Trink-, Schmier- und Schutzgelder

Junge als StraßenverkäuferDieser kleine Junge verkauft, wie viele andere, an einer befahrenen Kreuzung in Managua Kaugummis, vermutlich den ganzen Tag. Wenn die Ampel rot ist, geht er von Autofenster zu Fenster. Er ist so klein, dass er bei unserem höhergelegtem Auto gar nicht an die Scheibe reicht und vorbeigeht. Es bricht einem das Herz. Wenn die Jungs älter werden verkaufen sie andere Sachen oder werden irgendwo ein selbsternannter „Parkwächter“. Leider empfindet man dann diese etwas älteren Kinder nicht mehr als süß, sondern als lästig oder bedrohlich und man schickt sie weg. Irgendwie verständlich, dass die Eltern dann gerne die kleinsten auf die Straße Ex-Straßenkindschicken.

Es gäbe noch so viele Kinder hier die Hilfe bräuchten, aber man kann nur einer Auswahl helfen. Manche der Kinder im Kinderheim waren vorher Straßenkinder und wenn ich sie sehe, freue ich mich, dass sie jetzt bei uns in einem der Heime leben können. Wie dieser Junge rechts auf dem Bild.

Egal wo wir parken, immer kommt ein Junge oder ein Mann angelaufen und erklärt, dass er auf unser Auto aufpasst. Dann erwartet er wenn man wegfährt 5-10 Cordobas, umgerechnet ca. 30 Euro Cent. Das klingt nicht nach viel, aber wenn wir täglich 3-4 Stellen anfahren, wird es zusammen mit all den anderen Trinkgeldern zu einem Posten im Budget. Wenn wir jedoch den selbsternannten Parkwächter sagen, dass wir ihren Schutz nicht brauchen, wissen wir nicht was passiert. Oder was passiert wenn wir nicht zahlen und das nächste Mal vor dem Geschäft oder dem Amt parken…

Die Grenze zwischen Trinkgeld, Schutzgeld und Schmiergeld ist hier oft nicht so klar.

Goldene Morgenstunden

Die allerschönste Zeit hier in Managua sind die Morgenstunden. Drei wunderschöne Stunden von 5 bis 8 wo die Welt noch in Ordnung scheint. Es ist ruhig und kühl, man kann alles was sonst zu viel Schweiß kosten würde noch erledigen wie joggen, putzen, man kann beten und lesen.

Und man hat fast immer Strom und Wasser! Man kann Duschen, am Rechner arbeiten, Kaffee kochen und man kann (wenn man Internet hätte) gut nach Deutschland telefonieren, da die Zeitumstellung es erlaubt. Man kann also alles machen was das Herz von Elektrogeräten begehrt..

Wir springen morgens um 5 immer aus dem Bett (genauer gesagt ist es zur Zeit eine Morgens nicht mehr so volle Luftmatratze) um nur keine kostbare Minute dieser schönen Zeit zu verpassen.

Schlangen

Es ist schwül heiß, wir schwitzen, schwitzen, schwitzen und richten immer wenn möglich den Ventilator auf uns.  Vermutlich davon hat sich mein Auge entzündet. Ich muss heute zum Arzt. Das wird sicher interessant. Ich habe noch keine Ahnung wo und wie.

Abends ohne zu Duschen ins Bett zu gehen ist eklig, aber da das Wasser ständig abends abgestellt wird, haben wir gelernt einen 5 Liter Wasserkanister vorätig zu halten der uns beiden zum „Duschen“ bzw. Übergießen reicht. Man wird mit Kleinigkeiten hier glücklich. 

Als Gestern Abend sowohl Licht als auch Wasser ausfiel, beschloß Andreas irgendetwas Produktives zu machen und mit der von Freunden in Deutschland geschenkten genialen Stirmlampe draußen den undichten Wasserhahm zu reparieren. Das Wasser war ja sowieso abgestellt. Im Schein der Stirnlampe sah er dann eine 50 cm lange schwarze Schlange mit gelben Ringen vorbeischlängeln. Andreas kam wieder rein. Wir wissen nicht ob die Schlange giftig ist oder nicht.

