Elternbesuche

Heute gab es zwei Elternbesuche im Kinderheim. Der Vater des kleinen Pedro hat eine Weile gebraucht bis er alle Dokumente zusammenhatte um vom Familienministerium die Erlaubnis zum Besuch zu erhalten. Dann hat es sich auf die umständliche Reise gemacht und hat mit diversen Bussen 5 Stunden gebraucht bis er bei uns war. Nach 1/2 Stunde mußter er wieder abreisen um die Busse nach Hause zu erwischen. Pedro hat sich sehr über ihn gefreut.

Während Pedros Vater sehr zart mit ihm umging, waren die Eltern von einem Geschwisterpärchen auch zum ersten mal da und haben die 1 1/2-Jährige ständig geärgert und so getan als wollten sie gehen um sie zum weinen zu bringen. Tschüß, wir gehen jetzt, sagten sie immer und wenn die Kleine weinte, haben sie gesagt es wäre nur Spaß, und blieben. Dann haben sie sie wiederholt gefragt, ob sie mit ihnen nach Hause gehen will oder lieber bei diesen „Gringos“ bleiben will. Gringos ist hier ein nicht so positiv besetzter Begriff für Amerikaner. Als hätte die Kleine eine Wahl. Die Mutter ist nur 19 Jahre alt und ich glaube, sie wissen nicht was sie so anrichten.

Als der Vater dann mit ihr spielte und sie sehr heftig in der Luft herumschmiss waren wir nicht mehr sicher ob er ihr nicht was antun wollte. So musste wir sie wegschicken und werden uns leider beim Familienministerium gegen ein weiteres Besuchsrecht der Eltern aussprechen müssen.  

Krankenhäuser

Heute waren wir mit einem amerikanischen Gynäkologen Dr. Stefans (Name geändert) in 2 Frauenkrankenhäusern in der Nähe unseres Hauses. Ich habe für ihn übersetzt. Er ist Dozent und Gynäkologe in einem akademischen Krankenhaus für Gynäkologie und Geburtshilfe in North Carolina und wollte sehen, ob er irgendwie in der Zukunft helfen kann.

Es war wie ich es erwartet habe, aber trotzdem traurig zu sehen. Im ersten Krankenhaus warteten viele Frauen (vielleicht 100), fast alle mit kleinen Kindern auf dem Schoß oder an der Brust, geduldig auf Behandlung. Man hat uns die Behandlungszimmer gezeigt, die fast alle zwar sehr arm, aber sauber waren, aber leider auch nicht besetzt waren. Ob es an Mangel an Personal lag? Ich weiß es nicht.

Die Chefärztin erklärte uns, dass die Ärzte sich Fortbildung wünschten (in Ultraschall, Operationstechniken, Laparoskopie), sich das aber meistens nicht leisten können, da sie dazu oft ins Ausland müssten. Man muss wissen, dass ein Arzt im Krankenhaus nur ca. 200 Dollar verdient. Die Ärzte arbeiten deshalb in der Klinik nur bis 13 Uhr täglich und haben dann noch ihre private Praxis Nachmittags. Oft streiken die Ärzte hier auch monatelang.

Es fehlte in den Krankenhäusern an allem. Das, was sie dann hatten, war oft aus dem Ausland gespendet. In der einen Klinken waren 10 Frauen, die heute einen Kaiserschnitt bekommen sollten. Es waren zwar genug Ärzte und genug OP-Räume vorhanden, aber nur 3 sterilisierte Instrumentensets zur Verfügung, da der 34 Jahre alte Sterilisator mal wieder kaputt war.

Dr. Stefans bot an, mit einem Kollegenteam irgendwann einmal 1- 2 Wochen zu kommen und in dem Bereich zu helfen, in dem sie es am nötigsten brauchten oder es wünschen. Die Chefärztinnen waren jeweils sehr offen und dankbar für das Angebot. Er wird sich jetzt um Spenden bemühen, so dass sie gebrauchte Ultraschallgeräte, Koloskope und Laparatomieausrüstung kaufen können und mit einem Team wiederkommen, die die nicaraguanischen Ärzte in dem Gebrauch dieser Instrumente unterrichten.

Außerdem können sie nachmittags operieren, da die OP Säale dann nicht gebraucht werden (da die Ärzte nur bis 13 Uhr in der Klink sind).

