Adan

Heute sollte ich mit dem kleinen Adan im größten Kinderkrankenhaus Managuas erscheinen, damit er von dem Arzt der ihn operieren soll, ein Dr. Garcia aus Mexiko, untersucht werden kann.

Adan hat eine heftige Kyphoskoliose und geht deshalb nach vorne über geneigt. Er ist acht Jahre alt, sieht aber aus wie ein Vierjähriger und wird auch leider oft so behandelt. Als er vor 2 Jahren zu uns kam, konnte er überhaupt nicht laufen, da er von seinen Betreuern immer herumgetragen wurde. Er läuft und spielt jetzt weitestgehend unauffällig mit den anderen Kindern.

Als ich im Krankenhaus ankam (immerhin 36 Kilometer vom Kinderheim entfernt) wusste keiner von dem Termin. Nach langem hin- und hertelefonieren mit meinem Mobiltelefon bis ich kein Guthaben mehr hatte, erfuhr ich, dass der Arzt auf einem Kongress an einer Universität spricht und vergessen hatte mir das mitzuteilen. Ich sollte zu dem Kongress mit Adan kommen.

Adan und GabrielEs gehört nicht gerade zu meinen Stärken, mich in Managua zurechtzufinden, mit seinen fehlenden Straßennamen und so gut wie gar keiner Beschilderung, auch größerer Einrichtungen wie Krankenhäuser und Unis nicht. Nachdem ich in der falschen Uni herumlief und jeder mich irgendwo hinverwies, fand ich die richtige Uni dann ein paar hundert Meter weiter und auch die Medizinische Fakultät, auch ohne Beschilderung und den Kongress, auch ohne Beschilderung. Dr. Garcia wurde herausgeholt und bat uns hereinzukommen und auf einem Sitz vorne Platz zu nehmen. Und dann saß ich da in der ersten Reihe mit Adan auf dem Schoss und wir mussten bzw. durften 2 ½ Stunden lang der Vorlesung folgen. Es war schon interessant für mich. Aber erstens wusste der Arzt nicht, dass ich auch Ärztin bin (ich wäre sonst in Ohnmacht gefallen) und dann waren die Vorträge auch nicht gerade für das Kind geeignet. Es wurden immer Bilder von Kindern mit schweren Skoliosen gezeigt, dann die Röntgenaufnahmen, dann die blutigen Operationen. Dabei drehte ich immer Adans Kopf weg und hielt ihm die Augen zu. Er wollte es auch nicht sehen.  Als aber dann Fotos von ihm selber gezeigt wurden und seine Röntgenaufnahmen, die der Arzt letztes Jahr gemacht hatte, fing er leise an zu weinen. Er konnte sich ja zusammenreimen welche Bilder bald folgen werden. Der Arme.

Dr. Garcia kam danach zu uns und sagte er würde ihn dann am Montag Morgen untersuchen, dann sollten wir noch mal ins Kinderkrankenhaus zu kommen.  Oh man, warum kann man mich nicht einfach anrufen und den Termin absagen, statt mich mt dem Kind quer durch die Stadt zu schicken und ewig warten zu lassen um ihn dann doch nicht zu untersuchen. Es hilft hier vieles mit Humor zu nehmen. Aber so witzig war es nicht. Allerdings war der Arzt wirklich sehr nett und ich konnte es ihm dann doch nicht übel nehmen. Wahrscheinlich macht er seine Arbeit hier auch ohne ein angemessenes Honorar.

Adan und ich haben dann bei uns zu Hause ein verspätetes Mittagessen gegessen, und Adan, der ein sehr lieber, freundlicher Junge ist, spielte noch mit Gabriel.

Kinderheime werden geschlossen?!

Jetzt scheint es tatsächlich traurige Realität zu werden. So gut wie alle Kinderheime in Nicaragua sollen geschlossen werden. Das war zwar schon lange der Plan des Präsidenten (bzw. seiner Frau) aber anscheinend ging es ihm bisher nicht schnell genug.

