Lobpreis

Heute Morgen habe ich Kuchen gebacken, da wir morgen einige Gäste zu einem „deutschen Kaffeetrinken“ eingeladen haben. Das ist ein wenig schwierig, weil ich manche der Zutaten nicht oder nicht günstig hier bekommen kann. Also mutierte mein Apfelkuchen zu einem „Mango-Platanen“ Kuchen. Egal, deutsch daran ist, dass man sich an einen Tisch Nachmittags zusammensetzt, Kuchen ißt und Kaffee trinkt.

Während ich in der Küche arbeitete, dachte ich, dass es so schön wäre, wenn ich christliche Lobpreismusik hören könnte. Wir haben zwar ein paar CDs mitgebracht und auch einige auf Spanisch besorgt, aber wir haben leider noch keinen CD Player. So beschloss ich, stattdessen etwas für mein Spanisch zu tun und machte den Fernseher an. Ich wählte einen beliebten nicaraguanischen Sender aus, da ich ja „Nica-Spanisch“ lernen will. Nach ein paar Minuten hörte ich, wie eine christliche Musik- und Tanzgruppe interviewt wurde und dann tanzten die jungen Leute zu dem Lied „Wir feiern dich, Halleluja“ (aber natürlich auf Spanisch). Es war so inspirierend.

Dasselbe Lied sangen wir in unserem Abschiedsgottesdienst in Eschweiler und wurde gerade in der Sendung „Goodbye Deutschland“ gezeigt. Wir haben dort nicht dazu getanzt. Ich glaube, dass die nicaraguanische Bevölkerung einen lebendigen Lobpreis Gottes mit Tanz im Fernsehen auch ein wenig besser vertragen kann als die deutsche.

Auf VOX wurde es mit den Worten kommentiert: „Und mit diesem Halleluja gehen sie an ihre neue Aufgabe in Nicaragua“.

Stimmt. Durch den Tanz hier im Fernsehen wurde ich noch einmal daran erinnert.

Lob für Andrea

Während wir auf der Sprachschule waren, hat das Kinderheim Besuch von zwei Angestellten des Familienministeriums bekommen. Sie wollten die 3 Kinder sehen, die erst seit Kurzem bei uns sind. Sie waren so überrascht, wie gut es Pedro geht, dem Kind mit den schweren Verbrennungen. Er sei so glücklich und zufrieden und wirkt so entspannt.

Und als sie die beiden Schwestern sahen, haben sie zuerst nicht geglaubt, dass es sich bei dem Baby um Juanita handelte. Sie wäre ja so schwach, krank und unterernährt gewesen und sähe jetzt so super gesund und glücklich aus. Ich habe mich, als ich es hörte, für die Kinder, aber auch so sehr für Andrea gefreut, die dadurch auch so ermutigt wurde. Sie hat Tag und Nacht bei den Kindern verbracht und sie gesund gepflegt und geliebt.

Und dann mal ein schönes Erlebnis im Krankenhaus: Wieder mußte Andrea für Pedro um jede Spezial-Bandage kämpfen. Seine Plastikmaske passte auch nicht. Und kaufen dürfen wir auch nichts, das ist wohl (wenn ich es recht verstehe) den Krankenhäusern verboten worden – medizinische Artikel gegen Geld abzugeben.

Und dann kam eine neue Krankenschwester herein, die fragte Andrea, ob sie nicht eine Mitarbeiterin des Kinderheimes Los Cedros sei. Von dort hätten sie doch mal das und das Gerät gespendet bekommen. Und jetzt haben wir eine tolle straffe, gut sitzende Maske für Pedro.

Und an einem anderen Tag wurden alle Frauen, die Kinder mit ähnlichen Verbrennungen hatten, zusammengeholt und Pedros verbrannte Haut, die durch stundenlange Vaselinemassagen von Andrea in einem sehr guten Zustand ist, gezeigt. Die Haut habe sich so gebessert. Die Frauen sollten sich das einmal anschauen und es ebenso machen.

