Heute war ich zum letzten Mal bei der Bandprobe, zu der ich seit 19 Jahren gehörte und die ich 11 Jahre lang geleitet habe. Es war ein tolle Zeit zusammen. Nun kommt doch Wehmut auf; es gibt so viele „letzte Treffen“ zurzeit. Zugleich empfinde ich tiefe Dankbarkeit für die gemeinsam erlebte Zeit und für die treuen Freunde, mit denen ich zum Teil über ein Jahrzehnt zusammen zu Gottes Ehre Musik gemacht habe.
Internetlose Wochen vor mir?
Heute habe ich, sage und schreibe, 3 Stunden lang Schlüssel zu unserem Haus sortiert. Es sind 25 Schlösser an der Zahl. Wer bekommt welche, was haben die Mieter schon, was brauchen sie noch, welche Schlüssel zu unserer eigenen Wohnung bekommen Freunde, Eltern – Kellerschlüssel, Büroschränke, Briefkästen, Fensterschlüssel, Außentörchen, Gartenhütten, usw. was muss noch nachgemacht werden. Listen muss ich erstellen, wer welchen Schlüssel zu was hat. Nach Jahren weiß ich das nicht mehr (wie ich mich kenne). Und heute war nicht das erste Mal mal, das ich daran arbeite.
Unsere Krankenkasse hat sich gemeldet, dass wir uns nicht einfach so abmelden können. Ein neues Gesetz besagt, dass jeder, der ins Ausland zieht, eine Anwartschaft bei seiner Kasse weiterführen muss. Die sichert ihm das Recht wieder in seine Kasse eintreten zu können, wenn er wieder nach Deutschland kommt. Das kostet aber 41 Euro im Monat. Wäre es optional, hätten wir uns gründlich überlegt, ob wir uns das leisten wollen oder können. Aber da wir keine Wahl haben, ist es eben so. Ich bin ganz froh, dass wir diese Entscheidung nicht treffen mußten. Meistens entscheidet man sich zu sparen, aber wenn man „alt“ nach Deutschland zurückkommt und keine Krankenkasse einen aufnehmen will, dann könnte man ein Problem haben.
Schwierig war nur das Formular der Krankenkasse auszufüllen.
Arbeitgeber? Zahlt der Arbeitgeber den Beitrag? Ja, Gott zahlt irgendwie schon.
Rückkehr nach Deutschland? Das weiß auch nur Gott, unser Auftraggeber, er hat es uns nicht verraten. Adresse im Ausland unter der wir erreichbar sind? Es gibt keine so richtigen Adressen in Nicaragua, und keine Postzustellung. Ich habe einfach unsere Email Adresse angegeben, in der Hoffnung, dass wir darunter dann auch meistens erreichbar sind.
Andreas hat mir heute jedenfalls mitgeteilt, dass wir ab 1. April keinen Internet Zugang mehr haben und der Telefonvertrag gekündigt ist. Es wäre als hätte er mir mitgeteilt, dass mir in der letzten Woche in Deutschland meine Lebensgrundlage entzogen wird, der Boden unter meinem Füßen. Wie kann ich noch eine Woche in Deutschland ohne Internet überleben? Alle Recherchen, die meisten Abmeldungen, Anträge, Bestellungen, fast alle Kommunikation mit der Außenwelt
geschieht von meinem kleinen Hocker unter der Dachschräge an meinem Rechner und am Telefon. Und diese Ecke wird nun stillgelegt? Na ja, in Nicaragua wird es auch nicht viel besser, ist eben so. Das sind ja auch nur meine Emotionen, die sich querstellen, eine wirkliches Problem sollten ein paar internetfreie/telefonfreie Wochen nicht darstellen. Aber man kann sich ja mal beschweren…
Das Auto soll auch eine Woche vor unserer Abreise verkauft sein. Irgendwann ist eben Schluß hier. Aber das stört mich weniger.
Das Pferd gezähmt
Nach dem Frühgebet in der Gemeinde haben wir mit Gisela („der Gemeindeperle“) gefrühstückt (lecker vollkornig), geschwind das Gemeindebüro geputzt und dann die Steuererklärung fertiggemacht.
Zum Mittagessen wurde Andreas abgeholt. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma für die wir gearbeitet haben kam extra aus England eingeflogen um mit ihm und 2 anderen Kollegen bei einem Mittagessen Abschied von Andreas zu nehmen. Das ist unglaublich nett.
Nachmittags habe ich beim Straßenverkehrsamt einen Internationalen Führerschein ausstellen lassen wollen, was leider nicht klappte, weil ich erst einmal meinen Deutschen Führerschein neu machen lassen muss.
Und dann der Höhepunkt des Monats: Ich habe dem Steuerberater unsere Steuererklärung gebracht!!!!!