Zwischen den Klinikbesuchen haben wir Mark, ein Missionar des Kinderheimes, in eine arme Wohngegend der Stadt begleitet, wo er mit einem Team von Helfern ca. 100 Kinder gespeist hat. Sie bekamen alle mit Gemüse und Huhn gemischten Reis.

Andreas und ich hatten Spaß mit den Kindern. Sie haben sich oft zu uns gesetzt und haben uns ausgefragt.

Unser Vermieter

Heute war unser Vermieter da um die letzten Gitter an Fenster und Türen anzubringen. Das hatten wir als Teil des Mietvertrages vereinbart, da es hier kaum ein Haus ohne Gitterschutz gibt. Die Türen und Fenster lassen sich sehr einfach eindrücken und stellen keinen echten Schutz dar. Selbst die Armen, die es sich leisten können, vergittern ihre Häuschen. Wie ich von einer Einheimischen hörte, klauen sie sich manchmal gegenseitig den Reis aus der Hütte.

Unser Vermieter, David ist sehr nett. Als er heute kam hat er uns beglückwünscht. Unser Papayabäumchen hätte eine Frucht getragen. Das Bäumchen, das ich letzte Woche gepflanzt habe ist aber erst 10 cm groß. Die Gärtnerin hatte mit zwar gesagt, dass die Pflanze in ca. 8 Monaten erste Früchte trägt, aber nach 10 Tagen schon?

David hatte eine große Frucht besorgt und daneben gelegt. So groß und noch größer sollen unsere Früchte auch werden.

Jetzt fehlen uns noch Bananenbäumchen. Die bekomme ich hier in der Gegend irgendwie nicht. Platanen, die großen nicht süßen Kochbananen, sind als Bäumchen erhältlich, aber keine Bananen. Vielleicht weil sie so zahlreich überall wachsen, dass man sich eher von jemanden einen Ableger holt? Vielleicht ist es so wie wenn ich in Deutschland versuche eine gemeine Birke zu kaufen. Ich weiß es aber (noch) nicht.

Was glaubt man wem?

Während man in Deutschland davon ausgehen kann, dass, wenn jemand am Freitag um 15 Uhr kommen will, er auch dann etwa an dem Tag und um diese Uhrzeit kommt, haben wir hier gelernt am Tag vorher, also Donnerstag anzurufen und zu fragen, ob es dabei bleibt. Dann kann man auch davon ausgehen, dass der andere irgendwann mal am Freitag kommt. Wenn man nicht anruft, kommt er oft nicht.

Während wir in Deutschland davon ausgingen, dass wenn jemand sagt, dass er etwas kann, er es auch wirklich in etwa kann, heißt das hier noch lange nichts.

Der Elektriker kam heute mit seinem Gehilfen um uns Strom ins Badezimmer zu legen. Er hat ausgemessen wie viel Kabel wir brauchen um dann mit Andreas in den Fachhandel zu fahren und das Material zu kaufen, da er kein Auto hat. Die Wände, die Andreas nachgemessen hat, waren vom Elektriker falsch ausgemessen und die hat er korrigiert. Leider hat Andreas eine Wand nicht kontrolliert. Nun ist das Kabel 2 m zu kurz!

Den Wanddurchbruch wollte der Elektriker dann mit Hammer und Meißel machen. Andreas fragte ihn, ob er mit unserem Schlagbohrer umgehen könnte und er sagte, klar, kann er das. Nach kurzer Zeit war die Bohrmaschine kaputt und das Loch so schief, dass es auf der anderen Seite nicht raus kam. Sie haben dann kurzerhand den Steinbohrer in unseren Akku-Schrauber eingespannt und so versucht das nächste Loch zu bohren. Wie gut, dass wir es rechtzeitig merkten.

Jetzt müssen wir eine neue Bohrmaschine besorgen. Das Bad können wir auch neu streichen, … siehe Bild. Wir hätten bei den Arbeiten daneben stehen müssen.

Als ich vor 4 Wochen einen kleinen Staubsauger kaufte, versicherte man mir in dem Geschäft, dass sie bald Ersatzbeutel rein bekämen und man die in einem bestimmten Laden auch jetzt schon kaufen könnte. Die Beutel sind bis jetzt nicht reingekommen (werden es auch nicht) und der Laden, der angeblich welche führen soll, führt keine. Wir sind von einem Laden zum anderen gefahren und haben festgestellt, dass Staubsaugerbeutel anscheinend nirgendwo zu kriegen sind. Man hat eben eine Hausangestellte, die fegt und moppt und die Teppiche ausklopft. So werde ich jetzt einen neuen Staubsauger kaufen in einem amerikanischen Geschäft und gleichzeitig 10 Packungen Ersatzbeutel dazu, für alle Fälle!!