Als ich heute mit ihr und Pedro im Krankenhaus zur Physiotherapie war, kam eine der Mütter und faßte seine Haut an und sagte immer wieder, wie schön weich sie doch sei.

Ich bin dankbar, dass einige Leute für Andrea und Pedro gebetet haben. Er hat auch noch weitere Operationen vor sich, im Gesicht, das arme Kind.

Schimmel und Hygiene

Die Temperaturen jetzt während der Regenzeit sind etwas ertäglicher hier in Manauga. Tagsüber 32° und Nachts kühlt es sogar meist auf 23° ab! Leider ist aber die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass die ersten Sachen in unseren Schränken schimmeln. Einige Schuhe und Taschen habe ich vom Schimmel befreit und in der Sonne trocken lassen, als sich die Sonne mal blicken ließ, aber ein Paar mußte ich wegwerfen. Die Kleidung trocknet schwer an der Luft und auch die Küchenschränke beginnen nach Schimmel zu riechen.

Vergrößerung: Schimmlige SandalenIch habe der Familie in Mataglapa ein wenig Unrecht getan mit meiner Einschätzung, sie wären nicht sauber, weil dort alles nach Schimmel roch. Allerdings hätten man den Schimmel im Bad besser bekämpfen können. Der Raum hatte kein Fenster oder Lüftungsschaft und wurde nach dem Duschen nie gelüftet. Dementsprechend war die ganze Decke und ein Teil der Wände geschimmel. Es stank furchtbar. Andreas und ich haben deshalb das Bad gemieden und die Dusche und die Toilette auf dem Flur benutzt, die jeweils nur mit einem sehr kurzen Duschvorhang vom Flur abgetrennt war. Außerdem waren die Wände nicht bis oben durchgezogen. Das war gut für die Belüftung, schlecht für den Schall und den Geruch –  bei unserem Durchfall…

Wie ich den Schimmel nun bei uns bekämpfen soll, weiß ich auch noch nicht – Schränke lüften und mit Alkohol auswaschen, mehr fällt mir noch nicht ein. Und die Regenzeit geht noch bis November, Dezember. Eijeijeijeijei….

Im Kinderheim wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre die Hygeinebeauftragte zu sein und die Küchenaufsicht führen inklusive dem Erstellen des Speiseplans. Meine Vorgängerin ist überfordert und die, die zuvor eingesprungen ist, ist jetzt die „Böse“, weil sie auf die Einhaltung sehr einfacher Standards bestanden hat. Die Frage an mich war, ob ich bereit bin, diese Aufgabe zu übernehmen. Es wäre nicht immer einfach. Wer den Standard hochhält ist nicht immer bei allen geliebt. 

Beeindruckt haben mich die Verhältnisse in einem SOS Kinderdorf, welches Andreas und ich vor ein paar Tagen besichtigt haben. Es arbeiteten dort nur Nicaraguanerinnen und sie hatten sehr hohe Standards was die Hygiene, die Qualität der Verflegung, Erziehung usw betraf. Es ist also möglich.

Bei den Campesinos in den Bergen

Gestern sind wir nach dem Sprachunterricht in die Berge gefahren, da wir von einer Siedlung von Ureinwohnern gehört haben, die dort noch einer alten Tradition der Stoffwebens nachgehen. Es war eine sehr abenteuerliche Reise, da die Straßen nicht asphaltiert sind und es gerade Regenzeit ist. Aber es hat sich gelohnt. Die Landschaft war wunderschön, wenn es auch ein wenig schmerzt, dass da, wo früher tropischer Regenwald war, alles abeholzt ist und die Hügel mit Feldern bedeckt sind. Mais, Bohnen, Kaffee. Wenn der Boden nicht mehr viel hergibt wird neues Land gerodet. Aber wunderschön war die Hügellandschaft trotzdem. Und da ganz oben, fast am Ende der Welt, entdeckten wir ein kleines Häuschen mit einem gepflegten Blumengärtchen mit dem Schild: „Webstoffe“. Eine groß gewachsene, weißhaarige Frau, die ganz bestimmt nicht aus dieser Gegend stammt, kam aus dem Haus küßte uns zur Begrüßung, hieß uns willkommen und fragte nach unserer Herkunft. Es war wie im Märchen.