Vorletzte Nacht träumte ich, ich musste ein Pferd zäumen und satteln, es war aber zu wild dazu. Wahrscheinlich war das ein Bild für die Steuererklärung. Aber nun habe ich sie im Griff! Gezähmt in einem einzigen Ordner.
Abends haben wir Bücher sortiert, welche bleiben hier, welche kommen mit?
Und jetzt haben wir gerade noch ein paar Filmaufnahmen gemacht, da wir ein Lehrvideo planen. Über was können wir noch nicht verraten….
Es geht ans Packen
Wieder stand die Steuererklärung auf der Tagesordnung. Es wird langsam langweilig und ich sehne mich nach dem Ende.
Vormittags haben wir eine neue Wohnungstür bekommen, die die alte Zimmertür, die nicht richtig abschließbar war und weder Lärm noch Gerüche aus dem Treppenhaus abhielt, ersetzte. Somit ist unser Mini-Apartment (35 qm), in dem wir seit Januar leben zu einer vollwertigen Wohnung geworden!
Eine liebe Freundin aus Aachen kam spontan vorbei und fand auch, dass es sich hier leben läßt. Ja, wir passen uns leider (oder zum Glück?) immer recht schnell an neue Lebensumstände an und könnten jetzt hier auch die nächsten paar Jahre verbringen – wir würden uns höchstens noch einen kleinen Balkon wünschen.
Und heute Abend haben wir dann zum ersten Mal angefangen zu packen; beziehungsweise im Keller die Sachen zu sortieren je nachdem ob wir sie im Koffer mitnehmen oder in die ca. 6 Kisten packen, die wir nach USA vorausschicken. Von dort werden Besucher, die zu uns kommen immer wieder mal was mitbringen. Manches landete auch in der Kiste „Irgendwann mal nach Nicaragua mitnehmen“. Vielleicht werden wir manches ja auch nie mitnehmen, weil wir feststellen, dass wir es nicht brauchen.
Bekannte, die in USA gelebt haben, haben uns am Sonntag Elekrotgeräte mit 110 Volt geschenkt, die uns viele Einkaufstouren und Geld sparen werden. Wasserkocher, Elektoquirl, Kaffeemühle, Bügeleisen, usw.
Letzter Zahlungseingang!
Hurra, heute ist die letzte noch offene Rechnung bezahlt worden. Nun können wir uns endlich der Abschlussbilanz unseres Geschäftes widmen. Es ist schon ein Wunder, dass alle unsere Kunden bezahlt haben. Obwohl es schon ein wenig gedauert hat (die Rechnungen waren alle vom letzten Jahr und wir haben mehrfach errinnern müssen). Aber in den 9 Jahren unserer Selbstständigkeit hat nur ein Kunde wegen Insolvenz eine Rechnung nicht bezahlt, die sich aber vom Betrag her recht gut verschmerzen ließ. Wir sind Gott sehr, sehr dankbar dafür.
Während ich alles, was wir für den steuerlichen Geschäftsabschluss brauchen zusammenzustellen versuchte, kümmerte sich Andreas um unsere Gewerbeabmeldung und Verwaltung unserer privaten und geschäftlichen Domains. Ich bin leider heute nicht fertig geworden. Ich muss morgen noch mit unserem Steuerberater telefonieren.
Heute Abend fahren wir zu Freunden nach Wuppertal. Wer weiß, wann wir uns in den nächsten Jahren mal wiedersehen….
Kinder in der Arztpraxis und im Kinderheim
Die Zeit in der Kinderarztpraxis tut mir gut. Durch das Zuschauen gewinne ich ein klein wenig mehr Sicherheit, dass ich nicht bei jeder Krankheit gleich mit dem Tod des Kindes rechnen muss, weil ich etwas übersehen haben könnte! Ein wenig beginne ich mich auch zu freuen, dass ich wieder medizinisch arbeiten kann. Ich war in den letzten Tagen echt motiviert Nachmittags in meine Pädiatriebücher reinzuschauen.
Wenn ich in der Praxis die Mütter und Väter mit ihre Kindern beobachte, überkommt mich manchmal ein wenig Traurigkeit und Mitleid für die Kinder, die in einem Heim aufwachsen. Sie sind zwar umgeben von vielen lieben Menschen und werden liebevoll umsorgt, aber diese ganz exklusive Beziehung zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind kennen sie nicht.
Ich mußte daran denken als wir letzten August in Nicaragua waren und die Kleinkinder zum Kindergarten brachten, rannte die 5-jährige Xochilt (ein indianischer Name) zu ihrer Kindergärtnerin, deutete auf Andreas und sagte: „Das ist mein Papa“. Wahrscheinlich kennt die Kindergärtnerin das schon. Jeder Mann, der sie in den Kindergarten bringt ist gerade ihr Papa.
