Archiv des Autors: Marion

Ich welke..

Inzwischen haben wir seit 48 Stunden kein fließendes Wasser mehr.

Andreas musste heute ins Kinderheim um dort die Übergabe von gespendeten, medizinischen ophtalmologischen Geräten an Vertreter des Gesundheitsministeriums durchzuführen und zu dokumentieren. Er hat dann dort geduscht.

Ich mußte zu Hause bleiben, weil bei dem Versuch den tropfenden Wasserhahn im Bad zu reparieren der Handwerker versehentlich die Wand zum Wohnzimmer durchgebrochen hat. Die sollte dann heute neu verputzt und gestrichen werden. Zusätzlich zu dem schon gestern beschriebenen Herausforderungen ohne Wasser kam also noch das Verputzen der Wand..

Ich bat Andrea, die mit Pedro heute Morgen sowieso ins Krankenhaus in Managua fahren musste, mir Wasser vorbeizubringen. Die zwei Eimer waren so hilfreich. Geschirrspülen, „Duschen“ und mit dem gebrauchten Wasser dann Toilette spülen.

Ich habe alle Eimer und Wannen, die ich besitze in den Garten gestellt, aber leider hat es trotz Regenzeit nicht mehr als ein paar Tropfen geregnet.

Die Wasserwerk-Hotline sagte mir zwar, dass das Wasser heute Nacht wieder angestellt wird, aber man weiß es nie so richtig. Als ich die Telefonnummer der Hotline suchte, habe ich die letzte Wasserrechnung rausgekramt. Darauf stand groß: „Ohne Wasser gibt es kein Leben.“ Ja, ich welke so langsam…

Traktor

Mit Hilfe eines Traktormechanikers haben wir den alten Traktor wieder in Gang gebracht, so dass einige Arbeiten auf dem Land des Kinderheimes erledigt werden können. Als es darum ging, den Traktor samt sehr langem Anhänger in den Schuppen rückwärts einzuparken, bot sich Andreas an. Dank seines Traktortrainings und Anhängererfahrung bog er in einem eleganten Schwung in den Schuppen und stand perfekt ohne weiteres Rangieren. Alle männlichen Angestellten, die dabei standen, staunten was „Doctore“ (wie sie ihn manchmal nennen) kann.

Bisher haben wir uns mehr auf das Orangisieren und Verwalten konzentriert, aber wir freuen uns darauf, auch mal „praktisch“ zu werden.

Wasser

Jetzt haben wir schon seit 24 Stunden kein Leitungswasser mehr. Die Dame an der Wasserwerk-Hotline erklärte mir, dass eine Leitung defekt sei und heute Nacht repariert werden soll. Wann wir wieder Wasser haben werden ist unklar.

Mein Körper klebt von Sonnenschutzmilch, Fenistil-Gel (auf den Mosquitostichen), Insektenrepellent und Schweiß vom Arbeiten bei 35° C den ganzen Tag.

Das Geschirr türmt sich in der Küche und lockt Insekten an und die Toilette, die sowieso schon so super leicht verstopft, will ich nicht beschreiben.  

Da wir in der letzten Zeit immer nur Nachts kein Wasser hatten, haben wir keinen größeren Wasservorrat mehr angelegt. Wie dumm. Das ist aber auch nicht ganz so einfach, wie es klingt, weil sich in dem Wasser schnell mal was tummelt. Die 15 Liter, die ich in einem Eimer vorrätig hatte, habe ich zum größten Teil zum „Duschen“ heute Morgen verwendet, als ich vom Joggen zurückkam. Joggen in dem Tropen, ist am Morgen eben immer noch tropisch. Nicht heiß, aber sehr warm. Sehr schweißtreibend. Ich nahm an, dass wir, wie immer morgens, irgendwann wieder Wasser haben würden. Und so opferte ich das Wasser aus dem Eimer. 

Im Kinderheim fiel das Wasser auch für 5 Stunden aus, aber Andreas hat dort Duschen können.