Unsere KinderEr hat am Freitag ohne die Absegnung der Nationalversammlung die Ministerin des Amtes für Familie, Jugend und Kinder abgesetzt, eine Neue, Parteigenossin, eingesetzt und fast alle leitenden Mitarbeiter des Amtes entlassen. Das ist bereits die vierte Minister/in in diesem Amt in den nur 2 1/2 Jahren seiner Amtszeit.

Es war bisher in der Vergangenheit wirklich ein Misstand, dass Kinder in Heime gebracht wurden und dann dort vergessen wurden. Das Familienministerium hat sich oft jahrelang nicht mehr um diese Kinder bemüht. Ihre Fälle wurden nicht mehr geprüft und so sind Kinder in Heimen groß geworden, die hätten irgendwann in ihre Familien zurückgehen können oder hätten adoptiert werden können. Aber jetzt mit aller Macht das Gegenteil zu machen ist für viele Kinder und ihre Betreuer grausam.

Wir beten, dass für alle Kinder, die uns bisher anvertraut waren, gute Lösungen gefunden werden.

Die Aktionen des Präsidenten sorgen für zunehmende Unruhe im Land.

Heute sprach ich mit einem Kindermädchen, die zu mir sagte, ich könnte ja zurück in mein Land, aber sie, sie müsse hier bleiben. Sie erzählte mir, wie ihr langjähriger Nachbar, der nun einem der kommunalen „Volksräte“ vorsitzt und dort billig Reis uns Bohnen an die Bevölkerung abgeben soll, ihr nichts mehr verkauft. Sie sei keine Sandinistin. Sie verkaufen nur noch an Parteigenossen oder Sympathisanten.

Die Angst vor Benachteiligungen, wenn man nicht der Partei beitritt, macht sich überall breit. Mit Berechtigung.

Ärzte

Heute wollte ich drei Kinder des Kinderheimes impfen lassen, die noch nicht so lange bei uns sind und die keinerlei Impfnachweis haben. Die Ärztin sagte mir, dass 2-, 3- und 5-jährige, die noch keine Impfungen bekommen haben, nicht ins Impfschema passen und deshalb nicht mehr geimpft werden. Ich wollte das genauer erklärt haben. Denn schließlich könnten diese Kinder Polio, Keuchhusten, Tetanus, Diphtherie und was sonst noch bekommen, (wenn sie es nicht schon hatten) und eine Grundimmunisierung ist auch bei ihnen noch anzustreben. Irgendwie war sie nicht überzeugt. Zu spät ist zu spät. Frust. 

Die gute Nachricht von heute ist, dass ich einen medizinischen Rundbrief des Nicaraguanischen Gesundheitsministeriums gefunden habe, der auf weltweite Studien verweist, in denen der zu freizügige Gebrauch von Antibiotika, fiebersenkenden Mitteln u.ä angemahnt wird und der Richtlinien für einen vernünftigeren Gebrauch dieser Mittel herausgibt. 

Wenn ich nämlich hier zu Ärzten gehe, bin ich oft verwundert über all die Mittel, die ich den Kindern so geben soll. Eine offizielle Empfehlung des hiesigen Gesundheitsministeriums hilft mir so weiter. Vielleicht sollte ich dem Arzt, mit dem ich in Los Cedros zusammenarbeite, den Rundbrief ausdrucken. Er hat keinen Internetzugang. Wie soll er den sich auch leisten, wenn er pro Konsultation 3 Dollar verdient und der Internetzugang 140 Dollar kostet.  

In den Bergen

Wir haben 3 Tage mit einem kleinen Team Kinder in den BergenAmerikaner auf der Kaffeefinca der Familie unseres Pastors verbracht. Die jungen Amerikaner waren im Wesentlichen zum Lernen hier und so haben wir diese Fahrt in die Berge nördlich von Matagalpa organisiert.

Die Finca war sehr, sehr einfach und sehr entlegen. Von der nächsten Stadt etwa 2 Stunden entfernt, kein Telefon-, Mobilfunk oder Internetempfang, kein Fernsehsignal. Nur Berge, Täler, grüne Hügel, Berge, Urwald, Kaffeeplantagen, Bananen, einfache Hütten und einfache Menschen, die davor saßen.

