Wir haben jetzt schon seit 2 Tagen Sprachunterricht hier in Matagalpa, der sehr abwechslungsreich ist. Wir nehmen unterschiedliche Themen durch, gestern war es die nicaraguanische Begrüßung (wer küßt wann wen) und nicaraguanische Volkslieder. Heute war es der nicaraguanische Machismus und traditionelles Rollenverständnis, Gewalt in der Familie und Straßenkinder. Mein Spanisch muss besser werden. Was ich alles so falsch mache, merke ich jetzt. Na ja, man hat mich bisher meistens verstanden.
Als Hausaufgaben mußte ich heute schreiben, was ich alles anders machen würde, würde ich mein Leben noch einmal von Anfang anfangen. Interessante Frage. Außer schneller aus meinen Fehlern lernen, würde ich nicht zu viel anders machen wollen (ein paar Sachen gibt es da natürlich schon). Eine Sache würde ich jedenfalls wieder so machen: Andreas heiraten.
Nachmittags gibt es dann Kulturprogramm. Gestern waren wir mit einem Führer auf einem großen Friedhof. Das war spannend (und bunt).
Andrea habe ich heute angerufen um zu hören wie es ihr und Pedro geht. Lianne hat darauf bestanden, dass sie abschalten muss und eine Pause nehmen muss. So ist sie in unser Haus in Managua gefahren um dort zu lesen und die Nacht zu verbringen. Aber gerade als sie ankam, fiel der Strom aus. Ich habe ihr erklärt, wo sie Kerzen findet, aber ohne Ventilator wird das eine heiße Nacht.
Pedro geht es nicht so gut. Er fiebert immer wieder. Die Wunde kann nicht zugenäht werden, weil sie zu groß ist, sagt der Arzt. Nachdem Andrea sehr penetrant war, hat der Arzt ihr endlich ein bisschen mehr erklärt. Das Krankenhaus hat bis auf trockene Gaze kein anderes Verbandsmaterial auch nicht für die Verbrennungsstation. Die Schubladen sind leer. Er hat ihr ein paar Gazestücke in Vaselin getränkt und sterilisiert, so dass es beim Verbandswechsel nicht mehr so klebt. Auch wenn die Krankenhäuser es sich nicht leisten können, wird es vielleicht möglich sein, Material in einer guten Apotheke zu bekommen. Wir werden uns erkundigen müssen.
Für 60 Dollar konnte Andrea ein kleines Stück Silikon kaufen um die Maske für Pedro bequemer zu machen, aber es fällt immer ab.
Pedro ist ja nicht unser einziges Sorgenkind. Ein Baby muss bald am offenen Herzen operiert werden und ein 7-jähriger am Rücken. Ich will es mir garnicht vorstellen….



Heute war unser Vermieter da um die letzten Gitter an Fenster und Türen anzubringen. Das hatten wir als Teil des Mietvertrages vereinbart, da es hier kaum ein Haus ohne Gitterschutz gibt. Die Türen und Fenster lassen sich sehr einfach eindrücken und stellen keinen echten Schutz dar. Selbst die Armen, die es sich leisten können, vergittern ihre Häuschen. Wie ich von einer Einheimischen hörte, klauen sie sich manchmal gegenseitig den Reis aus der Hütte.
Der Elektriker kam heute mit seinem Gehilfen um uns Strom ins Badezimmer zu legen. Er hat ausgemessen wie viel Kabel wir brauchen um dann mit Andreas in den Fachhandel zu fahren und das Material zu kaufen, da er kein Auto hat. Die Wände, die Andreas nachgemessen hat, waren vom Elektriker falsch ausgemessen und die hat er korrigiert. Leider hat Andreas eine Wand nicht kontrolliert. Nun ist das Kabel 2 m zu kurz!
Heute waren Andrea und ich mit unserer Hauptköchin des Kinderheimes Los Cedros auf dem Gemüsemarkt. Wir haben alle unnötigen Wertsachen abgelegt und uns ins Gewühl gestürzt. Normalerweise nehmen wir einen unserer Tennagejungen mit, aber wir dachten, dass 3 Frauen dass schon alleine schaffen. Letztendlich haben wir dann einen Teenager vom Markt engagiert, der für ein paar Cordobas auf dem Pick-Up sass und alles bewachte was wir dort ablegten. Wir hätten es unmöglich alles herumtragen können. 5 Wassermelonen, 10 Ananas, 100 Bananen usw….
Pedro ist vor 3 Monaten schwerstverbrannt. Ich schätze, dass
, manchmal auch fehlende Gullideckel, die fehlende Fahrspurmarkierung, Überschwemmungen, die vielen Busse und Taxis die ihre Spur nicht einhalten, die Pferdewagen, Straßenverkäufer und die staatlichen Freunde und Helfer. Die halten besonders uns mit heller Haut gerne an und drohen uns den Führerschein wegzunehmen, wenn wir nicht eine andere Lösung ($) finden…. Meistens können wir die Vergehen, die wir gemacht haben sollen, nicht nachvollziehen oder auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse nicht verstehen. Meistens läuft es darauf hinaus, wir hätten eine durchgezogene Linie überfahren. Das ist in diesem chaotischen Verkehr leider manchmal der Fall und es gibt nicht immer Alternativen dazu, gerade wenn man Hindernissen ausweichen muss. Auch die Erklärung, dass an der Stelle gar keine Linie ist, hilft nicht. Ja, da ist zwar keine, aber da sollte eine sein, und wenn sie da wäre, hätten wir sie überfahren… o.k. irgendwie leuchtet das ein, irgendwie…