Aber jetzt zum Positiven: Wir haben in den letzten 24 Stunden ganze 23 Stunden lang Strom gehabt! 

Polizisten

Als wir gestern auf dem Weg zum Kinderheim waren, stand ein Polizist auf der Landstraße und schien das Auto vor uns anhalten zu wollen. Der Fahrer wurde ganz langsam, aber als der Polizist uns beide in unserem Auto sah, ließ er das Auto fahren und hielt uns an. Er wollte unsere Papiere sehen. Die waren in Ordnung und angeschnallt waren wir auch. Das hätte sonst 25 Dollar kosten können. Viel für dieses Land eigentlich.

So nahm er seinen Bußgeldkatalog und sagte, dass er uns jetzt bestrafen müsse. Wir waren uns keiner Schuld bewußt. Wir waren uns wohl bewußt, dass wir keinen Nicaraguaner im Auto sitzen hatten, wie das Auto vor uns. 

Auf die Frage wofür er uns bestrafen wolle, blätterte er eine Weile im Bußgeldkatalog und sagte dann, wir hätten die vorgeschriebenen 30m Abstand nicht eingehalten, die für Landstraßen gelten. Klar, sagten wir, weil er selber das Auto vor uns fast angehalten hat, es so langsam fuhr und man bei 20 km/h keine 30m mehr einhalten müsse. Doch, doch, immer auf Landstraßen. Das müßte man immer einhalten, sagte er. Daraufhin haben wir einfach gesagt, wir hätten die eingehalten.

Ja sagte er, schaun Sie mal, das ist aber mein Job. Mein Job ist es, Strafzettel zu verteilen. Dem habe ich zugestimmt, es aber mit der Erklärung ergänzt, dass er die Strafen bei Vergehen auferlegen muss, damit die Autofahrer sich zukünftig besser an die Gesetze halten.

Er schaute mich etwas verwirrt an. Dieser Zusammenhang könnte neu für ihn gewesen sein.

Er erklärte uns noch eimal, dass sein Job das Verteilen von Strafzettel sei und da wir trotzdem nicht zahlen wollten, weil wir auf den Zusammenhang zwischen Vergehen und Strafe bestanden, hat er uns schließlich weiterfahren lassen. Ohne Strafe.

Als wir vor ein paar Tagen einen Polizisten mitnahmen, der als Anhalter an der Straße stand, setzte dieser sich auf den Beifahrersitz. Nach einer Weile fragte er etwas irritiert, was denn das blinkende rote Zeichen einer nicht angeschnallten Person zu bedeuten hätte. Wir erklärten ihm, dass es bedeute, der Beifahrer sei nicht angeschnallt. Er fand es toll, wie das Auto das wußte, hat sich aber trotzdem nicht angeschnallt.

Heute der Polizist, der uns anhielt hat unsere Papiere kontrolliert und da alles in Ordnung war, hat er uns weiterfahren lassen. Das war der erste Polizist, der uns nicht irgendetwas zu Last legen wollte. Toll. Ich glaube, unser Spanisch ist besser geworden.

Kompost, Hühner und Bakterien

Heute haben Andreas und ich unsere diversen Verantwortungsbereiche übernommen und Angesichts der Fülle der Verantwortung war ich ein wenig besorgt die letzten Tage. Unsere Angestellten sind alles einfache, ungelernte Kräfte aus dem Dorf hier. Unsere westlichen Vorstellungen von Gesundheit, Hygiene, Erziehung, Ehe, Landwirtschaft, Ernährung und unsere Werte sind oft krass unterschiedlich.

Sogenannter KompostAber da ich sowieso erst einmal alles richtig verstehen muss, bevor ich was ändere und dann nicht alle Veränderungen auf einmal angehen kann, habe ich mir in jedem Bereich erst einmal nur eine Umstellung vorgenommen. Wer hätte es gedacht, dass ich als erste „Amtshandlung“ im Bereich der Landwirtschaft den Kompost neu organisiert habe. Ich habe die Köchin, die Gärtner und Teenager, die bei der Gartenarbeit helfen, zusammengeholt und mir ihren Kompost erklären und zeigen lassen.