Vergrößerung: Marion und die ArgentinierinDiese liebe Argentinierin lebt seit 23 Jahren dort oben und hat das alte Kunsthandwerk, dass so gut wie ausgestorben war, wiederbelebt. Sie beschäftigt 4 einheimische Frauen, verkauft die Stoffe und die daraus hergestellten Taschen und verdient daran selber nichts. Ich habe mir ein paar Beutelchen gekauft, natürlich die in grüner Farbe. 

Sie hat so viele Enttäuschungen erlebt in dem Versuch diesen Menschen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Wir haben viel von ihr gelernt und sie war froh mal mit jemanden reden zu können. Ich bewundere ihren Idealismus, ihr Engagement und ihre Liebe zu diesen Bergbewohnern noch in ihrem Alter von fast 70 Jahren. Auf jeden Fall werden wir sie noch einmal für ein paar Tage dort besuchen, wenn wir mehr Zeit haben.

Vergrößerung: Unsere neuen BananenstaudenDann sind wir dort von Häuschen zu Häuschen gelaufen und haben gefragt ob uns jemand Bananenstauden verkaufen könnte, aber wieder schien uns keiner welche besorgen zu können. Als wir uns bei der Argentinieren verabschieden gingen, kam dann doch ein Campesino und sagte er hätte Stauden, für umgerechnet 15 Cent das Stück. Da die Bauern hier oben fast kein Geld verdienen und nur von dem Leben was sie selber in ihren Gärtchen haben (Mais und Bohnen) hatte er keine Vorstellung was er für 1m hohe Stauden verlangen kann. Wir gaben ihm etwas mehr dafür und er grub uns einige Ableger seiner Bananen aus.

Heute sind wir dann wieder nach Managua gefahren und kamen am frühen Abend zu Hause an, so dass wir die Pflanzen noch einpflanzen konnten. Bald haben wir einen kleinen Bananenwald im Garten, der dem Haus auch ein wenig Schatten spendet. Es ist ja soooooo heiß hier. Ich hatte das in den Bergen fast vergessen. Schwitz…..

Außerdem haben wir wieder Skorpione getötet, die sich in unserer Abwesenheit in unserem Haus eingerichtet hatten. 

Alba

Alba an der WaschmaschineHeute habe ich unsere Wäsche gewaschen und unsere Gastfamilie hat sogar eine Waschmaschine, was hier selten ist. Alba, das Dienstmädchen unserer Gastfamilie, hat mir gezeigt wie es geht. Da die Waschmaschine schlecht wäscht, muss man die Wäsche mit einer Bürste vorschruben. Ca. 15 Minuten nach Ablauf des Waschprogramms habe ich die Wäsche aufhängen wollen, aber sie war sehr nass. Da das Dachbelch an der Stelle, wo die Maschine steht, undicht ist, war aufgrund des heftigen Regens viel Regenwasser in die Maschine reingelaufen. Das undichte Dach nimmt man hier so als Schicksal hin und deckt die Maschine mit einer Plane ab, wenn sie nicht gebraucht wird.

Ich hätte Alba auf ca. 45 Jahre geschätzt. Sie arbeitet jeden Tag von 7 bis 19 Uhr außer Sonntags. Heute habe ich mich ein wenig mit ihr unterhalten. Sie erzählte mir die Geschichte ihres Lebens und es hätte die Geschichte tausender anderer Frauen hier in Nicaragua sein können.