Es ist irgendwie traurig lernen zu müssen, dass man hier alles kontrollieren muss, am besten daneben stehen muss. Auch im Kinderheim müssen ständig Reparaturarbeiten gemacht werden und so einfach „jemand kommen lassen“ ist nicht möglich. Einer von uns Missionaren muss dabeibleiben. Wir müssen mit der Zeit lernen wem und was man glauben kann in diesem Land und wem und was nicht.

Natürlich habe ich Verständnis für die Leute, die einfach nicht die Möglichkeit hatten gute Ausbildungen zu machen oder Erfahrungen mit Elektrogeräten zu sammeln. Woher sollen sie es dann können?

Aber die Selbstüberschätzung und die Preisgestaltung (wir müssen als Ausländer oft mehr bezahlen, obwohl die Leistung nicht besser ist und wir unsere eigenen Werkzeuge zur Verfügung stellen) ist gewöhnungsbedürftig.

Auf dem Gemüsemarkt

Heute waren Andrea und ich mit unserer Hauptköchin des Kinderheimes Los Cedros auf dem Gemüsemarkt. Wir haben alle unnötigen Wertsachen abgelegt und uns ins Gewühl gestürzt. Normalerweise nehmen wir einen unserer Tennagejungen mit, aber wir dachten, dass 3 Frauen dass schon alleine schaffen. Letztendlich haben wir dann einen Teenager vom Markt engagiert, der für ein paar Cordobas auf dem Pick-Up sass und alles bewachte was wir dort ablegten. Wir hätten es unmöglich alles herumtragen können. 5 Wassermelonen, 10 Ananas, 100 Bananen usw….

Zwar ist alles recht billig hier im Vergleich zu deutschen Preisen, aber billig ist immer relativ zu dem was man zur Verfügung hat. Für 30 Personen stehen uns 50 US Dollar für Obst und Gemüse für eine Woche zur Verfügung. Das ist eine Herausforderung.

Aber ich liebe solche Märkte!

Der kleine Pedro

Gestern wurde uns Pedro, ein kleiner 1½-jährige vom Familienministerium gebracht. Sie haben ihn mit seinen Sachen abgegeben, die bestanden aus einer Babyflasche, die er noch benutzt, Windeln, die aber für ein Neugeborenes waren und ihm nicht passten, einer Tüte voller Lutscher und einer Tüte Zucker. Zucker, meint man hier, brauchen alle Kinder. Die Babys bekommen als Durststiller eine extrem süße Lösung und viele der Kinder, die den ganzen Tag an ihren Flaschen nuckeln, haben angefaulte Zähne. Die Schulkinder nehmen in die Schule Kristallzucker in kleinen Plastikfläschen  mit, den sie sich immer nach Bedarf in Mund schütten. Unsere Heimkinder bekommen stattdessen immer ein Pausenbrot oder Obst mit.

Pedro ist vor 3 Monaten schwerstverbrannt. Ich schätze, dass  ¼ seiner Hautfläche Vebrennungen 2. oder 3. Grades aufweist. Er ist ohne Aufsichtsperson unter einem Mosquitonetz und mit einer Kerze alleine gelassen worden. Die Nachbarn haben seine Schreie gehört.

Jedenfalls wurde uns noch gesagt, dass er einen Termin im Krankenhaus heute hat. Andrea, unsere britische Missionarin und ich sind also um 6:30 Uhr losgefahren und haben uns dann im Krankenhaus gewundert, warum wir so lange warten müssen. Wir haben ihn in der Zeit mit Pfannekuchen gefüttert und uns über seinen Appetit gefreut.

Als wir dann mal nachhakten, wurden uns gesagt, dass er operiert werden sollte. Andrea durfte mit ihm in den OP, hat ihn ausgezogen und sich aller Taschen und Wertsachen entledigt und mir alles in die Hand gedrückt. In einem leeren Raum wurde ihr gesagt, dass sie dort mit ihm 3 Stunden warten muss bis zur OP (wegen den Pfannekuchen) dann 2 Stunden OP und dann noch 2 Stunden im Aufwachraum mit ihm verbringen muss. Ohne ihr Mobiltelefon konnte sie mir das auch nicht mehr mitteilen. Ich habe über Umwege erfahren, dass ich die beiden erst wieder in ca. 7 Stunden sehe.