Es war ein großes Loch hinten im Feld in der prallen Sonne in dem Gemüse- und Obstschalen, gekochte Speisereste, und massenhaft Plastik und Metall reingekippt wurden, seit Monaten. Seitdem sie einen Kompost anlegen sollten, aber nicht wussten wie.

Neuer KompostSo habe ich ihnen das Prinzip des Komposts erklärt und sie gebeten den Plastik und Metallmüll rauszusammeln. Dann wird der Erdaushub wieder drüber geschaufelt und ein neuer Kompost angelegt. Wir haben uns ein schattiges Plätzchen ausgesucht.

Jetzt muss ich aber mal dringend den Kompostwurmbauern aufsuchen und Würmer besorgen. Einer der Männer meinte, man könne, wenn man genug von den Kompostwürmer hätte, sie raussammeln, aushungern lassen, braten und essen. Ich bin ja bereit viel auszuprobieren, aber das spar‘ ich mir, glaube ich.

Es ist gar nicht so einfach, wenn man keine Müllabfuhr hat. Alle paar Wochen lädt einer von uns den ganzen Müll auf seinen Pick-Up und fährt ihn zur Mülldeponie. Solange wird es in Säcken draußen gelagert. Das Loch hatte den Vorteil, dass sich die Ratten und die Hunde frei bedienen konnten, während wenn sie die Säcke aufreißen mehr Sauerei anstellen. Was machen wir also mit den Essensresten von den Tellern? Die Schweinezucht hat uns letztes Jahr zu viele Fliegen beschert. Bei so vielen Babys ist das nicht gerade das Gesündeste.

Wir haben uns jetzt entschieden Hühner auszuprobieren. Die Vorschläge waren abenteuerlich, und da ich keine Ahnung von Hühnern habe, habe ich erst einmal dem Kauf von 10 Hühnern und 10 Küken zugestimmt. Es ist ja nicht so, dass man in diesem Land nicht alles von jemandem lernen kann. Aber das erfordert Zeit. Wir werden uns in den nächsten Wochen mal auf „Besuchstour“ begeben.

Aber die Hühner und der Kompost sind nicht das eigentliche Problem. Ich muss jetzt allen irgendwie kulturangepasst unsere Hygieneregeln noch einmal beibringen. Das z.B. jeder sich die Hände mit Seife vor jeder Mahlzeit waschen soll und die Köchinnen vor dem Arbeiten mit Lebensmitteln die Hände desinfizieren sollen. Das kommentierte ein Mitarbeiter mit den Worten: „Ja in Deutschland ist das so. Aber hier in Nicaragua machen wir das nicht. Hier sind doch Bakterien überall!“

In Deutschland desinfiziert man sich zu Hause die Hände auch nicht, habe ich sie beruhigt. Aber das nicaraguanische Gesundheitsministerium hat Gesetze für Kinderheime….

Ich muss mir jetzt irgendeine plastische Darstellung von Bakterien und deren Verbreitung ausdenken, die hier akzeptiert wird. 

  

Man gewöhnt sich an vieles…

Sandy mit KinderSandy, die Gründerin der beiden Kinderheime ist zur Zeit hier und ich erzählte ihr, dass ich mehrmals die Woche einen Blog schreibe. Sie fragte, was ich da so schreiben würde. Ich erklärte ihr, dass ich weniger von meinen momentanen Befindlichkeiten berichten würde (meistens sind Andreas und ich ganz vergnügt), sondern eher nur die ungewohnten Tatsachen schildern würde. Das schwüle Wetter, Tropenstürme,  Strom- und Wasserausfälle, der Schimmel, Mosquitos, Skorpione, Schlaglöcher, Polizisten, Handwerker ohne Werkzeuge, „Mañana“, Streiks, Durchfälle, Krankenhäuser, Armut, aber auch hilfsbereite Nicaraguaner, strahlende Kinder, unkomplizierte Vermieter,  Bananenstauden, Riesenpapayas, der pulsierende Markt, der tropische Regenwald, usw…

Sie meinte, ich solle so viel wie ich kann in den ersten Monaten aufschreiben, nach ein paar Jahren, würde ich das alles nicht mehr als ungewöhnlich oder berichtenswert empfinden.