Zunächst war ich beeindruckt von den „lieben“ Kinder, die so ruhig vor ihren Hütten saßen und schämte mich für unseren impulsiven und quicklebendigen Gabriel, der immer zu meckern schien, wenn er nicht Ansprache, Spiele, Essen oder anderweitige Abwechselung hatte.

Ich habe mich ein wenig mit den Kindern in der Umgebung der Finca unterhalten. Die meisten gehen nicht zur Schule, weil ihre Eltern sie nicht schicken wollen; sie sollen zu Hause helfen. Ansonsten taten sie fast nichts, außer dasitzen und sich nicht schmutzig machen. Die Kinder und auch einige Erwachsene standen oft an unserer Tür oder am Fenster und schauten uns gespannt zu. Videoabend mit Kindern am FensterIch glaube, sie staunten nicht schlecht über Gabriels Trotzanfälle. Ob die Kinder das hier nicht haben? Ich weiß es nicht. Ich habe noch lange auf dem Nachhauseweg über diese Kinder nachgedacht. Es ist mir wirklich lieber mein Pflegekind weiß was es will und verlangt Abwechselung, als dass er stumpf dasitzt. Natürlich imnnerhalb gewisser Grenzen, die er oft nicht einsehen will. Seufz…

Wenn Abends ein Video eingelgt wurde, schaute die Nachbarschaft vom Fenster mit. Den Jesus-Film fand ich passend, da  die Lebensbedingungen der Bergbewohner denen zur Zeit Jesu echt sehr ähnlich sind.

Auf in die BergeAn einem Tag fuhren alle (außer Gabriel und ich) mit einem ausrangierten Transport-LKW der nationalen Volksarmee der DDR (an dem alles zu klappern schien) so weit wie es ging in die Berge herauf. Danach ging es zu Fuß weiter, da es keine Straßen mehr gab, 2 Stunden teilweise sehr steil den Berg hoch. Oben warteten die Bergbewohner, die dort eine kleine Kirche errichtet hatten und freuten sich, dass Ausländer eine so weite Reise und einen so langen Fußmarsch auf sich nahmen um mit ihnen einen Gottesdienst zu feiern. Der Pastor der kleinen Gemeinde konnte nicht sehr gut lesen und konnte einen großen Teil der Bibel auswendig. Und unsere Amerikaner erzählten ebenfalls ohne Vorlage biblische Geschichten, die sie gelernt oder auswendig gelernt hatten. Die Menschen waren so dankbar.

An der Rundwanderung auf der Kaffeeplantage am nächsten Tag haben Gabriel und ich dann teilgenommen. Sehr interessant. Ich weiß Kaffee jetzt noch mehr zu schätzen. Und nicht nur Kaffee… 

Kranke Kinder

Ich habe nun die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Kinder im Kinderheim in Los Cedros übernommen. Zwar bin ich davon nicht so erfreut, aber mir dauerhaft anzuschauen, dass die Kinder nicht so gut versorgt sind, kann ich mit meinem Gewissen auch nicht verantworten. Ich habe das Gefühl, dass seit meiner Entscheidung, so viele Kinder krank waren wie noch nie. Gott sei Dank habe ich einen netten, koorperativen Dorfarzt gefunden, zu dem ich die Kinder bringen kann. In vielen Behandlungen bin ich mir zwar sicher, dass man das in Deutschland nicht so machen würde, aber welchen Standard kann ich anlegen? Wir sind hier in einem armen Entwicklungsland und unsere Resourcen sind begrenzt.  

Ich bin erschöpft nachdem ich nun täglich Kinder untersuche, mit Kindern beim Arzt war und dann die Behandlungen einleiten und überwachen muss. Unsere Kindermädchen sind kein medizinisches Personal und nicht gewöhnt medizinische Kurven zu führen. Hautkrankheiten, Durchfallerkrankungen, Parasiten, Kopfläuse, Bronchitis, Asthmaanfälle machen eine saubere Dokumentation aber unerlässlich.