Sie ist 36 Jahre alt und hat die Schule 5 Jahre lang besucht. Mit 15 Jahren hat sie geheiratet und dann innerhalb von 6 Jahren 4 Kinder bekommen. Als die Kinder noch klein waren, hat ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlassen. Sie musste als Dienstmädchen arbeiten gehen und ihre Kinder bei Onkeln und Tanten lassen. Sie hat hart gearbeitet, damit ihre Kinder einen Schulabschluss machen konnten. Die zwei Ältesten haben die Schule schon abgeschlossen und sind Straßenverkäufer geworden. Der eine verkauft selbstgebrannte CDs.

Sie versucht ihnen eine gute Mutter und ihren beiden Enkeln eine gute Großmutter zu sein. Sie will ihnen guten Rat geben, welchen sie von ihren Eltern nicht bekommen hat. Zum Beispiel, dass sie nicht so jung heiraten sollen. Ihr größter Wunsch ist es, dass ihre Kinder eines Tage zu ihr sagen: Du warst eine gute Mutter.

Alba schuftet hier von früh bis spät. Sie fängt mit dem Geschirr des Vorabends an, wäscht die Wäsche der Familie (ca. 12 Leute), kocht, fegt, putzt und wäscht Geschirr. Wenn sie Abends geht ist es bereits dunkel und zu Hause hat sie noch einen eigenen Haushalt.

Die Hausmutter geht sehr sachlich mit ihr um. Während wir ein „Guten Morgen! Wie habt ihr denn geschlafen! Was wollt ihr essen?“ hören, sagt man ihr höchstens „Guten Morgen, kannst du bitte der Annette das Frühstück machen?“.

So geht es hier der armen Landbevölkerung überall, wenn sie Arbeit in der Stadt finden. Der Lohn ist ein Hungerlohn, er reicht kaum zum Leben, aber verhindert das Sterben.

Von Erzählungen meiner Großeltern weiß ich, dass es in Deutschland früher nicht viel anders war. Aber hier hat man kaum Hoffnung, dass sich in den nächsten Generationen was ändern könnte. Es macht mich traurig.

Mein Hobby der Kompost

Ich muss unbedingt meinen Kompost in Gang bekommen, wenn wir wieder in Managua sind.  Irgendwie verottet der nicht, weil das Gras so trocken strohig ist (eine ganz andere Sorte als in Deutschland üblich) und die Gemüse- und Obstabfälle im Wesentlichen die Ameisen speist und sie gedeihen läßt. Da die Ameisen so angriffslustig sind, traue ich mich nicht in die Ecke.

Ich meine ich brauche Kompostwürmer. Nur woher sollen die kommen? Ich habe hier noch nie einen Wurm gesehen. Wenn etwas schwer zu kriegen ist, dann wünscht man sich das am Besten vom Eheparnter zum Geburtstag :-). Also habe ich zu Andreas gemeint, er könnte mir ja zum Geburtstag Kompostwürmer schenken. Er hat ja noch was Zeit bis dahin…..

Als wir dann heute Nachmittag in einem Geschäft waren, versuchte ein Amerikaner etwas zu bestellen, aber sein Spanisch war so schlecht, dass er nicht verstanden wurde. Ich bot mich zum Übersetzen an. Nachher kamen wir mit ihn ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er auch ein Missionar in Managua ist. Er ist Landwirt und lehrt nicaraguanische Bauern eine nachhaltige Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Auf seiner Farm bei Manauga, züchtet er Kompostwürmer und verteilt sie an die Bauern. Wir werden ihn bald mal besuchen, sobald wir wieder in Managua sind. Auch im Kinderheim wollen wir kompostieren, da wir viel Land haben, welches wir irgendwann einmal bewirtschaften wollen.

Unsere Gastfamilie erzählte uns Abends sie hätten auch einmal Kompostwürmer gehabt, aber den Kompost müßte man wegen der Ameisen auf Stelzen anlegen. Die Ameisen würden die Würmer sonst auffressen. Das wird ja noch spannend..

