Gute Reise

Der Abschied am Düsseldorfer Flughafen war schwer. Unser Leben werden wir mit unseren Freunden ab jetzt nicht mehr so teilen können wie bisher. Ein kleiner Trost ist das Telefon und Internet. 

Die Reise nach USA ist problemlos verlaufen. Alle 8 Koffer sind unversehrt angekommen! In Atlanta hatten wir Verzögerung. Eine halbe Stunde nach der geplanten Abflugzeit kam die Durchsage vom Piloten, dass wir noch auf Gepäck warten. Als wir zum Fenster rausschauten wurden gerade unsere Koffer mit 20 weiteren Koffern ins Flugzeug verladen. Gott sei Dank, hat das Flugzeug darauf gewartet! Aber nach eine weiteren Viertel Stunde kam dann die Durchsage wir hätten jetzt ein Problem mit Übergewicht und müßten wieder einiges an Gepäckstücken ausladen. Wir fragten uns natürlich ob das an unseren 140 Kg lag. Aber Gott sei Dank blieb unser Gepäck an Bord und kam gut in Pensacola an.

Die erste Missionskonferenz von Globe International beginnt erst am Freitag und bis dahin können wir etwas entspannen. Wir waren fast 48 Stunden ohne Schlaf und können das jetzt echt gebrauchen.

Heute Abend werden wir einen Missionsschulunterricht besuchen. Wegen der Zeitumstellung wird es eine echte Herausforderung sein, nicht einzuschlafen.

Traurigkeit

Wir haben endlich die letzten Koffer gepackt und arbeiten nun an den vielen verbleibenden Kleinigkeiten. Seitdem jetzt alles hier leer wird und nicht mehr so bewohnt aussieht hat uns die Traurigkeit getroffen. Während wir doch sonst sehr von der Vorfreude leben, hat die Realität der Gegenwart und das Empfinden der Endgültigkeit unserer Entscheidung auch unsere Emotionen erfasst. Unser Leben hier mit allem drum und dran, mit allen schönen Seiten, allen lieben Menschen (oder manchmal weniger lieben), wird in Kürze der Vergangenheit angehören. 

Simplify your life

Wenn man mich (Marion) fragen würde, was in den letzten Monaten die kontinuierlichste Arbeit war, die wir beide gemacht haben, würde ich sagen: Abmelden und Kündigen.

Fast jeden Tag (!) seit ca. 3 Monaten melde ich mich irgendwo ab oder kündige: Versicherungen, Mitgliedschaften,  Bankkonten, Gewerbeabmeldung, Telefonverträge, Zeitschriften, Newsletter, Werbesendungen, usw.

Da ich in den letzten  Wochen so viel über das Internet bestellt habe an Dingen, die wir für Nicaragua brauchen (medizinische Artikel, Sachbücher, Ratgeber, Elektronik, usw.) und das immer beim günstigsten Anbieter, bin ich bei einigen Shops Neukunde geworden. Das bedeutet auch, dass ich mit unserer momentanen deutschen Adresse in deren Postverteiler komme. Und so rufe ich jetzt immer direkt nach Erhalt der Lieferung an und lasse eine Werbesperre setzten. Das funktioniert auch ganz gut, aber was noch alles im Briefkasten so ankommt nach 3 Monaten Abmeldungen, Abmeldungen, Abmeldungen ist erstaunlich.

Wie schade, das man sein Leben in dieser Hinsicht nicht auch vereinfacht, wenn man in Deutschland bleiben würde. Erst ein Umzug ins Ausland zwingt einen dazu.
„Simplify your life“ wäre unserer Motto für das nächste Jahr geworden, wären wir in Deutschland geblieben (allerdings geht das nicht so richtig, wenn man ein Geschäft hat, das auch gut laufen soll).

Kisten umpacken

Heute Morgen haben wir uns gegenseitig noch die letzte Impfung i.M. gespritzt.

