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Vorbereitung auf Nicaragua

Weihnachtszeit

Die Weihnachts- und Neujahrszeit hier war für mich hier viel schöner als ich erwartet hatte. Warme Temperaturen aber ein angenehmer Wind vom Pazifik, nette Deko, deutsche Weihnachtsmusik, die wir uns mitgebracht hatten halfen es zu genießen. Wir haben uns eine süße Weihnachtskrippe hier gekauft, deren Figuren urige Mäntel anhaben, aber alle barfuss sind. Die Kinder des Kinderheimes verbrachten Weihnachten mit den Missionarsfamilien und wir besuchten uns gegenseitig.

Unschön waren die Tage, an denen wir mit Gabriel wieder in die Notfallaufnahme mussten.  

Wenn es Gabriel gesundheitlich gerade gut geht, ist er fast wie ein normaler kleiner 1 1/2-Jährige und hält uns ziemlich auf Trab aber wir müssen auch ständig mit ihm lachen. Wenn es ihm schlecht geht, hält er uns noch mehr auf Trab. Ich zähle schon gar nicht mehr die Medikamente, die ich dem armen Kind einflößen soll. Er macht es meistens mit. Die Ohren- und Nasentropfen erfordern ein bisschen mehr schauspielerisches Geschick von uns. Aber er findet es so witzig, wenn wir uns schütteln vor lauter angeblichen Tropfen in der Nase, dass er es dann auch unbedingt haben will.

Seit einer Woche wird uns tagsüber wieder das Wasser ausgestellt, das heißt der ganzen Wohngegend. Meistens ca. 15 Stunden lang. Das ist ohne Kind schon doof genug, aber mit Kleinkind im Haus ist das nicht mehr witzig. Wenn ich nicht sehr früh Morgen die Waschmaschine anstelle, läuft sie nicht mehr zu Ende und ich muss bis zum nächsten Morgen warten. Da wir so sparsam mit dem Putzwasser aus den Eimern umgehen müssen und Gabriel viel rumkleckert, finden die Ameisen meinen Boden wohl interessanter als sonst und heute Morgen hatten wir eine Ameisenstrasse quer durchs Wohnzimmer. 

Gestern habe ich beim Wasserwerk angerufen und meine Empörung ausgedrückt. Und ich bekam dieselbe Antwort wie die letzten Male wo das Wasser über viele Tag abgestellt war: Morgen wird es endgültig angestellt. Und siehe da, so wie immer. Wir haben tatsächlich heute Wasser!

Jetzt frage ich mich ernsthaft, ob ich immer zufällig am Tag bevor das Wasser sowieso wieder angestellt werden soll anrufe oder ob meine Beschwerde in leicht fehlerhaftem Spanisch was bringt. Schwer zu glauben. Es ist wohl eher Zufall. Soweit ich weiß, beschweren sich viele andere auch.

Kannibalismus und heißes Wasser

Vor ein paar Tagen sprachen wir mit Sandy, der Frau, die das Werk in Nicaragua gegründet hat in dem wir arbeiten werden über den Autokauf. Sie sagte, es sei wichtig ein sicheres Auto zu kaufen, da statistisch gesehen mehr Missionare in Autounfällen sterben als an irgend etwas anderem im Einsatzland.
Gestern hörte ich dann wie Andreas am Telefon einer Frau, die uns in Nicaragua besuchen wird, erzählte: „Statistisch gesehen sterben mehr Missionare in Verkehrsunfällen als dass sie von Kannibalen gefressen werden.“ Die Frau am anderen Ende muss geschockt gewesen sein und ich schaute Andreas etwas verwundert an. Er meinte nachher, er wollte nur ein paar Beispiele für „alles andere“ finden und ihm sei nun mal nur Kannibalismus eingefallen. Na ja, recht hat er ja mit dem Satz. Gelogen ist es nicht.

Der Kaffee hier in USA ist manchmal so dünn, dass Andreas und ich ihn nicht trinken mögen. Jeder der weiß, wie dünn wir unseren Kaffee trinken, wird wissen was das heißt! Andreas meinte heute zu dem Kaffee: „Na ja, heißes Wasser ist auch gesund.“

Gestern und heute waren sind wir wieder auf einer Missionskonferenz. Da wir nicht die Missionare der Gemeinde hier in Birmingham, Alabama sind, sind wir nur Gäste. Es ist einfach interessant alles mitzuerleben. Wir übernachten bei einem älteren Ehepaar, die fast alle Missionare ihrer Gemeinde (und es sind ungefähr 20) persönlich finanziell unterstützen. Das ist hier in USA unglaublich. Die große Bereitschaft zu Spenden.