Die plastische Chirurgie diente zur Hauttransplantation und soll nach weiteren OPs seine linke Hand wieder funktionstüchtig machen. Die ist seit dem Unfall in 90 Grad Überstreckung. Das Verbrennungszentrum machte auf mich einen sehr guten Eindruck und finanziert sich aus einer Stiftung einer der reichsten Frauen Nicaraguas.

Riskant fand ich nur, dass wir ihn nach der OP nach Hause, also ins Kinderheim nehmen mussten, das ca. 30 Kilometer entfernt liegt und damit meine ich nicht 30 Kilometer deutscher Landstraße, sondern mittelamerikanischer… Außerdem gehen die anderen Kleinkinder mit einem Frischoperierten auch nicht so zart um. Er bräuchte jetzt eigentlich seine eigene Pflegeperson. Aber die OP kam etwas überraschend für uns, kann man sagen.

Das arme Kind. Zusätzlich fragt er immer nach seiner Mama. Was für ein Schicksal. Übermorgen ist die nächste Operation.

Der tägliche Kampf auf den Straßen Managuas

Wenn wir uns mit unserem Auto auf die Straßen Managuas heraustrauen (manchmal führt kein Weg drum herum) warten viele Herausforderungen auf uns. Schlimm sind die tiefen SchlaglöcherÜberflutete Straßen, manchmal auch fehlende Gullideckel, die fehlende Fahrspurmarkierung, Überschwemmungen, die vielen Busse und Taxis die ihre Spur nicht einhalten, die Pferdewagen, Straßenverkäufer und die staatlichen „Freunde und Helfer“. Die halten besonders uns mit heller Haut gerne an und drohen uns den Führerschein wegzunehmen, wenn wir nicht „eine andere Lösung“ ($) finden…. Meistens können wir die Vergehen, die wir gemacht haben sollen, nicht nachvollziehen oder auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse nicht verstehen. Meistens läuft es darauf hinaus, wir hätten eine durchgezogene Linie überfahren. Das ist in diesem chaotischen Verkehr leider manchmal der Fall und es gibt nicht immer Alternativen dazu, gerade wenn man Hindernissen ausweichen muss. Auch die Erklärung, dass an der Stelle gar keine Linie ist, hilft nicht. Ja, da ist zwar keine, aber da sollte eine sein, und wenn sie da wäre, hätten wir sie überfahren… o.k. irgendwie leuchtet das ein, irgendwie… 

Für manche der Probleme haben wir also noch keine Antwort, aber für manche schon!

Der Fahrspurwechsel hat uns Kopfschmerzen bereitet. Wir haben immer schön geblinkt und sind in eine Lücke rübergezogen. Und immer wurde uns gehupt! Wie oft haben wir uns gefragt, was daran so falsch sein soll. Jetzt wissen wir es! Man braucht weder nach einer Lücke Ausschau zu halten noch zu blinken, das ist viel zu unpersönlich. Man hängt seinen Arm lässig zum Fenster raus und hebt die Hand mit leichtem hin- und herbewegen, wenn man rüber will. Dann wird man reingelassen. Dann ein lässiges Heben der Hand zeigt das „Dankeschön“ an. Jetzt wissen wir wie man ohne angehupt zu werden auf die linke Spur wechseln kann. Rechts rüber ist uns noch ein Rätsel.

Ja und das Überholen. Das macht man immer nur unter Hupen. Da der andere ja nicht schaut und nicht blinkt und jeder Zeit auch ohne Handzeichen rüberziehen könnte, hupt man eben, damit er schön auf seiner Spur bleibt. Bei jedem Überholen. Immer! Die Erkenntnis war ja schon gut, aber die Umsetzung hat mich gekostet. Nur weil ich jemanden überhole, soll ich ihm Hupen? Es funktioniert aber.  

  

Wieder im Kleiderschrank

Und wieder ein giftiges Insekt in meinem Kleiderschrank: ein südamerikanischer Hundertfüßler, der mit seinen Greifklauen schmerzhaft zubeißen kann und dabei ein Gift injiziert. Die Vergiftungssymptome sollen zwar schlimm, aber nicht unbedingt tödlich sein. Na dann….

Aber warum befinden sich diese Viecher eigentlich immer in meinem Kleiderschrank?