Vormittags haben wir alles was wir mit nach Nicaragua nehmen möchten wieder aus den Kisten rausgenommen und in Koffer umgepackt, da wir keine Kisten versenden werden, sondern nur Übergepäck mitnehmen werden. Dabei fehlten natürlich Koffer, Seesäcke stellten sich als nicht geeginet heraus, so dass wir von einem Geschäft in das andere liefen um 2 günstige Koffer zu finden. Aber besser heute als kurz vor Abflug!

Internet habe ich jetzt doch, Andreas hat eine Lösung gefunden, das war ja eigentlich zu erwarten. Eine Nachbarin meinte, man könnte auch mit einem Notebook im Auto in der Nachbarschaft herumfahren bis man einen drahtloses, nicht gesichertes Funknetzwerk (WLAN) findet und dann da arbeiten. Wie lustig.

Haareschneiden

Meine Freundin Gisela hat uns bzw. Andreas heute beigebracht, wie er mir die Haare schneiden kann. Und dazu schenkte sie uns auch noch eine Profi-Evelierschere, die es auch nach 10 Jahren Missionsleben noch tun würde! Je mehr man in Nicaragua selber kann, desto besser, denken wir uns. Nur dass Andreas nicht seine Haare von mir schneiden lassen möchte. Komisch.

Heute war „Trecker-Tag“

Auf dem großen Gelände des Kinderheimes in Los Cedros gibt es ein alten Traktor, der zum ziehen und transportieren großer und schwerer Gegenstände verwendet wird. Keiner der derzeitigen Mitarbeiter dort kennt sich jedoch mit Treckern aus, so dass ich davon ausgehe, dass man mich (Andreas) diesbezüglich ansprechen wird, sobald ich dort arbeite. DummerAndreas auf Treckerweise habe ich bis heute auch noch nie auf einem Traktor gesessen, geschweige denn mich mit der Technik auseinandergesetzt. Das sollte sich heute ändern. Der Arbeitskollege eines Freundes bot mir an, bei ihm einige Traktorstunden zu nehmen, was ich heute einlöste. Ich lernte, dass man den Traktor nicht mit dem Zündschloss, sondern mit dem Start-Schalter startet, ihn mit einem Luftschieber wieder stoppt, wie man das Differenzial einschaltet und wie man das Getriebe zwischen Langsam- und Schnell-Modus umschaltet. Ich spielte mit dem Frontlader rum und lernte die unterschiedlichen Hydraulikkreisläufe kennen. Super! Das hat wirklich viel Spaß gemacht. Danke Robert!

Link zum „Trecker-Film“: Hier

Gartentagebuch

Heute habe ich (Marion) meine Gartennotizen – Pflegehinweisen zu allen unseren Pflanzen, wann ich sie gepflanzt habe und wie sie in Latein heißen – eingetipppt und ein „Gartentagebuch“ daraus gemacht. Die Mieter hatten mich darum gebeten und ich will ja auch da wo es möglich ist (und gewünscht wird) eine gute und saubere Übergabe machen.

Jetzt habe ich es endlich geschafft und dabei fiel mir auf, dass wir die meisten Pflanzen gekauft oder als Ableger im Jahr 2003 bekommen haben. Es war das Jahr der Neuanlage unseres Gartens.  Da es mein lang ersehnter Wunsch war, mal einen eigenen Garten haben zu können, haben wir die 1000 qm mit viel Liebe zum Detail neu gestaltet und ich meine, dafür dass ich vorher keine Gartenerfahrung hatte, ist es mir recht gut gelungen. Seit dem wir wissen, dass wir nach Lateinamerika gehen, haben wir daran gearbeitet ihn wieder pflegeleicht zu machen, damit Mieter nicht die Krise kriegen mit 63 Stauden, die zum Winter hin geschnitten werden müssen und was sonst noch alles.
Während ich so schrieb, merkte ich wie es mir schon schwer fiel, das alles für lange, lange Zeit zu vergessen und eventl. nie wieder in diesem Garten zu arbeiten. Aber ich habe Gott schon gesagt, dass ich dankbar bin, dass ich 7 Jahre lang einen Garten hatte. Er hat ihn mir jetzt wieder genommen und ich wünsche mir, dass er mir in Nicaragua dann etwas anderes schenkt, was mich diesen Verlust leichter verschmerzen läßt. Ein tropischer Garten mit Bananenstauden und Avocadobäume? (Am liebsten hätte ich einen Neembaum, aber der wird riesig und ob er in der Gegend von Managua wächst, weiß ich nicht. Es soll in Nicaragua Neembaum-Plantagen geben.)

