in seinem Land. Selbst wenn du einem Armen 100 Dollar in die Hand drückst, wird er es nicht benutzen um sein Haus in Ordnung zu bringen, sondern er wird es so lange für Vergnügen ausgeben, bis es verbraucht ist.

Er sei der Meinung dass sich jeder, ob er viel oder wenig Geld hat, viel und gutes Essen leisten sollte. Wer am Essen spart ist geizig. Ein reicher Nicaraguaner, mit dem er oft zusammenarbeitet, isst immer nur Tortillas um Geld zu sparen. Der wäre zwar reich an Geld, aber arm in seinem Lebensstil.

Da fielen uns Andreas Gürtel im Auto ein. Ob er einen Locher für Ledergürtel habe? Wir müssten ein paar zusätzliche Löcher in einige Gürtel machen. Ja, einen Locher aus der ehemaligen DDR habe er. Der wäre so billig gewesen, so habe er ihn sich damals zugelegt. Früher gab es in Nicaragua im Wesentlichen nur Importe aus der DDR und Russland. Wahrscheinlich hat er seine Gürtel damit immer nur weiter gemacht. Man sah ihm an, dass er nicht geizig war (zumindest nach seiner Definition).

Nach dem Lochen fuhren wir auf dem Nachhauseweg in einer deutschen Metzgerei vorbei und leisteten uns, wie bisher erst zweimal, deutschen Wurstaufschnitt. Und dann haben wir uns so ein richtiges gutes Abendbrot zu Hause gemacht.

Ja, deutsche Essen schmeckt mir auch. 

   

Gärtnern

In der letzten Zeit fiel mit zunehmend auf, dass der Gärtner und sein Gehilfe im Kinderheim Los Cedros eigentlich nur mit Machete arbeiten, wie die meisten Gärtner hier. Die Machete benutzen sie wirklich für alles. Auch fürs Rasenmähen, allerdings haben wir für die große Rasenfläche dort einen Rasenmäher.
 
Aber als wir letzte Woche eines Morgens im Kinderheim ankamen, konnte ich mich kaum einkriegen, weil der Gärtner und sein Gehilfe wieder alle Dekopflanzen mit der Machete kurz und klein gehackt hatten.
 
Das wunderschöne Zierbeete am Babyhaus mit lauter exotischen Büschen und Blumen, war völlig zusammengeschlagen. Nur die Palmen standen noch. Und ein paar kahle Stängel. Ich habe vorsichtig angefragt, was das denn soll. Ach, das wächst alles wieder.
 
Ja, irgendwie schon, denke ich, aber manche Beete, die letztes Jahr noch schöne Dekopflanzen und Blumen hatten, bestehen jetzt nur noch aus Erde. Die Erde wird schön unkrautfrei gehalten. Sandy war bei ihrem letzten Besuch auch schon irritiert darüber. Wo all die Pflanzen geblieben sind?
 
Papayabaum im Kinderheim Entweder warten jetzt alle, dass irgendeiner mal neue Pflanzen für die Beete kauft oder was mir so langsam dämmert ist, dass unsere Vorstellung von schönem Garten einfach anders ist, als die mancher Nicaraguaner. Weil hier alles so tropisch gut in der Regenzeit wächst, wird vielleicht ein Garten, der schön leer gehalten wird, als gut gepflegt angesehen? Ich werde dem auf die Spur gehen.
 
Papayafrüchte sind relativ teuer, halten nicht so lange wenn wir sie auf dem Markt kaufen, aber alle lieben sie als Zwischenmahlzeit. Und der Papayabaum, die schon im Kinderheim wächst, hat nach einem Jahr so reichlich Frucht getragen und die Kinder sind begeistert. Da uns die Wassermelonen hinter dem Kinderheimgebäude gestohlen wurden, aber wir von der Papayapflanze auf der Spielwiese schon viel geerntet haben, habe ich mir gedacht, dass wir noch ein paar gebrauchen könnten. Also habe ich heute Morgen 2 kleine Papayabäumchen gekauft und Julio, unseren Gärtner gebeten sie am Rand der Spielwiese der Kleinkinder einzupflanzen. Und schützen solle er sie mit Pfosten damit sie beim Rasenmähen nicht beschädigt werden und von dem Kindern nicht umgerannt werden.
Kleines PapayapflänzchenAls ich rauskam hatte er sie gepflanzt und mit 3 dicken Pfosten umgeben umd die von oben bis unten mit Stacheldraht umwickelt. Ich lobte ihn für den super Schutz, meinte aber, dass es ja immer noch die Spielwiese der Kinder ist und keine Obstwiese und so ginge die Sicherheit der Kinder vor. Also statt Stacheldraht was Kinderfreundliches.. Wir haben schließlich einen alten Schlauch gefunden und den wir zum Umwickeln benutzt. Mal sehen, ob die Bäumchen überleben.
 
