Der Zustand der alten Straße nach Leon (einen anderen Namen hat die Straße, die zum Kinderheim führt nicht) verschlechtert sich von Tag zu Tag. Am Ende der Trockenzeit waren die Schlaglöcher alle geflickt worden, aber mit den Beginn des Regens hat sich wieder eins nach dem anderen aufgetan. Und von Tag zu Tag werden sie tiefer. Hin und wieder liegen Autos mit einem Achsenbruch am Wegesrand. Letzte Woche ist unser Nachbar in das auf dem Photo gefahren und es verwundert uns, dass sein Auto nur einen platten Reifen hatte. Das Bild haben wir heute gemacht, am zweiten Tag an dem die Sonne mal schien, nach 23 Tagen ununterbrochenen Regens.
Als ich zum Kinderheim fuhr, kam mir die Fahrt wie ein Computerspiel vor (obwohl ich so gut wie nie am Computer spiele). Permanent Schlaglöchern, Menschen, Pferden, Kühen, Bussen ausweichen. Das Slalom fahren um die Schlaglöcher herum, wirkte schon fast irreal auf mich. Wie am Monitor sitzen und Hindernisse umfahren. Sieben Leben habe ich, dachte ich mir. Wenn das Auto sieben mal einen Achsenbruch oder so was hatte, ist es ganz futsch. Dann ist das Spiel mit diesem Auto zu Ende gespielt.
Aber jetzt mal wieder Ernst, die Straße ist so schlecht, man fragt sich immer, ob in manchen Ländern der Welt Gott mehr Schutzengel pro Person und Auto einsetzt. Jedenfalls beten wir täglich um Schutz und das Gott uns vor Unfällen bewahrt.
Als ich letzte Woche eines Morgens zum Fenster rausschaute, stand Andreas stand mitten auf unserer kleinen Straße mit den Händen in die Hüfte gestemmt und schaute besorgt. Ich dachte mir, dass ich gleich mal nachschauen muss, was da los ist (kämpfende Hunde, streitende Kinder, randalierende Teenager?). Als ich das so dachte und meinen Besen wegbrachte, hörte ich einen Knall und Andreas aufschreien.
Ich rannte raus und da stand ein schöner weißer Mittelklassewagen mit seiner hintern Stoßstange an unserer hinteren Stoßstange. Die Fahrerin stieg aus, schüttelte uns die Hand, sagte „Mucho gusto“ (= „Angenehm Sie kennenzulernen“) und entschuldigte sich für das „Drauf fahren“. Sie habe den kämpfenden Hunden zugesehen und nicht zurück geschaut beim Rückwärtsfahren. Das hatte Andreas beobachtet. Nachdem sie mehrmals versucht hatte zu wenden und es ihr nicht gelang, ist sie 15 Meter schnurstracks rückwärts gefahren.
Andreas und ich schauten uns unsere Auto an und da es ja recht robust ist, hatte es keinen Schaden. Wir waren erleichtert und Andreas sagte ihr, es sei in Ordnung. Nein, sagte sie, für Euch vielleicht, aber nicht für mich! Leider war ihre schöne weiße Stoßstange ziemlich verbeult. Ja, sie hat recht. Sie tat uns leid.
Da sie unsere übernächste Nachbarin ist, vereinbarten wir zum weiteren Kennenlernen einen netteren Anlass zu suchen.