Es sieht allerdings momentan nicht so aus, als würden wir einen Garten haben können, aber Gott hat uns immer wieder überrascht mit Dingen, die wir nicht erwartet haben. Das alles habe ich zwar Gott im Spaß gesagt, aber ich weiß, dass es mir nicht wirklich zusteht, mit ihm zu verhandeln.

Als wir vor ein paar Tagen mit der Nicaraguanerin sprachen (die mit einem Arzt meiner Mutter verheiratet ist) ist uns jedenfalls klar geworden, dass man in Nicaragua nicht so einfach auf ein Stückchen Land mitten unter der armen Bevölkerung ziehen kann. Sie sagte, wir würden schon alleine auf Grund unserer Hautfarbe täglich überfallen werden, auch wenn wir kaum was in unserer Hütte besäßen. Wenn ich mehr als die Kleidung, die ich am Leib trage besitze, ist die sofort weg. Also haben wir uns von dem Gedanken des Lebensstils „Blechhütte in armer Gegend“ endgültig verabschiedet. (Es sei denn Gott sagt irgendwann etwas anderes natürlich). Andreas meint, dass von uns westliche Leistung erwartet wird und wir dazu einige westliche Bedingungen einfach brauchen (Auto, PC, Bücher, Telefon, ein Schlafzimmer und Bett in dem wir auch wirklich schlafen können, usw.).

Eingeschneit auf der Autobahn

Ostermontag sind wir auf Abschiedsreise zu unseren Eltern gefahren. Erst waren wir bei Andreas Eltern. Der Abschied von ihnen und Bruder mit Familie viel schwer. Wir hoffen uns alle im November gesund wiedersehen zu können. Dann ging es ins verschneite Hinterland (Hessen) zu meinen Eltern. Wieder derselbe schwierige Abschied.

Gestern Abend fuhren wir dann noch zu einem Arzt in der Gegend meiner Eltern, den wir kennenlernen wollten. Meine Mutter hatte ihn, unter für sie unglücklichen Umständen, kennengelernt (sie mußte vor 2 Wochen am Wochenende zu ihm – er hatte Notdienst). Er ist mit eine Nicaraguanerin verheiratet und liebt das Land auch. Wir haben, soviel wir an einem Abend eben so schaffen konnten, mit den beiden ausgetauscht. Sie haben so viel Kenntnis von dem Land. Und sind selber sehr nett und unkompliziert. Bestimmt sehen wir uns in Managua einmal, wenn sie in Nicaragua zu Besuch sind. Ich finde es toll, dass Gott uns mit ihnen bekannt gemacht hat.

Trotz Warnhinweisen haben wir uns dann um 23 Uhr auf die Heimreise gemacht. Ich habe mich immer gefragt, wie es den Autofahrern geht, die eine Nacht eingeschneit auf der Autobahn verbringen müssen. Jetzt weiß ich es. Die letzte Nacht haben wir auf der A45 verbracht, zwischen hunderten von LKWs auf beiden Fahrseiten, die auf Grund der Glätte quer standen oder einfach stehen blieben, egal auf welcher Spur, und sich schlafen legten. Ein wenig Slalom um sie herum war zeitweise möglich, aber insgesamt standen wir 4 1/2 Stunden. Meine Mutter hatte mir einen Stapel alter Bettücher mitgegeben zum Abdecken unserer Möbel wenn wir verreisen. In die haben wir uns eingehüllt und versucht zu schlafen. Das ging nicht wirklich, da wir immer wieder den Motor anstellen mußten um ein wenig zu heizen. Um 6 Uhr morgens waren wir zu Hause.