Lernen in Matagalpa

Andreas im EinzelunterrichtTäglich 4 ganze Stunden Non-Stop Einzelunterricht in Spanisch ist herausfordernd, aber effektiv. Nachmittags haben wir entweder frei um Hausaufgaben zu machen oder einen Ausflug, der uns die nicaraguanische Kultur und das Land näher bringen soll. Gestern waren wir in einem Naturreservat und sind auf einen 1080 m hohen Berg gestiegen. Es war wunderschön und Artenreich. Leider ist es überall dort in Nicaragua, wo die Natur nicht geschützt ist und Menschen leben, sehr verschmutz, das Wasser verseucht und der Urwald bzw. die Vegetation brandgerodet. Wie schön, dass es aber diese Naturreservate gibt.

Unsere Gastfamilie besteht aus einer Hausmama und ihren 4 Kindern, einigen Schwiegerkindern und 2 kleinen Enkelinnen. Wir haben immer noch nicht ganz herausgefunden wer hier alles dauerhat lebt und wer zu wem gehört. Außerdem kommen sie morgens immer irgendwie aus einem anderen Zimmer. Verwirrend. Immer wenn ich dachte, ich wüßte jetzt, wer der Vater der kleinen Mädchen ist, hat sich herausgestellt, dass ich irrte. Ich glaube jetzt, dass es der ist, der am wenigsten hier ist, ein Arzt und dass sich immer gerade der Onkel der zu Hause ist um die Kinder kümmert.

Da es nur einen Tisch im Haus gibt und der meistens mit Essen belegt ist und wir im Bett schlecht lernen und schreiben können, gehen wir Nachmittags manchmal in ein Café und machen dort unsere Aufgaben. Bei Kaffee und Kuchen – sehr deutsch…

Der ständige Lärm der Straßen, Autos, Hühner, Hunde, Musik, viele Fernsehgeräte, spielende Kinder, jollende Männer und was sonst noch alles, macht uns erstaunlich wenig aus. Wir schlafen Abends immer erschöpft ein.

Unterricht und Telefonat mit Andrea

Marion im EinzelunterrichtWir haben jetzt schon seit 2 Tagen Sprachunterricht hier in Matagalpa, der sehr abwechslungsreich ist. Wir nehmen unterschiedliche Themen durch, gestern war es die nicaraguanische Begrüßung (wer küßt wann wen) und nicaraguanische Volkslieder. Heute war es der nicaraguanische Machismus und traditionelles Rollenverständnis, Gewalt in der Familie und Straßenkinder. Mein Spanisch muss besser werden. Was ich alles so falsch mache, merke ich jetzt. Na ja, man hat mich bisher meistens verstanden.

Als Hausaufgaben mußte ich heute schreiben, was ich alles anders machen würde, würde ich mein Leben noch einmal von Anfang anfangen. Interessante Frage. Außer schneller aus meinen Fehlern lernen, würde ich nicht zu viel anders machen wollen (ein paar Sachen gibt es da natürlich schon). Eine Sache würde ich jedenfalls wieder so machen: Andreas heiraten.

Nachmittags gibt es dann Kulturprogramm. Gestern waren wir mit einem Führer auf einem großen Friedhof. Das war spannend (und bunt).

Andrea habe ich heute angerufen um zu hören wie es ihr und Pedro geht. Lianne hat darauf bestanden, dass sie abschalten muss und eine Pause nehmen muss. So ist sie in unser Haus in Managua gefahren um dort zu lesen und die Nacht zu verbringen. Aber gerade als sie ankam, fiel der Strom aus. Ich habe ihr erklärt, wo sie Kerzen findet, aber ohne Ventilator wird das eine heiße Nacht.

Pedro geht es nicht so gut. Er fiebert immer wieder. Die Wunde kann nicht zugenäht werden, weil sie zu groß ist, sagt der Arzt. Nachdem Andrea sehr penetrant war, hat der Arzt ihr endlich ein bisschen mehr erklärt. Das Krankenhaus hat bis auf trockene Gaze kein anderes Verbandsmaterial auch nicht für die Verbrennungsstation. Die Schubladen sind leer. Er hat ihr ein paar Gazestücke in Vaselin getränkt und sterilisiert, so dass es beim Verbandswechsel nicht mehr so klebt. Auch wenn die Krankenhäuser es sich nicht leisten können, wird es vielleicht möglich sein, Material in einer guten Apotheke zu bekommen. Wir werden uns erkundigen müssen.