Missionare – ein Volk für sich

Wir lernen hier auf der Missionskonferenz viel von anderen Missionaren und es ist gut so viele „auf einem Haufen“ zu haben. Es ist ein Volk für sich. Gott sei Dank hat sich in den letzten Jahrzehnten der typische „Missionars-Look“ weitestgehend erledigt. Man kleidet sich jetzt meistens so, wenn möglich, so wie die Menschen unter denen man sich gerade aufhält. Früher habe ich immer gedacht, wenn ich so als Missionar rumlaufen muss wie die, die ich kenne, dann will ich nie einer werden müssen. So ging es wohl auch vielen anderen, die ich gesprochen habe.

Die Menschen hier in Pensacola sind so nett zu uns. Zu nett, finden wir manchmal, dann wird es nämlich um so schwerer fallen hier wieder Abschied zu nehmen und nach Nicaragua auszureisen. Das Essen ist phänomenal. Der Nachtisch noch phänomenaler –  das Beste (was Essen betrifft, denke ich irgendwie immer in Superlativen). Gestern haben wir uns die Teller mit Nachtisch vollgeladen und der Mann an unserem Tisch fragte, ob wir Sportler wären oder Jogger. Ich meinte: Ja, irgendwie (immerhin waren wir in den letzten 6 Tagen hier 2 Mal 20 Minuten Joggen!). Als ich nach Hause kam habe ich sofort, noch am späten Abend, meine Laufsachen angezogen und bin Laufen gegangen. Damit mein „Ja“ auch ein Ja ist 🙂 .

Unsere Gastgeber schreiben in ihrem Blog über uns – natürlich nur Nettes – was gäbe es sonst zu sagen über uns. Wir können natürlich alles lesen was sie schreiben, aber sie verstehen kein Deutsch und können nicht lesen was wir über sie schreiben. In ihrem Fall wäre es aber nicht schlimm. Aber wir sagen es ihnen persönlich was wir empfinden: Sie sind sehr sehr freundliche, hilfsbereite Menschen und so bemüht, dass es uns gut geht. Es macht Spaß ihre Missionserfahrungen aus Afrika zu hören und von ihren Einsichten und Fehlern, von denen sie auch erzählen, zu lernen.

Filmen lernen

Heute waren wir den ganzen Tag auf einem Filmseminar, der speziell für Missionare konzipiert war. So lernten wir wie man Infofilme über seine Arbeit herstellen kann, die nicht langweilen sondern interessant und informativ sind. Natürlich hängt fast alles an einer guten Ausrüstung, aber auch mit einer mittelmäßigen kann man, wenn man Anfängerfehler vermeidet, einiges schaffen.

So habe ich meinen ersten „Testfim“ aufgenommen und zusammengeschnitten. Leider ist er nicht wirklich verwertbar, weil wir für die Aufnahmen nur 1 Stunde Zeit hatten und wir deswegen nicht genug gutes Ausgangsmaterial hatten. Aber gelernt haben wir sehr viel.

Wir haben uns mit anderen Missionaren darüber unterhalten in wie weit man arme, notleidende Menschen filmen kann ohne sie zu beschämen. Man will ja auch informieren, so dass Hilfsbereitschaft entsteht. Joel, ein nicaraguanischer Missionar, der selber aus sehr, sehr armen Verhältnissen kommt, meinte das müßte man von Fall zu Fall abhängig machen und man würde ja merken, wenn man etwas sensibel ist, ob jemand gefilmt werden möchte oder nicht.

Gute Reise

Der Abschied am Düsseldorfer Flughafen war schwer. Unser Leben werden wir mit unseren Freunden ab jetzt nicht mehr so teilen können wie bisher. Ein kleiner Trost ist das Telefon und Internet. 

Die Reise nach USA ist problemlos verlaufen. Alle 8 Koffer sind unversehrt angekommen! In Atlanta hatten wir Verzögerung. Eine halbe Stunde nach der geplanten Abflugzeit kam die Durchsage vom Piloten, dass wir noch auf Gepäck warten. Als wir zum Fenster rausschauten wurden gerade unsere Koffer mit 20 weiteren Koffern ins Flugzeug verladen. Gott sei Dank, hat das Flugzeug darauf gewartet! Aber nach eine weiteren Viertel Stunde kam dann die Durchsage wir hätten jetzt ein Problem mit Übergewicht und müßten wieder einiges an Gepäckstücken ausladen. Wir fragten uns natürlich ob das an unseren 140 Kg lag. Aber Gott sei Dank blieb unser Gepäck an Bord und kam gut in Pensacola an.

Die erste Missionskonferenz von Globe International beginnt erst am Freitag und bis dahin können wir etwas entspannen. Wir waren fast 48 Stunden ohne Schlaf und können das jetzt echt gebrauchen.

Heute Abend werden wir einen Missionsschulunterricht besuchen. Wegen der Zeitumstellung wird es eine echte Herausforderung sein, nicht einzuschlafen.