Es ist auch nicht einfach auf einem Kontinent in dem eine weitverbreitete Medikamentengläubigkeit besteht. Es kann dir übelgenommen werden, wenn du sagst, wir warten einmal ab und schauen wie sich der Husten entwickelt oder der Durchfall. Als ich eine Kopfplatzwunde einer 3-jährigen vorgestern versorgte war eine Mitarbeiterin verwundert, dass ich ihr kein Schmerzmittel gab. Aber wozu? Das Mädchen schaute dabei fern und war total vergnügt und äußerte keine Schmerzen.

Gestern brachten zwei Mitarbeiter des Familienministeriums ein etwa fünfjähriges Mädchen aus einem anderen Heim bei uns vorbei. Sie hat ihr ganzes Leben in einem Kinderheim verbracht, ein Geburtsdatum existiert nicht und wurde auch nie festgelegt, so dass sie immer „etwa irgendwas“ alt ist und Papiere oder Impfausweis hat sie auch nicht. Was sie allerdings überreichlich hat sind Kopfläuse. Ja, sagte mir die Mitarbeiterin heute am Telefon, das habe ich gesehen. Ja dann hätte sie ja mal was sagen können. Nachdem die Kleine alle unsere Kinder begrüßt und beschnuppert hatte, haben wir es dann auch gesehen. Beim nächsten Mal bin ich schlauer. Erst entlausen, auf Hautkrankheiten und andere Parasiten untersuchen, dann zu den anderen Kindern lassen. Aber was ist das für eine Begrüßung. Ausziehen und Absuchen.

Sie soll bald adoptiert werden und ihre zukünftigen Eltern sollen sie bei uns besuchen. Wenn sie sich an die Leute gewöhnt hat, sollen wir ein psychologische Gutachten erstellen, dass sie bereit ist zu ihren Adoptiveltern zu ziehen. Das heißt sie wird erst einmal aus „Ihrem“ Kinderheim geholt und soll sich von einem fremden Heim aus an neue Eltern gewöhnen. Ich hätte ja Lust in das Gutachten zu schreiben: sie braucht jetzt noch eine geraume Weile um das Trauma von einem Heim zum nächsten zu verkraften. Aber sie schient ein ganz glückliches, vergnügtes kleines Mädchen zu sein, das gar nicht schüchtern ist und so nehme ich an, wird sie es vermutlich – zumindest oberflächlich betrachtet –  ganz gut verkraften. 

Ja so was passiert hier ständig. Wir nehmen uns immer vor einmal was Schönes, Entspannendes zu unternehmen, aber irgendwie ist das schwer. Ich werde ein Kindermädchen zu meiner Assistentin ausbilden und die kann dann mit den Kindern zum Arzt gehen, Tabletten austeilen und Kurven erstellen, Kinder wiegen und messen und Fieber messen. Vielleicht kommen Andreas, Gabriel (unser Pflegekind) und ich dann mal an den Strand. Einmal im Jahr an den Strand zu fahren, der gerade einmal eine Autostunde von hier entfernt ist, ist zu wenig.

Und heute sagte uns die Physiotherapeutin Gabriel müsste wegen seiner Muskelschwäche mehr auf Sand laufen. Gras ist hier nicht ungefährlich wegen der giftigen Insekten, aber auf Sand und Steinen soll er laufen. Ein Grund mehr zum Strand zu fahren. Irgendwann dann mal.

Alltag

Die Frau hatte Recht, die mir vor einem Jahr sagte: „Schreib Tagebuch, Blog oder sonst was, so fleißig du kannst, wenn du am Anfang in Nicaragua bist, danach wird dir vieles so selbstverständlich erscheinen, dass du es nicht mehr aufschreiben wirst“.

So ist es. Ein Jahr ist vergangen, wir haben uns eingelebt, wir leben gerne hier.