Für 60 Dollar konnte Andrea ein kleines Stück Silikon kaufen um die Maske für Pedro bequemer zu machen, aber es fällt immer ab.

Pedro ist ja nicht unser einziges Sorgenkind. Ein Baby muss bald am offenen Herzen operiert werden und ein 7-jähriger am Rücken. Ich will es mir garnicht vorstellen….

Frust und Spannung

Gestern haben Andrea, die Medizinstudentin und ich versucht Pedros Verband zu wechseln. Die Ärzte haben gesagt, wir könnten das jetzt selber machen und er bräuchte beim Verbandswechsel keine Anästhesie mehr. Er hätte keine Schmerzen.

Es war furchtbar. Die Stellen an der die transplantierte Haut sein soll, sieht aus wie rohes offenes Fleisch also quasi die ganze Handrückseite. Pedro schrie und ist mehrfach vor Schmerzen ohnmächtig geworden.

Die Medizinstudentin hat seit heute Morgen einen Magen-Darm-Infekt, was nicht ungewöhnlich ist für jemand der erst  seit 4 Tagen im Land ist. Sie schiebt es auf den Kontakt mit Pedro und meint Bakterien seiner Wunde hätten sie infiziert. Sie will ihn nie mehr anrühren. Was soll ich dazu sagen.

Die arme Andrea liebt den Kleinen so sehr und hat keine medizinischen Vorkenntnisse und ich bin ab morgen in der Sprachschule in Matagalpa. Sie wird keinen Verbandswechsel alleine machen können. So haben wir eine amerikanische Krankenschwester aus der amerikanischen Gemeinde angesprochen ob sie helfen könnte. Sie hat viel Erfahrung durch ihre Arbeit auf einer chirurgischen Station.

Obwohl Pedro erst 1½ Jahre alt ist, ist er so tapfer. Als wir den Verbandswechsel heute versuchten, hat er die Lippen fest zusammengedrückt und kein Mucks gesagt bis wir uns daran machten die Gaze von der Wunde lösen zu wollen. Es ging nicht ab und blutete und Pedro schrie und wurde kaltschweißig. Wir riefen im Krankenhaus an, ob wir mit ihm kommen könnten. Sie sagten nein, wir sollten die Hand in Wasser einweichen. Es blutete aber so stark, dass wir einen Druckverband anlegten und doch ins Krankenhaus fuhren.

Die Schwestern lachten uns aus, als wir sagten es würde bluten. Unsere Frage, ob denn Wasser so das richtige ist für eine offene Wunde (wir trinken es ja auch nicht), sagten sie wir hätten Chlor ins Wasser geben sollen.

Als sie aber dann selber die offene Wunde und die starke Blutung sahen, meinten sie, das Gefäß müsse koaguliert werden und die Wunde mit Stichen zugenäht werden. Aber heute sei ja kein Arzt da, weil es Sonntag ist, morgen eben. Und schreien würde er nicht vor Schmerzen sondern wegen der Hitze. Pedro schreit wegen fast keiner Unannehmlichkeit. Er ist hart im Nehmen. Sie legten einen Druckverband an. Trotz Bitten sie sollten einen Arzt holen lehnten sie ab. Sie wollen die Wunde 20 Stunden lang offen lassen und dann erst zunähen?

Ich bin so sprachlos, wie man merkt…. Wären wir in Afrika im Busch würde ich sagen, so ist das eben in der Wildnis. Aber in einem der besten Krankenhäuser Managuas? Es macht mich wütend.

Wir haben für Pedro gebetet, dass Gott ihn heilt und seine Haut so nachwachsen lässt, dass die Ärzte staunen und sich erkundigen bei wem er in Behandlung war, also für ein Wunder gebetet. Jesus kann sowieso besser heilen als der beste Arzt in einer modernen Klinik.

