Archiv der Kategorie: Nicaragua 2010

Unser Leben in Nicaragua, 2010

Neue „Familien-Dynamik“

Es war eine schwierige „Schwangerschaft“, nun hat sich unser zweites Kind gut eingelebt und wir uns als Eltern gut an die neue „Familien-Dynamik“ gewöhnt. Schon Mitte 2009 stellten wir den Antrag den kleinen, damals 2-jährigen Meiko als Pflegekind zu uns nehmen zu dürfen. Er war schon immer ein kleines Baby gewesen, aber seitdem er 11/2 ist, ist er nicht mehr gewachsen und hat nicht zugenommen. Er fiel immer mehr gegenüber den Gleichaltrigen zurück. Zahlreiche Untersuchungen ergaben immer nur, dass er eigentlich gesund ist und ihm wahrscheinlich „nur“ eine Familie fehlt. 

Meiko und MarionIch wünschte ich hätte Tagebuch geführt von den 9 Monaten die folgten. Die Außenstelle des Familienminsiteriums, die für seinen Fall zuständig war, wußte nicht das sie zuständig sein sollte. So wurde ich von Amt zu Amt geschickt, traf meistens niemanden an, der mir weiterhelfen konnte, dann wurde festgestellt, dass seine Akte verloren gegangen war. Wenn ich dann jemanden fand, der sich zuständig fühlte, bat er mich in der folgenden Woche wiederzukommen, dann war er oder sie aber nicht da, ein Telefon hatten die Ämter nicht und so ging es Woche für Woche. Ach, gut dass sie kommen, es fehlen noch Dokumente, die sie einreichen müssen. Ach, ein Pflegekind? Nein, Ausländer dürfen Kinder nicht mehr in Pflege nehmen, usw.
Ein Kind ohne Geburtsurkunde, und ohne Akte. Aber er stand in der offiziellen Liste der Kinder, die in unserem Kinderheim leben. Im Februar diesen Jahres (Meiko hatte inzwischen seit über einem Jahr nicht zugenommen und war nicht gewachsen) dann endlich bei einem meiner spontanen Besuchen im Familienministerium die Mitteilung wir könnten Meiko zu uns nehmen. Aber nur für 2 Wochen. Nein, das kann ich dem Kind nicht antun.  

Schon wenn ein Kind aus dem Kinderheim mal eine Nacht bei uns schlafen durfte, heulte es, wenn es zurück musste. Nicht weil es im Heim so schlimm ist, sondern weil es etwas so besonderes ist für die Kinder mal einen Tag so was wie eine richitge Familie leben zu können.Auf der anderen Seite überlegte ich mir, wenn ich das Angebot ablehne, wird Meiko vielleicht nie zu uns kommen. Ich überlegte hin und her, rief Andreas an, der sofort aus dem Kinderheim kam, weil er eine Unterschrift für die Pflegeerlaubnis leisten musste. Als er ankam hatte die Sachbearbeiterin eine dauerhafte Pfelgeerlaubnis ausgestellt. Und so kam am nächsten Tag Meiko zu uns. 

Inzwischen spricht er gut Deutsch, redet andauernd von Familie („Wir sind eine Familie, alle zusammen, alle, Mami, Papi, Meiko und Gabriel“), liebt seinen Bruder, mit dem er die ersten 1 1/2 Jahre seines Lebens schon verbracht hatte und seitdem er bei uns lebt ist er 3 1/2 cm gewachsen!!! Heute habe ich zum ersten Mal Kleidungsstücke von ihm aussortiert, die ihm nicht mehr passen! Bisher schieden sie nur wegen Verschleiß aus oder weil sie zu babyhaft waren.

Buschfeuer und dreckige Wäsche

Gestern brach ein Buschfeuer recht nah an unseren Kinderheimhäusern aus. Ich war gerade auf einem medizinsichen Einsatz in einem entlegenen und sowieso nicht per Telefon erreichbaren Ort. Andreas hat es schnell bemerkt. Leider haben die Flammen die elektrischen Leitungen zerstört, so dass sie Wasserpumpe nicht mehr funktionierte. Die Feuerwehr kam erst nach einer Stunde, so dass man die auch vergessen konnte.

Andreas gelang es mit einigen Feldarbeitern in einem Abstand von ca. 5 Metern von den Häusern das Feuer mit Palmwedeln auszuschlagen. Währenddessen hat Lianne die 17 Kleinkinder mit unserem Toyota-Truck ins Dorf evakuiert. Wie die Kinder da reingepasst haben ist uns im Nachhinein schleierhaft, aber es funktionierte und die Kinder fanden das furchtbar aufregend.

Da es danach keinen Strom mehr gab, konnte Andreas die seit 2 Tagen nicht mehr so richitg funktionerende Waschmaschine nicht reparieren. Und bei 17 Kleinkindern, die wegen der Hitze und dem Staub 3 Mal am Tag frisch angezogen werden ist SEHR viel Wäsche angefallen. So nahm ich gestern Abend 3 Körbe voll schmutziger Kinderwäsche mit nach Hause. Andreas hat dann kaum sein Frühstück runter bekommen, so stank die Wäsche.