Die Umstände haben sich nicht so sehr geändert, vieles wiederholt sich und ich will mich ja nicht ständig wiederholen oder gar beschweren…:-). Die Leute sagen weiterhin „Manana“ und „No hay problema“, sind verwundert wenn keiner zu Hause ist, der Strom fällt manchmal aus oder das Wasser, die Sonne scheint viel, ich friere nie. Das Wasserproblem haben wir nicht mehr, der Vermieter hat uns einen Tank im Garten aufstellen lassen, so drehen wir bei Bedarf den Hahn am Tank auf. Die Kinder im Heim entwickeln sich alle gut und machen wie immer einen glücklichen Eindruck. (Außer wenn man natürlich gerade während einer Troztreaktion reinspaziert kommt.)  

Unserem Pflegekind geht es prima, also prima normalerweise, gerade leidet er an einer Impfreaktion und kann nicht laufen, wie alle Kinderheimkinder, die von der Dorfschwester geimpft wurden. Darauf, dass die Injektionsstelle desinfiziert wurde, haben wir bestanden. Das fand die Schwester völlig überflüssig. Heute erzählte mir eine Nicaraguanerin, dass ihre Schwester hier nach einer i.m. Injektion einen schweren Abszess bekam und fast an einer Blutvergiftung verstarb. Sie hat jetzt ein Loch an der Stelle.

Und das Vitamin A wurde ihm aus einer Tropfflasche in den Mund gedrückt. Ich weiß nicht wie viel Kinderspeichel daran klebte. So werden mit der Impfung gleich die Grippeviren geliefert.

Hätten wir den Impfstoff hier kaufen können, hätten wir selber geimpft, das heißt ein befreundeter amerikanische Arzt hätte es gemacht. Nachdem ich die Schwester impfen sah, dachte ich, selbst ich, hätte das besser gekonnt. Leider ist der Impfstoff hier nicht so leicht zu kriegen. Das Erlebnis war halt neu.

Endlich Wasser – dachten wir …

Vergrößerung: WassertankDa wir hier fast täglich über viele Stunden kein fließendes Wasser haben, hatte unser Vermieter Mitleid mit uns und beschloss uns einen Wassertank zu bauen. Dieser Wassertank sollte auf dem Dach eines kleinen Häuschen im Garten stehen. Das sollte zudem einen Wasser- und Stromanschluss haben, damit wir in den 4 Quadratmetern unsere Waschmaschine reinstellen können. (Da unser Haus weder Abstellraum, Garage, Waschraum oder ähnliches hat, steht momentan die Waschmaschine in der Küche, aber dadurch ist dort kein Raum mehr für den Kühlschrank. Und ein wenig Abstellfläche kam mir gerade recht, da man mit einem Pflegekind und vorübergehenden Pflegekindern doch so allerhand Sachen rumstehen hat, wie Hochstühle, Kinderwagen usw.). Das finden wir total nett vom Vermieter, wir haben das nicht erwartet. Aber bei der Durchführung gab es so manches, bei dem uns wieder bewusst wurde, wie befremdlich so manches Arbeiten hier für uns ist

Ursprünglich waren dafür den Bau 7 Tage angesetzt. Mir ist etwas schleierhaft, wie sie ohne die ganzen Werkzeuge, die Andreas ihnen geliehen hat und ohne seine Hinweise, das Häuschen mit den Anschlüssen gebaut hätten. Na ja, irgendwann nach 10 Tagen stand es, aber ohne Tür, Anstrich, Fliesen und …ohne Tank. Das veranschlagte Geld war ausgegangen.Um wenigstens den Rasenmäher, die Gartengeräte und Kindersachen abstellen zu können, holten wir einen Schweißer, der uns eine einfache Gittertür einsetzte. Aber leider stand das Häuschen ständig unter Wasser. Das Rückschlagventil war verkehrt eingebaut, so dass bei niedrigem Wasserdruck ständig Wasser ausfloss. Andreas verschloss das Ventil.