Na ja, das wissen wir alle – im Heim aufwachsen ist sicher nicht die optimale Lösung. Aber besser als garnicht aufwachsen können oder hungern oder missbraucht werden…
Estoy aprendiendo Español cada día.
Während Marion vormittags bei einem kölner Kinderarzt hospitiert, lerne ich parallel dazu in einem nahgelegenen Café Spanisch bis der Kopf raucht. Es gibt so viele Zeiten im Spanischen, mehr als im Deutschen. Zurzeit wird an jedem Tag meines Spanisch-Kurses eine neue Zeit vorgestellt. Neben dem Perfekt und dem Imperfekt gibt es noch den sogenannten Indefinido. Wird eine Meinung, eine Möglichkeit oder eine Notwendigkeit ausgedrückt, dann muss man den Subjuntivo verwenden. Je nachdem, wie sicher eine Handlung in der Zukunft ausgeführt wird, gibt es zwei unterschiedliche Zeitformen des Futurs.
Und jedes Mal neue Endungen lernen inklusive der Ausnahmen der vielen unregelmäßigen Verben.
Genug gejammert. Bei all dem macht das Spanisch lernen viel Spaß.
Erste Hilfe Kursus
Mit Andreas habe ich gestern und heute einen Erste Hilfe Kursus besucht – zur Auffrischung unserer Kenntnisse. Es war wirklich hilfreich. In Nicaragua wird allerdings manches anders sein – Erstversorgung bis der Notarzt eintrifft, trifft dort nicht so. Welcher Notarzt soll da eintreffen? Aber so manch andere lebensrettende Maßnahme, bis man den Patienten irgendwo hingebracht hat, wo man eventuell (!) mehr Möglichkeiten hat, sollten wir kennen.
Den heutigen Kurstag mussten angehende LKW-Fahrer auch mitmachen. Ich habe nicht fassen können, wie desinteressiert manche waren. Die Einstellung: „Warum sollte ich meine Finger schmutzig machen? Soll das doch ein anderer tun“ wurde von manchen laut vertreten.
Der Interssenskonflikt zwischen uns, die wir freiwillig da waren und so viel wie möglich lernen wollten und denen, die teilnehmen mußten und schnell weg wollten war für uns unangenhem. Bei jeder Frage, die wir stellten, schnaubte der Typ neben uns. Wir haben uns sowieso schon sehr zurückgehalten.Schließlich einigten wir uns auf einen Kompromiss: Die Uninteressierten gehen ein wenig früher und wir stellen unsere Fragen dann.
Im Galopp über das erste Hindernis
Meine fünfte Reitstunde endete mit einer Folge von intensiven Adrenalinschüben. Nach dem üblichen Einreiten mit Schritt und Trab folgte die Wiederholung des Galoppierens im leichten Sitz. Zu meiner Überraschung bemerkte ich, wie mein Reitlehrer auf der anderen Seite der Halle ein Hindernis aufbaute. Von mir nachgefragt antwortete mein Lehrer: In Nicaragua werden auch Baumstämme und andere Hindernisse zu erwarten sein, darum sei heute leichtes Springen angesagt.
Mein Herz rutschte in die Hose, aber ich folgte meiner Entscheidung mich jeder nicht unvernünftigen Herausforderung zu stellen. Bei den ersten Sprüngen landete ich mehr schlecht als recht. Ich war dankbar, dass ich überhaupt auf dem Pferd blieb. Meine Beine zitterten. Danach klappte es aber noch zweimal recht gut und ich konnte ungebremst weiter galoppieren. Dummerweise legte ich mich dann doch in einer der nächsten Kurven auf die Nase, oder besser auf meinen Hintern. Bei all dem gab mir mein frisch bei Ebay ersteigerter Reithelm doch ein subjektives Gefühl von mehr Sicherheit.
Was ich lernte: In Stresssituationen (um nicht zu sagen Panik-Situationen 🙂 ) sich entscheiden einen klaren Kopf zu haben und gelernte Aktionen, entgegen des natürlichen Reflexes, durchzuführen (z. B. das Pferd kurz vor dem Hindernis noch einmal anzutreiben).
Kinderarztpraxis
Seit gestern hospitiere ich in einer Kinderarztpraxis bei einem netten Arzt (welcher Kinderarzt ist das nicht?) in Köln und lerne eine ganze Menge.
Da mir die Verantwortung für die Gesundheit und das Überleben meiner Patienten zu viel war, wollte ich ja eigentlich nie wieder als Ärtzin arbeiten. Aber wer kann diesen Entschluss beibehalten angesichts der Not in einem so armen Land wie Nicaragua?
Da ich überhaupt nicht weiß, wie die Kinder im Heim medizinisch versorgt sind, aber ich schon hörte, dass es da einen gewissen Mangel gibt, will ich mich dem auch stellen.