Als ich Julio zu seinen Erfahrungen mit Gärtnern gefragt habe, sagte er, er habe eigentlich gar keine Ahnung und würde sich freuen was zu lernen. Das braucht man mir nicht zweimal zu sagen. Ich liebe Gärtnern. Und so habe ich losgelegt, mit der Neugestaltung der Gartenanlage, die nach den vielen Kahlschlägen dringend notwendig geworden ist. Wenn nur die Hitze nicht wäre.
 
Eigentlich habe ich von tropischen Gärten auch nicht so viel Ahnung…   

Ich welke..

Inzwischen haben wir seit 48 Stunden kein fließendes Wasser mehr.

Andreas musste heute ins Kinderheim um dort die Übergabe von gespendeten, medizinischen ophtalmologischen Geräten an Vertreter des Gesundheitsministeriums durchzuführen und zu dokumentieren. Er hat dann dort geduscht.

Ich mußte zu Hause bleiben, weil bei dem Versuch den tropfenden Wasserhahn im Bad zu reparieren der Handwerker versehentlich die Wand zum Wohnzimmer durchgebrochen hat. Die sollte dann heute neu verputzt und gestrichen werden. Zusätzlich zu dem schon gestern beschriebenen Herausforderungen ohne Wasser kam also noch das Verputzen der Wand..

Ich bat Andrea, die mit Pedro heute Morgen sowieso ins Krankenhaus in Managua fahren musste, mir Wasser vorbeizubringen. Die zwei Eimer waren so hilfreich. Geschirrspülen, „Duschen“ und mit dem gebrauchten Wasser dann Toilette spülen.

Ich habe alle Eimer und Wannen, die ich besitze in den Garten gestellt, aber leider hat es trotz Regenzeit nicht mehr als ein paar Tropfen geregnet.

Die Wasserwerk-Hotline sagte mir zwar, dass das Wasser heute Nacht wieder angestellt wird, aber man weiß es nie so richtig. Als ich die Telefonnummer der Hotline suchte, habe ich die letzte Wasserrechnung rausgekramt. Darauf stand groß: „Ohne Wasser gibt es kein Leben.“ Ja, ich welke so langsam…

Traktor

Mit Hilfe eines Traktormechanikers haben wir den alten Traktor wieder in Gang gebracht, so dass einige Arbeiten auf dem Land des Kinderheimes erledigt werden können. Als es darum ging, den Traktor samt sehr langem Anhänger in den Schuppen rückwärts einzuparken, bot sich Andreas an. Dank seines Traktortrainings und Anhängererfahrung bog er in einem eleganten Schwung in den Schuppen und stand perfekt ohne weiteres Rangieren. Alle männlichen Angestellten, die dabei standen, staunten was „Doctore“ (wie sie ihn manchmal nennen) kann.

Bisher haben wir uns mehr auf das Orangisieren und Verwalten konzentriert, aber wir freuen uns darauf, auch mal „praktisch“ zu werden.

Wasser

Jetzt haben wir schon seit 24 Stunden kein Leitungswasser mehr. Die Dame an der Wasserwerk-Hotline erklärte mir, dass eine Leitung defekt sei und heute Nacht repariert werden soll. Wann wir wieder Wasser haben werden ist unklar.

Mein Körper klebt von Sonnenschutzmilch, Fenistil-Gel (auf den Mosquitostichen), Insektenrepellent und Schweiß vom Arbeiten bei 35° C den ganzen Tag.

Das Geschirr türmt sich in der Küche und lockt Insekten an und die Toilette, die sowieso schon so super leicht verstopft, will ich nicht beschreiben.  

Da wir in der letzten Zeit immer nur Nachts kein Wasser hatten, haben wir keinen größeren Wasservorrat mehr angelegt. Wie dumm. Das ist aber auch nicht ganz so einfach, wie es klingt, weil sich in dem Wasser schnell mal was tummelt. Die 15 Liter, die ich in einem Eimer vorrätig hatte, habe ich zum größten Teil zum „Duschen“ heute Morgen verwendet, als ich vom Joggen zurückkam. Joggen in dem Tropen, ist am Morgen eben immer noch tropisch. Nicht heiß, aber sehr warm. Sehr schweißtreibend. Ich nahm an, dass wir, wie immer morgens, irgendwann wieder Wasser haben würden. Und so opferte ich das Wasser aus dem Eimer. 

Im Kinderheim fiel das Wasser auch für 5 Stunden aus, aber Andreas hat dort Duschen können.

Aber jetzt zum Positiven: Wir haben in den letzten 24 Stunden ganze 23 Stunden lang Strom gehabt!