Wir sind etwas vorsichtiger geworden Abends mit offenen Türen zu lüften. Der kühlere Luft täte zwar gut, aber was sich dann so alles reinbewegen könnte, täte uns vielleicht weniger gut.

Kleiner Frosch

Diesen kleinen Frosch wollte ich unter dem Spalt der Eingangstür wieder nach draußen schieben, aber er sprang an der Tür hoch und versuchte sich festzuhalten. Dabei rutschte er immer runter. Es war süß.

Wir würden gerne den Spalt unter den Außentüren unseres Hauses mit Leisten zumachen, da nicht nur Ungeziefer, sondern auch Wasser bei starken Regenfällen reinläuft, aber dann kann man uns die Rechnungen und andere Notizen nicht mehr unter der Tür reinschieben, wie allgemein üblich. Wir werden ein Lösung finden.

Die erste Rechnung für den allgemeinen Strom der Nachbarschaft kam so unter der Tür reingeflattert. 28 Cordobas, umgerechnet 95 Eurocent. Innerhalb von 30 Tagen zu zahlen, bei jeder Bank. Das Problem ist nur, dass man in den Banken oft sehr lange ansteht. Aber Stromrechnungen sollte man rechtzeitig zahlen, das haben wir ja gelernt.

So zahlt man hier jede Rechnung bar bei de Bank ein. Außer die Miete. Die Vermieterin kommt jeden Monat vorbei und holt die Miete in US Dollar ab.

Eine echte Herausforderung wird es werden die Sozialabgaben für die 10 Angestellten des Kinderheimes Los Cedros jeden Monat auszurechnen, mit der Abrechnung zum Amt für Sozialabgaben zu fahren und dort (oder wo anders?) den fälligen Betrag bar zu zahlen. Die Angestellten sind seit diesem Monat alle mit Vertrag angestellt und wir müssen jetzt alles noch lernen, wie das hier so funktioniert.  

Kokusnüsse

Marion mit SkorpionHeute habe ich mir beim Schränke einräumen überlegt, dass ich nicht alle Kleidung in Plastikbehälter verstauen möchte. Es macht das Aussuchen von Kleidung jeden Morgen etwas schwierig. Das hatte ich gerade so überlegt, als ich wieder einen Skorpion in meinem Kleiderschrank fand. Na ja, dann doch Plastikkisten.

Auf dem Nachhauseweg vom Gottesdienst in dem kleinen Ort Los Cedros lud uns heute eine Mitarbeiterin des Kinderheimes ein, ihr Haus anzuschauen. Sie bot uns frische Kokusnüsse an, die der Nachbar runterholte und mit seiner Maschette aufschlug. Der Saft war lecker, das Fleisch schmeckte interessant.Andreas und Marion mit frischer Kokusnuss

Die Krätze und kein Strom

Als wir vor 3 Tagen vom Kinderarzt mit 3 Kleinkindern kamen, unterhielten wir uns im Auto darüber was die Diagnose „Skabies“ (Krätze) jetzt für das Kinderheim bedeutet: Alles heiß waschen (Bettwäsche, Kleidung, Handtücher, Plüschtiere). Da wir aber kein heißes Wasser im Kinderheim haben, bedeutet das entweder alles auf dem Gasherd kochen (fast nicht machbar bei 20 Kindern) oder alles nach dem Waschen in den heißen Trockner stecken. Während wir uns das so überlegten, rief uns Liane vom Kinderheim aus an, der Strom sei gerade endgültig abgestellt worden, da die letzten Stromrechnungen nicht bezahlt wurden. Ob wir mal beim Stromversorger vorbeifahren könnten. Wir nahmen also unseren Herzkranken 1-jährigen Gabriel auf den Arm und erklärten den Angestellten, dass Kinder wie er Nachts nicht ohne Ventilator schlafen könnten, da sie leicht überhitzen und dass wir alle Wäsche waschen müssten und so… Es half nichts, wir sind wohl 2 Monate im Rückstand und wir müssen erst zahlen. Da die Rechnungen aber ungewöhnlich hoch waren, wird das nicht sofort möglich sein.
Als wir im Kinderheim ankamen waren die Mitarbeiter über beide Nachrichten nicht so erfreut. Aber sie nahmen die beiden Kinder mit der Krätze trotzdem liebevoll in den Arm und machten sich ans Baden aller Kleinkinder in kaltem Wasser um sie zu kühlen.  

Da wir im Gästehaus bei Stromausfall auch kein Wasser haben, sind Andreas und ich dann gestern endgültig in unser Haus gezogen. Hier haben wir Wasser, wenn auch noch kein Internet. 

Offiziell ist der Strom im Kinderheim immer noch nicht angestellt worden, aber die Mitarbeiter haben es dann heute nicaraguanisch gelöst…. 

Gestern saß eine Riesenkröte in meiner Küche. Sie war größer als Andreas Faust und die Nachbarn meinten wir sollten sie bloß nicht berühren, sie seien giftig. Wir sollten sie mit Salz bestreuen, das würde sie töten. Wie grausam. Wir haben sie eingefangen und „ausgesetzt“. 

Pickup-Truck im Einsatz

Heute sind wir zu der 30 km entfernten „Möbelstraße“ gefahren, wo duzende Handwerksbetriebe entlang einer Landstraße die unterschiedlichsten Möbel anbieten. Nachdem wir ca. 15 kleine Läden durchstöbert hatten, haben wir schließlich eine sehr günstige nette Sitzgarnitur fürs Wohnzimmer gefunden. Ich war besonders begeistert nun zum ersten mal die Ladefläche unseres Pickup-Trucks einweihen zu können. So konnten wir einen Dreisitzer, zwei Sessel und einen Couchtisch gut verschnürt direkt mitnehmen 🙂 . 

Plagen

Heute fand ich beim Aufstehen eine Ansammlung kleiner Fliegen auf dem Boden, Beim näheren Hinsehen sah ich eine unter der Tür hereinkommende, auf unser Bett zumarschierende Armee dieser Miniinsekten. Als sie am Bett hochsprangen, habe ich Andreas unsanft geweckt und aus dem Bett gebeten und die Überdecke drüber geschmissen. Als wir die Zimmertür öffneten wimmelte ALLES. Der Boden war auch bedeckt. Im Duschraum bedeckten sie mich. Gott sei Dank waren wir mit einem tollen Insektenspray ausgerüstet, der alle fliegenden Insekten schnell erledigt. Den haben wir gesprüht und haben das Haus fluchtartig verlassen um im Männerhaus zu duschen. Noch wohnen wir ja im Frauengästehaus des Kinderheimes.

Als wir zurückkamen war es schon ein wenig gruselig. Der Boden war schwarz von toten Fliegen und Mosquitos. Ich habe eine Stunde lang geputzt und sauber ist was anderes.

Das war aber noch nichts im Vergleich zu dem was uns bei unserer Rückkehr am Abend im Kinderheim erwartete. Das Kleinkinderhaus war voller Termiten und die Kinder hatten ihre Freude daran sie totzuschlagen. Als wir das Haus verließen, waren dort draußen wieder die Fliegenschwärme, die wir vom Morgen kannten und ein Schwarm riesiger schwarzer Käfer, die sich auf uns stürzen und dann tot zu Boden fielen. Unmengen an dicken fetten Fröschen saßen herum und labten sich an ihnen. Auf uns krabbelte alles, Termiten, Fliegen.. und Wahnvorstellungen gesellten sich dazu. Die Plagen Ägyptens können wir uns jetzt ein wenig besser vorstellen.

Streik, Stromausfälle, Regenfälle

Die Überlandbusfahrer streiken seit 8 Tagen, weil die Benzinpreise gestiegen sind. Wir müssen immer durch eine Barrikade aus lauter Busen, Polizisten und Busfahrern wenn wir nach Managua runter fahren. Letztens wollten wir einige Menschen, die deshalb zu Fuß unterwegs waren, auf unserer Pick-up Fläche mitnehmen, haben es aber Gott sei Dank nicht getan. Wir wären angehalten und unter Umständen wäre unsere Auto beschädigt worden, weil wir den Streik gebrochen hätten. Sagt unser Nicaraguanischer Freund Joel. Er ist zwar erst 22 Jahre alt, weiß aber alles über Nicaragua, glauben wir, oder wollen wir glauben. Der Präsident hat eine Senkung der Benzinpreise versprochen, wie jedes Jahr. Die steigen dann aber in wenigen Tagen wieder (sagt Joel).

Seit Tagen wird der Strom wieder für einige Stunden täglich abgestellt. Wir hatten gerade eine Technik mit unseren beiden Ventilatoren entwickelt, die die Mosquitos von uns abhielten. Jetzt denken wir uns was neues aus.Da es um 18:30 schlagartig dunkel wird, kann man Abends ohne Strom nicht mehr so viel tun. Wir gehen dann um 20 Uhr ins Bett und stehen um 4:30 auf. Der Morgen ist dann trotzdem zu kurz… 

Heute hat die Regenzeit mit heftigen Regengüssen begonnen. Endlich, sagen die Nicaraguaner, die auf Regen warteten. Wir waren nicht darauf vorbereitet. Ich musste durch viele Pfützen mit meinen Ledersandalen um die 3 Tore zum Kinderheim zu öffnen als wir heute nach Hause kamen. Ich bin mal gespannt wie die armen Leute, die an ihren Hütten keine Müllabfuhr haben, jetzt ihren Müll loswerden, da sie ihn jetzt nicht mehr so einfach anzünden können. Na ja, ziemlich oft schmeißen sie ihn sowieso einfach den Hügel vor ihrer Hütte herunter oder auf die Straße. Er liegt überall herum. Wie wenn durch Eschweiler ein Wirbelsturm fegt und alle gelben Tonnen umfliegen würden. So sieht es hier immer und fast überall aus, in diesem eigentlich so schönen Land. 

Ameisen und Skorpione

Heute haben wir in unserem neuen Haus 2 Obstbäumchen im Garten einpflanzen wollen (irgendwie fangen wir immer mit dem Garten an statt das Haus erst einzurichten –  im Haus steht bisher nur ein Klapptisch und 2 leicht verrostete Stühle). Leider wurde ich in sekundenschnelle von kleinen Ameisen befallen, die mich alle gleichzeitig gebissen haben. Da ich auf Ameisenbisse allergisch reagieren, habe ich sofort Medikamente geschluckt, die Füße gekühlt und dann dick mit Fenestil eingerieben. Der Garten ist voller Ameisen…

So habe ich Andreas in der harten Erde und bei tropischen Temperaturen alleine graben lassen und habe mich an das Reinigen des Einbauschrankes in unserem Schlafzimmer gemacht. In der obersten Schublade lief ein Skorpion herum und in meiner Panik habe ich ihn  – wie die Termiten letztens – mit Reinigunsmittel übergossen und dann Joel angerufen. Als Nicaraguaner muss er wissen was zu tun ist… Er lachte über meine Panik und fragte ob er kommen solle. Aber das fand ich dann peinlich. Natürlich werden wir mit einem Skorpion fertig. Allerdings werden wir weniger damit fertig, dass sich Skorpione in unserem Schlafzimmer heimisch fühlen.

So wenden wir nun alles an, was wir über den Schutz vor giftigen Krabbeltieren in den Tropen gelesen und gelernt haben. Kleidung, Schuhe, Decken in geschlossenen Behältern aufbewahren (leider etwas kostspielig), nirgendwo hintreten oder hinfassen wo man nicht vorher hingeschaut hat (besonders nicht ohne Licht nachts zur Toilette gehen), Kleidung und Schuhe vor dem Anziehen ausschütteln, usw.

Leider haben wir in keinem Geschäft Ameisengift für den Außenbereich gefunden und wir waren in zahlreichen Geschäften.

Als wir Abends ins Kinderheim Los Cedros zurückkamen, feierten die Kinder draußen auf der Wiese mit Kuchen und Lutschern den ersten Geburtstag von Gabriel. Er ließ sich auch ganz brav den Geburtstagshut aufsetzen, obwohl er sonst immer alle Versuche bekämpft ihm etwas anzuziehen. Ein aussichtsloser Kampf…Schön finde ich, dass die Wiese um das Kinderheim wenig Ameisen hat.