Traurigkeit

Wir haben endlich die letzten Koffer gepackt und arbeiten nun an den vielen verbleibenden Kleinigkeiten. Seitdem jetzt alles hier leer wird und nicht mehr so bewohnt aussieht hat uns die Traurigkeit getroffen. Während wir doch sonst sehr von der Vorfreude leben, hat die Realität der Gegenwart und das Empfinden der Endgültigkeit unserer Entscheidung auch unsere Emotionen erfasst. Unser Leben hier mit allem drum und dran, mit allen schönen Seiten, allen lieben Menschen (oder manchmal weniger lieben), wird in Kürze der Vergangenheit angehören. 

Simplify your life

Wenn man mich (Marion) fragen würde, was in den letzten Monaten die kontinuierlichste Arbeit war, die wir beide gemacht haben, würde ich sagen: Abmelden und Kündigen.

Fast jeden Tag (!) seit ca. 3 Monaten melde ich mich irgendwo ab oder kündige: Versicherungen, Mitgliedschaften,  Bankkonten, Gewerbeabmeldung, Telefonverträge, Zeitschriften, Newsletter, Werbesendungen, usw.

Da ich in den letzten  Wochen so viel über das Internet bestellt habe an Dingen, die wir für Nicaragua brauchen (medizinische Artikel, Sachbücher, Ratgeber, Elektronik, usw.) und das immer beim günstigsten Anbieter, bin ich bei einigen Shops Neukunde geworden. Das bedeutet auch, dass ich mit unserer momentanen deutschen Adresse in deren Postverteiler komme. Und so rufe ich jetzt immer direkt nach Erhalt der Lieferung an und lasse eine Werbesperre setzten. Das funktioniert auch ganz gut, aber was noch alles im Briefkasten so ankommt nach 3 Monaten Abmeldungen, Abmeldungen, Abmeldungen ist erstaunlich.

Wie schade, das man sein Leben in dieser Hinsicht nicht auch vereinfacht, wenn man in Deutschland bleiben würde. Erst ein Umzug ins Ausland zwingt einen dazu.
„Simplify your life“ wäre unserer Motto für das nächste Jahr geworden, wären wir in Deutschland geblieben (allerdings geht das nicht so richtig, wenn man ein Geschäft hat, das auch gut laufen soll).

Kisten umpacken

Heute Morgen haben wir uns gegenseitig noch die letzte Impfung i.M. gespritzt.

Vormittags haben wir alles was wir mit nach Nicaragua nehmen möchten wieder aus den Kisten rausgenommen und in Koffer umgepackt, da wir keine Kisten versenden werden, sondern nur Übergepäck mitnehmen werden. Dabei fehlten natürlich Koffer, Seesäcke stellten sich als nicht geeginet heraus, so dass wir von einem Geschäft in das andere liefen um 2 günstige Koffer zu finden. Aber besser heute als kurz vor Abflug!

Internet habe ich jetzt doch, Andreas hat eine Lösung gefunden, das war ja eigentlich zu erwarten. Eine Nachbarin meinte, man könnte auch mit einem Notebook im Auto in der Nachbarschaft herumfahren bis man einen drahtloses, nicht gesichertes Funknetzwerk (WLAN) findet und dann da arbeiten. Wie lustig.

Haareschneiden

Meine Freundin Gisela hat uns bzw. Andreas heute beigebracht, wie er mir die Haare schneiden kann. Und dazu schenkte sie uns auch noch eine Profi-Evelierschere, die es auch nach 10 Jahren Missionsleben noch tun würde! Je mehr man in Nicaragua selber kann, desto besser, denken wir uns. Nur dass Andreas nicht seine Haare von mir schneiden lassen möchte. Komisch.

Heute war „Trecker-Tag“

Auf dem großen Gelände des Kinderheimes in Los Cedros gibt es ein alten Traktor, der zum ziehen und transportieren großer und schwerer Gegenstände verwendet wird. Keiner der derzeitigen Mitarbeiter dort kennt sich jedoch mit Treckern aus, so dass ich davon ausgehe, dass man mich (Andreas) diesbezüglich ansprechen wird, sobald ich dort arbeite. DummerAndreas auf Treckerweise habe ich bis heute auch noch nie auf einem Traktor gesessen, geschweige denn mich mit der Technik auseinandergesetzt. Das sollte sich heute ändern. Der Arbeitskollege eines Freundes bot mir an, bei ihm einige Traktorstunden zu nehmen, was ich heute einlöste. Ich lernte, dass man den Traktor nicht mit dem Zündschloss, sondern mit dem Start-Schalter startet, ihn mit einem Luftschieber wieder stoppt, wie man das Differenzial einschaltet und wie man das Getriebe zwischen Langsam- und Schnell-Modus umschaltet. Ich spielte mit dem Frontlader rum und lernte die unterschiedlichen Hydraulikkreisläufe kennen. Super! Das hat wirklich viel Spaß gemacht. Danke Robert!

Link zum „Trecker-Film“: Hier