Wir haben ein weiteres 2-jähriges Kind bei uns, das gerade Brechdurchfall hat, so dass der Frischwassermangel echt ein Problem wurde. Und wir erwarten nach Ostern Besuch aus Deutschland, es wäre zu schön gewesen durchgehend Wasser zu haben. O.K. sagte der Vermieter, er bringt den Tank, wir haben ja gerade die Miete bezahlt. Wir wunderten uns, das der Bauherr den Tank ohne weitere Maßnahmen auf das Dach stellte. Nee, befestigen bräuchte man den nicht (wir sind etwas besorgt wegen den Tropenstürmen die gerade aufziehen). Der Tank wäre ja immer voll Wasser. Das bezweifeln wir, denn sonst bräuchten wir ja keinen Tank. Zudem hat der Vermieter kein Rückschlagventil einbauen wollen.

KunststoffrohreAls das Wasser heute abgestellt wurde, drehten wir voller Freude die Zuleitung vom Tank auf. Es kam, wie es kommen musste: Der Tank war innerhalb von einer Stunde leer, obwohl ich nur Geschirr gespült habe. Plastik-WasserhahnDie Nachbarn haben sich sicher gefreut, das von irgendwo Wasser eingespeist wurde.Und die Bude steht ständig weiter Wasser, diesmal war es der unsachgemäß installierte Filter. Andreas montierte ihn ab, was nur durch Durchsägen der Kunststoffleitungen möglich war. Die ganzen Leitungen sind aus billigem Kunststoff und miteinander verklebt. Der Wasserhahn ist ebenfalls aus einfachem Plastik. Das nächste Leck ist nur eine Frage der Zeit. Der Wasserdruck, den wir hier haben, (wenn wir dann mal Wasser haben) ist enorm und man kommt sich beim Garten gießen vor wie ein Feuerwehrmann beim Löschen. Und der nächste Sturm kommt bestimmt und der Tank ist nicht befestigt.

Es wird in diesem Land oft soviel mit guter Absicht geplant und gebaut, aber knapp (oder grob) daneben – und alles ist umsonst. und man repariert und repariert. Es tut einem so leid für die Arbeit. Man möchte nicht hochmütig sein, oder besserwisserisch, aber es ist schwer an „knapp daneben“ etwas Gutes zu sehen. Wenn der Tank vom Turm runterfliegt, denkt man sich, hätte man doch lieber seinen Mund weiter aufgemacht.

Auf der anderen Seite unserer Gartenmauer ist jetzt eine Müllhalde. Dorthin haben die Arbeiter allen Müll geschmissen. Die Arbeiter werden sich denken, dass sie saubere Arbeit geleistet haben. Schließlich liegt ja kein Müll liegt im Garten. Wie in dem Bus, in dem ein Schild hing: „Sei kein Schwein, lass den Müll nicht im Bus, schmeiß ihn raus!“

Pedro ist wieder bei uns

Vergrößerung: Pedro auf der RutscheDa das Familienministerium Hinweise bekam, dass der kleine Pedro, der vor ein paar Monaten aus dem Heim eines Tages ohne Vorankündigung abgeholt wurde und zu seinen Eltern zurück gebracht wurde, zu Hause vernachlässigt würde, wollten sie diesen nachgehen. Aber wie so oft hier, hatten sie kein Fahrzeug zur Verfügung. Wir boten uns an und vor ein paar Tagen fuhr Lianne, unsere Kollegin, mit 2 Mitarbeitern des Ministerium dorthin. Da sich die Vorwürfe bestätigten, wurde der Kleine samt seinem 11 Monate älteren Bruder eingepackt und ins Kinderheim zurückgebracht. Man merkt Pedro an, dass er glücklich ist wieder bei uns zu sein. Für seinen Bruder ist es noch eine fremde Umgebung.

Zurück in Nicaragua

Nun bin ich mit Gabriel wieder zu Hause in Managua und mit Andreas vereint. Andreas war schon bald nach Gabriels Entlassung nach Nicaragua zurückgekehrt und ich musste ein wenig länger bleiben wegen einiger Komplikationen, die Gabriel nach der OP hatte.