Passahfest

Heute während ich bügelte fragt Andreas mich: „Haben wir außer dem Termin am Samstag Abend noch einen während des Tages?“
Ja, sage ich, das Ehepaar O. wollte kommen. Daraufhin meint Adnreas: „Nein, die können nicht, das habe ich dir doch gerade per Email geschrieben.“
Soviel zu Internet als Form der Kommunikation. Nicht nur mit der Außenwelt, auch in der Ehe in einem Ein-Raum-Apartment ist es eine große Hilfe, damit man nicht ständig miteinander reden muss :-).

Am frühen Abend haben wir mit einer Freundin gekocht.

Während des Kochens haben wir ein wenig von dem Film „Quo vadis“ gesehen. Ich finde es ein wenig beschämend, wie sehr ich mich ungerecht behandelt fühle und mich beschwere wenn ich wegen meines Glaubens anecke. Aber die Christen unter Nero haben entsetzliches Leid auf sich genommen, weil sie sich geweigert haben Jesus als ihren Herrn zu verleugnen.

Jedenfalls gab es heute bei uns Lammfleisch in Anlehnung an das Passahfest, das von den Juden gefeiert wird und an dem jede Familie ein Passahlamm schlachtete. Jesus wurde an diesem Fest gekreuzigt. Man könnte sagen, dass er unser Passahlamm war, das unsere Sünden auf sich nahm. Wir haben vor der Mahlzeit den Kreuzigungsbericht aus Matthäus 27 gelesen und das Abendmahl miteinander genommen. Wir waren uns einig, dass es in einem so familiären Rahmen viel bedeutungsvoller wird als in einer großen z.T. doch recht anonymen Atmosphäre eines großen Gottesdienstes. Wir erlebten es vielleicht so, wie es eben die ersten Christen auch taten –  sie nahmen das Abendmahl in den Häusern, zum Teil auch täglich – also unkompliziert und familiär.   

Fitness

Ich habe fürchterlichen Muskelkater. Gestern Morgen habe ich mir überlegt, dass wir wieder regelmäßiger Sport machen müssen. Wir wollten Joggen gehen, aber es war uns mit dem Schneeregen zu kalt.

Ein ähnliches Problem, wenn auch anders gelagert, besteht in Nicaragua. Draußen Joggen ist so eine Sache. Es geht nur Morgens, wenn es noch nicht so heiß ist. Und wo? Man könnte entlang der Straßen joggen, aber bei den Straßenverhältnissen (z.B. keine Bürgersteige) und den vielen Arbeitern, die zur Arbeit unterwegs sind nicht wirklich ein Vergnügen.
Und nach Einbruch der Dunkelheit sollte man auf keinen Fall mehr rausgehen. Es ist zu gefährlich.

Viele Westler oder Nicaraguaner, die es sich leisten können, gehen deshalb in einen Fitness-Club. Aber der kostet wieder und die möglichen Kommentare derjenigen, die einen Fitness-Club für Missionare als zu viel Luxus empfinden, würden mich belasten. Das sind aber immer Leute, die selber noch nie in einem armen Land gelebt haben. Wie sollen die das dann wirklich beurteilen, was man dort braucht oder was man nicht braucht.

Naja, zurück zum Sport. Den brauchen wir auf Dauer so oder so. Also habe ich mir gestern Morgen eine billige Variante zum Sportstudio ausgedacht: In der Wohnung auf der Stelle laufen. Damit es nicht so langweilig ist, haben wir südamerikanische Lobpreismusik angemacht. Daraus wurde dann ein Viertelstündiges Sambatanzen, was natürlich viiiiieel mehr Spaߠmacht. Besonders zu dem Lied von Marcus Witt: „Hei, hei, vengan todos. Es el tiempo para alabar a Dios!“ Das heißt: „Hey, hey, kommt alle! Es ist Zeit Gott anzubeten!“

Aber meine Wadenmuskulatur ist jetzt am Ende. Aaauuuaaa.

Jetzt frage ich mich, was man zum Herz-Kreislauf-Training in einer kleinen Wohnung denn noch so machen könnte, ohne dass es so einseitig die Wadenmuskulatur belastet??