Vor ein paar Tagen schaute sich eine Frau meinen Fubboden an und meinte, wenn ich ihn besser sauber halten würde, kämen nicht so viele Insekten. Das hat mir noch nie jemand gesagt. Noch eine neue Erfahrung.

Mitten im Wirbelsturm Alma

Nasse Wände
Heute war ein schwerer Tag. Die Regenzeit hat dramatisch begonnen und es regnete in den letzten Stunden heftig und ununterbrochen. Als wir aufstanden, entdeckten wir Wasserflecken an der Wand unseres Schlafzimmers. Da der Vermieter sowieso wegen der ganzen defekten Wasserhähne vorbeikommen wollte, blieb Andreas zu Hause während ich einen medizinischen Einsatz mitmachte. Leider kam der Vermieter nicht und rief Nachmittags an, er käme stattdessen Morgen. Manana, das kennen wir ja schon. Also werde ich morgen zu Hause bleiben während Andreas Termine wegen der Angestellten im Kinderheim wahrnimmt, wo ich eigentlich übersetzen sollte für ihn. Hoffentlich kommt der Vermieter dann Morgen. Die Wand kann nicht so lange warten, die Wasserflecken wachsen. Und da es so warm hier ist, schimmelt alles innerhalb von Tagen.

Medizinischer Einsatz
Mit den amerikanischen Ärzten und deren Team fuhr ich dann mit dem alten Schulbus des Kinderheimes nach San Diego an der Pazifischen Küste nordwestlich von Managua. Wie sich rausstellte, war das mitten im Zentrum des ersten Hurrikans dieser Saison, Hurrikan Alma (Stufe 1). Wir hatten keine Nachrichten gehört und die Hurrikanwarnungen nicht mitbekommen. In dem Dorf hatte es auch schon seit 24 Stunden gegossen, so dass das Schulgebäude überflutet war und wir die Patienten in dem Kirchengebäude behandeln mußten. Das war ein ca. 30 qm großer Holzverschlag mit Blechdach und vielen Löchern. Um hinzugelangen mussten wir durch knöcheltiefe Schlammpfützen waten. Jim, (ein Krankenpfleger) und ich suchten uns eine trockene Stelle und stellten unseren Klapptisch und Plastikstühle dort auf. Die Apotheke haben wir ausnahmsweise im Schulbus eingerichtet, weil es so goss. Es wurde dann eng, als die ca. 60 Patienten alle im Kirchengebäude auf Behandlung warteten.
Gegen Mittag traf der Hurrikan die nicaraguanische Pazifikküste, wo wir gerade waren und als das Blechdach in Stücken abgehoben wurde und ein Baum zum Teil auf die Kirche fiel, sind wir aufgesprungen, habe alle Patienten rausgeschoben und nach Hause geschickt, unsere Sachen gepackt und sind in den Bus geflüchtet. Die Apotheke wurde eilig aufgelöst und wir sind losgefahren. Aber leider kamen wir nur 100 m und der erste Baum lag quer. Es wurde eine beschwerliche Reise. Die ersten Bäume haben die Männer mit Mascheten weggehackt, die nachfolgenden Bäume waren so groß, dass das auch nicht mehr ging. Ein Traktor kam vorbei und wir haben ihn engagiert uns die 10 km bis zur nächsten befestigten Hauptstraße frei zu machen. Er räumte weitere 6 Bäumen weg und zog den Bus aus mehreren Schlammlöchern, während wir über die Felder liefen. Das Ausmaß der Schäden, die wir sahen, war erschreckend. Dank sei Gott, dass uns allen fast nichts Ernsthaftes passiert ist. Drei Teammitgliedern sind auf Grund der Windstärke Gegenstände ins Auge geflogen, zwei wurden am Fuß verletzt beim Bäume abhacken. Sie wurden von unseren Ärzten behandelt. Erstaunlich, dass wir überhaupt vor Einbruch der Dunkelheit im Kinderheim Los Cedros ankamen. Wir werden in Zukunft besser auf die Hurrikanwarnungen achten …

 
Container
Als wir im Kinderheim ankamen, waren wir erfreut zu sehen, dass der langersehnte Container mit Reis, Spielsachen, Matratzen und weiteren Hilfsgütern nach viel Drama um den Zoll angekommen war. Der LKW blieb zwar ca. 100 m von unserem Warenhaus im Schlamm stecken, aber mit unseren Geländewagen konnten wir die Sachen herüberfahren. Auch unsere Waschmaschine, die wir in den USA gekauft haben, war im Container. Leider gab es Abends im Dunkeln beim Entladen des Containers noch Stress zwischen einigen Menschen, der mich sehr mitgenommen hat. Ich hätte mich gerne näher informiert und eingesetzt für ihre Anliegen, aber momentan sind wir nicht in der Position, in der wir das machen sollten und wir vertrauen, dass die momentanen Leiter den besten Durchblick haben und gute Entscheidungen treffen.