Gabriel geht es sehr gut. Der Alptraum ist zu Ende. Er wird zwar nie ein gesundes Herz haben, aber momentan sind seine Sauerstoffsättigungen normal und stabil. Er hat sich laut Aussagen der Menschen, die ihn kennen sehr verändert. Er wirkt glücklicher, ruhiger, redet mehr (im Wesentlichen Worte in Deutsch, aber auch English und Spanisch). Er imitiert gerne und bringt Menschen zum Lachen.

Mir fiel es ein wenig schwer mich hier wieder einzugewöhnen.

Vergrößerung: Marion im Ronald McDonald HausIn USA lebten wir im Ronald McDonald House (in der Kleinstadt in der Gabriel operiert wurde) und wurden täglich von freundlichen Mitarbeitern betreut, wurden mit leckerem Essen verwöhnt, hatten eine Badewanne mit warmen fließenden Wasser, immer Strom, eine liebe Familie hat mir ein Auto für die gesamte Dauer unseres Aufenthaltes geliehen und viele Menschen haben uns besucht, eingeladen und in irgendeiner Form geholfen.

Gabriel genoss die Aufmerksamkeit, die neuen Spielsachen, lernte Neues kennen wie Jacke und Mütze tragen, Enten im Park füttern, Fische im Aquarium beobachten, wozu Flugzeuge gut sind, Fernsehen (na ja, das kann er auch hier lernen), usw.

Das Autofahren war in USA traumhaft einfach. In den Geschäften gab es überall Einkaufswagen mit Kindersitz und ich konnte vieles besorgen was es hier in Nicaragua nicht oder nur schwer gibt. Ein lieber Mensch hat einen Lagerraum angemietet und wenn er voll ist, wird alles auf einen Container gepackt und ins Kinderheim runtergeschickt. So konnte ich auch größere Gegenstände besorgen.

Hier ist das Leben ein wenig rauer und heißer.

Am ersten Tag nach Rückkehr war das Wasser ausgestellt. So konnte auch der Durchlauferhitzer nicht genutzt werden (den wir mittlerweile in der Dusche haben) und Gabriel war kaltes Wasser nicht mehr gewöhnt. Also musste der Wasserkocher ran, Gabriel machte aber sein Geschäft direkt in das frische warme Wasser und ich musste wieder nach Andreas rufen. Ich fühle mich nicht mehr so selbstständig.

Auf meiner ersten Autofahrt hielt mich die Polizei an. Der Polizist schaute über mich hinweg und sagte zu Andreas (der auf dem Beifahrersitz saß) er solle der Senora mal erklären, dass man nicht über eine durchgezogene Linie fahren darf. Hey, Moment mal, ich sitze am Steuer, reden sie bitte direkt mit mir, wollte ich schon protestieren, aber ich habe einfach mit meiner Verteidigung begonnen (das Polizeiauto stand mitten auf einer befahrenen Strasse auf meiner Fahrbahn und ich musste ausweichen). Andreas stieg dann aus und erklärte dem Beamten, dass wir heute einfach nicht zahlen wollen und der ließ uns dann fahren. Vielleicht war es doch gut, dass die Männer das untereinander ausgemacht haben. 

Die guten Nachrichten sind, dass im Kinderheim alles ganz gut läuft, den Kindern geht es gut.

Das „Programa de Amor“ hat auch seine guten Seiten. Man bemüht sich die Papiere der Kinder fertigzumachen (Geburtsurkunde, Verlassenheitserklärung, usw.) so dass Kinder besser in Pflegefamilien untergebracht werden können oder auch adoptiert werden können.

Buschfeuer

Buschfeuer
Ich zeigte heute Marion dieses Bild und sagte ihr, das sei das Buschfeuer. Sie fragte ob es das in Australien sei. Nein, das ist das auf dem Grundstück, welches zum Kinderheim gehört in Los Cedros. Das erste Feuer auf unserem Grundstück seit Beginn der Trockenzeit. Es ist gefährlich nah an unser Warenlager gekommen. Möge es das einzige der Saison bleiben.