Ja, das merke ich jetzt schon ein wenig. Dinge, die ich früher sofort berichtet hätte, kommen mir jetzt so alltäglich vor oder ich nehme sie eher als unveränderlich hin.

Zum Beispiel mussten wir vor 2 Tagen eines unserer Babys, Gabriel, ins Krankenhaus schicken. Andrea fuhr mit ihm hin. Obwohl es ein privates Krankenkaus ist, ließen sie Gabriel, der einen schweren Herzfehler hat (und daran bald operiert werden muss), mit seiner Lungenentzündung, Hals- und Ohrentzündung einfach 5 Stunden mit Luftnot ohne Behandlung liegen. Andrea durfte ihm nichts zu essen oder zu trinken geben, bis der Arzt ihn angesehen hätte. Ja, hätte. Der kam nie. Und Andrea ist Britin und nicht auf den Mund gefallen. Aber je mehr Theater sie machte, desto weniger schien sich zu bewegen. Schließlich packte sie ihn und sagte sie ginge, weil sie ihn nicht mehr hungern und dursten lassen könne.
Und so hängte dann die Krankenschwester endllich die i.V. Antibiose an und brachte ihm Essen und Trinken. So gut wie in diesem Moment hat er schon lange nicht mehr gegessen. Er hatte ja auch von 11 Uhr Morgens bis 21 Uhr nichts gegessen. Ich bin froh, dass er noch die Kraft dazu hatte.

Während mich solche Erlebnisse wahrscheinlich immer bekümmern werden, werde ich viele andere Dinge einfach nicht mehr so als störend oder ungewöhnlich wahrnehmen. 

Lobpreis

Heute Morgen habe ich Kuchen gebacken, da wir morgen einige Gäste zu einem „deutschen Kaffeetrinken“ eingeladen haben. Das ist ein wenig schwierig, weil ich manche der Zutaten nicht oder nicht günstig hier bekommen kann. Also mutierte mein Apfelkuchen zu einem „Mango-Platanen“ Kuchen. Egal, deutsch daran ist, dass man sich an einen Tisch Nachmittags zusammensetzt, Kuchen ißt und Kaffee trinkt.

Während ich in der Küche arbeitete, dachte ich, dass es so schön wäre, wenn ich christliche Lobpreismusik hören könnte. Wir haben zwar ein paar CDs mitgebracht und auch einige auf Spanisch besorgt, aber wir haben leider noch keinen CD Player. So beschloss ich, stattdessen etwas für mein Spanisch zu tun und machte den Fernseher an. Ich wählte einen beliebten nicaraguanischen Sender aus, da ich ja „Nica-Spanisch“ lernen will. Nach ein paar Minuten hörte ich, wie eine christliche Musik- und Tanzgruppe interviewt wurde und dann tanzten die jungen Leute zu dem Lied „Wir feiern dich, Halleluja“ (aber natürlich auf Spanisch). Es war so inspirierend.

Dasselbe Lied sangen wir in unserem Abschiedsgottesdienst in Eschweiler und wurde gerade in der Sendung „Goodbye Deutschland“ gezeigt. Wir haben dort nicht dazu getanzt. Ich glaube, dass die nicaraguanische Bevölkerung einen lebendigen Lobpreis Gottes mit Tanz im Fernsehen auch ein wenig besser vertragen kann als die deutsche.

Auf VOX wurde es mit den Worten kommentiert: „Und mit diesem Halleluja gehen sie an ihre neue Aufgabe in Nicaragua“.

Stimmt. Durch den Tanz hier im Fernsehen wurde ich noch einmal daran erinnert.

