Gestern haben Andrea, die Medizinstudentin und ich versucht Pedros Verband zu wechseln. Die Ärzte haben gesagt, wir könnten das jetzt selber machen und er bräuchte beim Verbandswechsel keine Anästhesie mehr. Er hätte keine Schmerzen.
Es war furchtbar. Die Stellen an der die transplantierte Haut sein soll, sieht aus wie rohes offenes Fleisch also quasi die ganze Handrückseite. Pedro schrie und ist mehrfach vor Schmerzen ohnmächtig geworden.
Die Medizinstudentin hat seit heute Morgen einen Magen-Darm-Infekt, was nicht ungewöhnlich ist für jemand der erst seit 4 Tagen im Land ist. Sie schiebt es auf den Kontakt mit Pedro und meint Bakterien seiner Wunde hätten sie infiziert. Sie will ihn nie mehr anrühren. Was soll ich dazu sagen.
Die arme Andrea liebt den Kleinen so sehr und hat keine medizinischen Vorkenntnisse und ich bin ab morgen in der Sprachschule in Matagalpa. Sie wird keinen Verbandswechsel alleine machen können. So haben wir eine amerikanische Krankenschwester aus der amerikanischen Gemeinde angesprochen ob sie helfen könnte. Sie hat viel Erfahrung durch ihre Arbeit auf einer chirurgischen Station.
Obwohl Pedro erst 1½ Jahre alt ist, ist er so tapfer. Als wir den Verbandswechsel heute versuchten, hat er die Lippen fest zusammengedrückt und kein Mucks gesagt bis wir uns daran machten die Gaze von der Wunde lösen zu wollen. Es ging nicht ab und blutete und Pedro schrie und wurde kaltschweißig. Wir riefen im Krankenhaus an, ob wir mit ihm kommen könnten. Sie sagten nein, wir sollten die Hand in Wasser einweichen. Es blutete aber so stark, dass wir einen Druckverband anlegten und doch ins Krankenhaus fuhren.
Die Schwestern lachten uns aus, als wir sagten es würde bluten. Unsere Frage, ob denn Wasser so das richtige ist für eine offene Wunde (wir trinken es ja auch nicht), sagten sie wir hätten Chlor ins Wasser geben sollen.
Als sie aber dann selber die offene Wunde und die starke Blutung sahen, meinten sie, das Gefäß müsse koaguliert werden und die Wunde mit Stichen zugenäht werden. Aber heute sei ja kein Arzt da, weil es Sonntag ist, morgen eben. Und schreien würde er nicht vor Schmerzen sondern wegen der Hitze. Pedro schreit wegen fast keiner Unannehmlichkeit. Er ist hart im Nehmen. Sie legten einen Druckverband an. Trotz Bitten sie sollten einen Arzt holen lehnten sie ab. Sie wollen die Wunde 20 Stunden lang offen lassen und dann erst zunähen?
Ich bin so sprachlos, wie man merkt…. Wären wir in
Afrika im Busch würde ich sagen, so ist das eben in der Wildnis. Aber in einem der besten Krankenhäuser Managuas? Es macht mich wütend.
Wir haben für Pedro gebetet, dass Gott ihn heilt und seine Haut so nachwachsen lässt, dass die Ärzte staunen und sich erkundigen bei wem er in Behandlung war, also für ein Wunder gebetet. Jesus kann sowieso besser heilen als der beste Arzt in einer modernen Klinik.
Am Nachmittag sind wir dann nach Matagalpa im Norden Nicaraguas gefahren und noch im hellen bei unserer Gastfamilie angekommen. Die Großfamilie ist für deutsche Verhältnisse sehr arm, aber für Nicaragua nicht so sehr.
Wir haben das Zimmer des 22-jährigen Sohnes bekommen, klein und ziemlich vollgestopft, aber irgendwo auf ein paar Kisten haben wir unseren Koffer balanciert. Toilette und Dusche auf dem Flur sind jeweils nur mit einem kurzen Vorhang zugehängt wie das hier üblich ist. Das Duschwasser war so kalt, dass ich danach eine Weile mein Gehirn wieder auftauen lassen musste, bis ich wieder denken konnte.
Die Hausmutter ist sehr bemüht uns mit leckerem Nicaraguanischen Essen glücklich zu machen und uns Spanisch beizubringen. Wir freuen uns auf die Erfahrungen der kommenden Wochen! Das Bild zeigt die Strasse in der unsere neue Unterkunft liegt.