Waschmaschine

Ja, die Waschmaschine. Wir baten unsere nicaraguanischen Nachbarn uns beim herein tragen der Waschmaschine zu helfen. Sie waren erstaunt über die elektrische Waschmaschine. Es gäbe doch draußen am Haus eine Waschstelle (Betonwaschbecken), wo unsere Waschfrau (wenn wir denn eine hätten) waschen könnte. So eine Waschmaschine würde doch nicht so viel kosten. Ich habe darauf verzichtet ihnen zu erklären, dass ich die Kosten für die Waschfrau in 1-2 Jahren raushätte.

Palmen und Internetkabel

Heute haben wir in der Morgenhitze (die ein wenig weniger ist als die Mittagshitze) unsere ersten beiden kleinen Palmen im Vorgarten gepflanzt. Es hat ein wenig Aufsehen erregt. Die Arbeiter und Gärtner der anderen Häuser haben ihre Arbeiten unterbrochen um uns zuzusehen. Ein Gärtner kostet pro Tag ca. 5 Euro und so sieht man hier so gut wie nie einen Westler selber in seinem Garten schwitzen.

Palme und InternetkabelWir kamen auch nicht weit. Die ersten 10 cm waren leicht auszuheben, danach tat sich nichts mehr. Der Spaten brach fast ab. Steinharte Erde. Der Gärtner von gegenüber rief uns zu: Harte Erde! Ja, meinte ich, harte Erde. Nach einer weiteren halben Stunde kam er vorbei geschlendert und hat sich neben uns gestellt. Wir haben ihn dann gefragt, wie er das machen würde. Ja, mit einer Stange natürlich. Ob er eine habe, wollte ich wissen. Klar, er holt sie. Und so half er uns mit seiner langen, schweren, angespitzen Eisenstange und innerhalb von einer halben Stunde, hatten wir die beiden Palmen in der Erde.

Rechts im Bild sieht man übrigens das Internetkabel, das gestern gelegt wurde. Eine langwierige Geschichte, da die Techniker immer kamen wenn wir nicht zu Hause waren.  Wir haben unzählige Male angerufen und sie gebeten uns vorher wissen zu lassen wann sie kommen. Als wir gestern um 16 Uhr gerade das Haus verlassen wollten, da wir im Kinderheim erwartet wurden, standen sie vor der Tür. Endlich wären wir da, sie hätten am Morgen ja keinen angetroffen. Den Termin im Kinderheim mussten wir dann verschieben, sonst hätten wir noch Wochen lang kein Internet!

Und dann haben wir verwundert festgestellt, dass sie nur durch die Decke ein Loch bohren wollten, da sie es nur manuell machen konnten. Aber wir hätten gerne das Loch in der Wand, neben einer Steckdose. Ja, das wäre gut, meinten sie, aber eine Bohrmaschine besitzen sie nicht. Andreas brachte seine an und fasziniert haben sie sie begutachtet. Irgendwo  in der Wand haben sie angesetzt zu bohren und wir riefen immer: „Moment, da wollen wir es aber nicht!“ Wahrscheinlich fanden sie uns kompliziert. Aber hätten sie da gebohrt wo sie planten, wären sie an einer Säule rausgekommen und der Bohrer hätte nicht gereicht. Also holten wir Zollstock und haben es ausgemessen. Das fanden sie auch hochinteressant. 

Dann haben sie das gelegte Kabel an die oberirdisch neben den Stromleitungen verlaufende Internetkabel angeschlossen und haben uns ohne Konfigurationsdaten zurückgelassen. Dazu kämen dann morgen die anderen Techniker. Als hätten wir morgen nicht schon was geplant. Wir sind also heute brav zu Hause geblieben, haben Palmen gepflanzt und sie kamen tatsächlich heute!! Wir haben eine stabile Internetverbindung! Wenn wir Strom haben…