Lob für Andrea

Während wir auf der Sprachschule waren, hat das Kinderheim Besuch von zwei Angestellten des Familienministeriums bekommen. Sie wollten die 3 Kinder sehen, die erst seit Kurzem bei uns sind. Sie waren so überrascht, wie gut es Pedro geht, dem Kind mit den schweren Verbrennungen. Er sei so glücklich und zufrieden und wirkt so entspannt.

Und als sie die beiden Schwestern sahen, haben sie zuerst nicht geglaubt, dass es sich bei dem Baby um Juanita handelte. Sie wäre ja so schwach, krank und unterernährt gewesen und sähe jetzt so super gesund und glücklich aus. Ich habe mich, als ich es hörte, für die Kinder, aber auch so sehr für Andrea gefreut, die dadurch auch so ermutigt wurde. Sie hat Tag und Nacht bei den Kindern verbracht und sie gesund gepflegt und geliebt.

Und dann mal ein schönes Erlebnis im Krankenhaus: Wieder mußte Andrea für Pedro um jede Spezial-Bandage kämpfen. Seine Plastikmaske passte auch nicht. Und kaufen dürfen wir auch nichts, das ist wohl (wenn ich es recht verstehe) den Krankenhäusern verboten worden – medizinische Artikel gegen Geld abzugeben.

Und dann kam eine neue Krankenschwester herein, die fragte Andrea, ob sie nicht eine Mitarbeiterin des Kinderheimes Los Cedros sei. Von dort hätten sie doch mal das und das Gerät gespendet bekommen. Und jetzt haben wir eine tolle straffe, gut sitzende Maske für Pedro.

Und an einem anderen Tag wurden alle Frauen, die Kinder mit ähnlichen Verbrennungen hatten, zusammengeholt und Pedros verbrannte Haut, die durch stundenlange Vaselinemassagen von Andrea in einem sehr guten Zustand ist, gezeigt. Die Haut habe sich so gebessert. Die Frauen sollten sich das einmal anschauen und es ebenso machen.

Als ich heute mit ihr und Pedro im Krankenhaus zur Physiotherapie war, kam eine der Mütter und faßte seine Haut an und sagte immer wieder, wie schön weich sie doch sei.

Ich bin dankbar, dass einige Leute für Andrea und Pedro gebetet haben. Er hat auch noch weitere Operationen vor sich, im Gesicht, das arme Kind.

Schimmel und Hygiene

Die Temperaturen jetzt während der Regenzeit sind etwas ertäglicher hier in Manauga. Tagsüber 32° und Nachts kühlt es sogar meist auf 23° ab! Leider ist aber die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass die ersten Sachen in unseren Schränken schimmeln. Einige Schuhe und Taschen habe ich vom Schimmel befreit und in der Sonne trocken lassen, als sich die Sonne mal blicken ließ, aber ein Paar mußte ich wegwerfen. Die Kleidung trocknet schwer an der Luft und auch die Küchenschränke beginnen nach Schimmel zu riechen.

Vergrößerung: Schimmlige SandalenIch habe der Familie in Mataglapa ein wenig Unrecht getan mit meiner Einschätzung, sie wären nicht sauber, weil dort alles nach Schimmel roch. Allerdings hätten man den Schimmel im Bad besser bekämpfen können. Der Raum hatte kein Fenster oder Lüftungsschaft und wurde nach dem Duschen nie gelüftet. Dementsprechend war die ganze Decke und ein Teil der Wände geschimmel. Es stank furchtbar. Andreas und ich haben deshalb das Bad gemieden und die Dusche und die Toilette auf dem Flur benutzt, die jeweils nur mit einem sehr kurzen Duschvorhang vom Flur abgetrennt war. Außerdem waren die Wände nicht bis oben durchgezogen. Das war gut für die Belüftung, schlecht für den Schall und den Geruch –  bei unserem Durchfall…

Wie ich den Schimmel nun bei uns bekämpfen soll, weiß ich auch noch nicht – Schränke lüften und mit Alkohol auswaschen, mehr fällt mir noch nicht ein. Und die Regenzeit geht noch bis November, