Archiv der Kategorie: Nicaragua 2009

Unser Leben in Nicaragua, 2009

Die Skorpione rücken näher

Skorpione haben wir zwar regelmäßig im Haus, aber in letzter Zeit rücken sie uns ein wenig zu nahe, finde ich.

Letzte Woche habe ich die schmutzige Wäsche aus dem Wäschekorb sortiert und als ich unten im Korb ankam, saߠunten drin ein recht großer Skorpion. Die nächsten Tage habe ich meine Wäsche nur noch Stück für Stück rausgehoben und erst einmal ausgeschüttelt und Gabriel nicht mit sortieren lassen und so… Aber das war mir angesichts der Menge an Wäsche zu lästig und jetzt wird wieder schnell durchsortiert. 

Vergrößerung: Adolfos AutoDa es heute heiß wurde, zog ich mir Nachmittags einen luftigen Rock an, der länger im Schrank gehangen hatte. Es klingelte kurz danach an der Tür. Adolfo (der Hausvater der Teenager) wollte mir zeigen, wie sein Auto aussieht, wenn er auf dem Markt für das Kinderheim eingekauft hat. Und während ich seine kleine Nuckelpinne so photographierte deutete Germey, ein Junge aus dem Kinderheim, der ihm beim Einkauf geholfen hatte, auf mein Bein, aber sagte nichts. Ich wusste nicht so was er wollte, aber irgendwann meinte er dann „Ein Skorpion sitzt da auf deinem Bein“. Ich erstarrte und sagte immer nur „Adolfo, töte ihn!!“

Adolfo schlug ihm mir vom Bein und tötete ihn. Ich habe echt Glück gehabt, dass er mich nicht gestochen hat. Als die beiden weg waren, zog ich den Rock aus und schüttelte und schüttelte und schüttelte ihn. Als ich endlich damit aufhörte, packte Gabriel den Rock und schüttelte ihn und schüttelte ihn. Dann trug er ihn zum Kleiderschrank…. dem Kleiderschrank dem ich nicht mehr traue. Aber da Gabriels Bett direkt davor steht, will ich da jetzt kein Gift sprühen.

Unser Vermieter meinte, es wäre doch ganz nützlich Skorpione im Haus zu haben. Die würden die Mosquitos fressen. Geckos und Spinnen wären mir aber lieber. Aber, meinte der Vermieter, Spinnen würden doch so hässliche Netze spannen, die Skorpione nicht. Na dann.

Passfoto

Als ich Gabriel heute Fotos zeigte, wollte er unbedingt ein Passbild vom Andreas haben und schrie immer „Mio!“ („Meins!“). So gab ich es ihm und er lief herum zeigte es jedem und sagte: „Ade!“ Jetzt wissen wir endlich wie er Andreas nennt. Es schien uns irgendwie komisch, dass wenn er nach mir rief, er immer „Mayon Ade“ rief, aber jetzt wissen wir ja was es heißen soll.

Als er jedenfalls genug mit dem Bild herumgelaufen war, steckte er es Luz, einem Kindermädchen in den Ausschnitt. Die zog es völlig entsetzt raus und meinte, wenn ihr Lebensgefährte das dort findet, bringt er sie um. Peinlich.

Betrogen oder nur verschlampt?

Bitter war es festzustellen, dass der Rechtsanwalt, der unser Werk hier vertritt, zwar sein Honorar eingenommen hat, aber ein Großteil der notwendigen Dokumente nicht an die entsprechenden Behörden weitergeleitet hat. So stehen wir in manchen Bereichen, in denen Andreas sehr viel Arbeit investiert hat, wieder vor dem Null. Irgendwie müssen wir das jetzt den Behörden klarmachen.

Ständig haben wir den Anwalt im letzten Jahr gebeten, uns alles Notwendige zu erklären, damit wir alles pünktlich und ordentlich einreichen können. Seine Aussagen: „Ja, ja geht schon alles klar“, oder „Das ist so kompliziert, das könnt ihr gar nicht selber machen, das mache ich“ wurden uns immer verdächtiger. Das volle Ausmaß ist uns dann am letzten Tag des Jahres 2008 klargeworden, als wir uns mit einem unabhängigen Berater getroffen haben. Der Experte teilte uns mit, dass wir viele Dinge hätten machen müssen, über die uns unser Anwalt nicht korrekt informiert hat. Jetzt heißt es: Nacharbeiten und das Beste hoffen.  

Es ist einfach nicht zu fassen manchmal. Irgendeinem muss man doch hier trauen können.