Am Nachmittag sind wir dann nach Matagalpa im Norden Nicaraguas gefahren und noch im hellen bei unserer Gastfamilie angekommen. Die Großfamilie ist für deutsche Verhältnisse sehr arm, aber für Nicaragua nicht so sehr. Wir haben das Zimmer des 22-jährigen Sohnes bekommen, klein und ziemlich vollgestopft, aber irgendwo auf ein paar Kisten haben wir unseren Koffer balanciert. Toilette und Dusche auf dem Flur sind jeweils nur mit einem kurzen Vorhang zugehängt wie das hier üblich ist. Das Duschwasser war so kalt, dass ich danach eine Weile mein Gehirn wieder auftauen lassen musste, bis ich wieder denken konnte.

Die Hausmutter ist sehr bemüht uns mit leckerem Nicaraguanischen Essen glücklich zu machen und uns Spanisch beizubringen. Wir freuen uns auf die Erfahrungen der kommenden Wochen! Das Bild zeigt die Strasse in der unsere neue Unterkunft liegt.

Pedro im Krankenhaus

Unser kleiner schwer verbrannter Pedro, muss nach seiner ersten Hauttransplantation alle 2 Tage zum Verbandswechsel ins Krankenhaus. Der wird unter Narkose gemacht. Andrea kümmert sich rührend um ihn Tag und Nacht. Da sie das auf Dauer nicht leisten kann, sind wir sehr dankbar dass eine Medizinstudentin gestern als Praktikantin aus den USA gekommen ist und uns 3 Monate unterstützen wird. Das Heim hat ja noch viele weitere Kinder, die besondere Förderung brauchen.

Am Montag haben sie Andrea im Krankenhaus erklärt, dass Pedro über Nacht stationär bleiben muss, da er eine Entzündung hatte. Sie blieb bei ihm, durfte sich aber weder hinlegen noch was zu essen oder trinken mit rein nehmen. Sie hat um Wasser gebeten, aber sie haben ihr einfach erklärt sie hätten keins. Es ist ja nicht immer ganz ohne Risiko hier das Leitungswasser zu trinken.

Auch Pedro durfte nicht trinken, da er sonst seinen Appetit verlieren könnte, sagten die Schwestern. Also hat er vor Durst geschrien (nach 18 Stunden ohne Trinken) und beim Fütterungsversuch um sich geschlagen. Er wollte eben trinken. Uns wäre es egal gewesen, wenn er nicht gegessen hätte. Er war ja krank und hatte eine Halsentzündung. 

Aber wer sind Andrea und ich, dass wir es besser wissen sollten?

Heute hat er eine durchsichtige, starre Kunststoffmaske bekommen, die nicht individuell für sein Gesicht gemacht wurde. Es wurde eine rausgesucht, die so etwas passt, die wir ihm so feste anschnallen sollen, dass die geschädigte Haut darunter weiß ist, also blutleer. Der Druck soll die Hautbildung fördern und weitere Narbenbildung verhindern und ohne Unterbrechung immer getragen werden. Sie sitzt aber an mindestens einer Stelle schlecht, so dass er schon nach 2 Stunden rote Druckflecken hatte.

Trotz dem Risiko, dass Andrea beim nächsten Termin im Krankenhaus in 3 Tagen fertig gemacht wird, weil sie ihm die Maske nicht angeschnallt hat und meint alles besser zu wissen, habe ich ihr geraten ihm die Maske nicht aufzusetzen. Sie muss besser angepasst werden.

Sie hat schon genug heftige Beschimpfungen hinter sich. Zum Beispiel, weil sie ihr Mobiltelfon zum Verbandswechsel mitgenommen hat, es sei „kontaminiert“. Aber Pedro auf demselben Laken die Windeln zu wechseln wo danach frisch Verbrannte verbunden wurden geht uns nicht in den Kopf!
Nach unserem Verständnis ist das dann „kontaminierter“ als ein Mobiltelefon.