Heute habe ich (Marion) meine Gartennotizen – Pflegehinweisen zu allen unseren Pflanzen, wann ich sie gepflanzt habe und wie sie in Latein heißen – eingetipppt und ein „Gartentagebuch“ daraus gemacht. Die Mieter hatten mich darum gebeten und ich will ja auch da wo es möglich ist (und gewünscht wird) eine gute und saubere Übergabe machen.
Jetzt habe ich es endlich geschafft und dabei fiel mir auf, dass wir die meisten Pflanzen gekauft oder als Ableger im Jahr 2003 bekommen haben. Es war das Jahr der Neuanlage unseres Gartens. Da es mein lang ersehnter Wunsch war, mal einen eigenen Garten haben zu können, haben wir die 1000 qm mit viel Liebe zum Detail neu gestaltet und ich meine, dafür dass ich vorher keine Gartenerfahrung hatte, ist es mir recht gut gelungen. Seit dem wir wissen, dass wir nach Lateinamerika gehen, haben wir daran gearbeitet ihn wieder pflegeleicht zu machen, damit Mieter nicht die Krise kriegen mit 63 Stauden, die zum Winter hin geschnitten werden müssen und was sonst noch alles.
Während ich so schrieb, merkte ich wie es mir schon schwer fiel, das alles für lange, lange Zeit zu vergessen und eventl. nie wieder in diesem Garten zu arbeiten. Aber ich habe Gott schon gesagt, dass ich dankbar bin, dass ich 7 Jahre lang einen Garten hatte. Er hat ihn mir jetzt wieder genommen und ich wünsche mir, dass er mir in Nicaragua dann etwas anderes schenkt, was mich diesen Verlust leichter verschmerzen läßt. Ein tropischer Garten mit Bananenstauden und Avocadobäume? (Am liebsten hätte ich einen Neembaum, aber der wird riesig und ob er in der Gegend von Managua wächst, weiß ich nicht. Es soll in Nicaragua Neembaum-Plantagen geben.)
Es sieht allerdings momentan nicht so aus, als würden wir einen Garten haben können, aber Gott hat uns immer wieder überrascht mit Dingen, die wir nicht erwartet haben. Das alles habe ich zwar Gott im Spaß gesagt, aber ich weiß, dass es mir nicht wirklich zusteht, mit ihm zu verhandeln.
Als wir vor ein paar Tagen mit der Nicaraguanerin sprachen (die mit einem Arzt meiner Mutter verheiratet ist) ist uns jedenfalls klar geworden, dass man in Nicaragua nicht so einfach auf ein Stückchen Land mitten unter der armen Bevölkerung ziehen kann. Sie sagte, wir würden schon alleine auf Grund unserer Hautfarbe täglich überfallen werden, auch wenn wir kaum was in unserer Hütte besäßen. Wenn ich mehr als die Kleidung, die ich am Leib trage besitze, ist die sofort weg. Also haben wir uns von dem Gedanken des Lebensstils „Blechhütte in armer Gegend“ endgültig verabschiedet. (Es sei denn Gott sagt irgendwann etwas anderes natürlich). Andreas meint, dass von uns westliche Leistung erwartet wird und wir dazu einige westliche Bedingungen einfach brauchen (Auto, PC, Bücher, Telefon, ein Schlafzimmer und Bett in dem wir auch wirklich schlafen können, usw.).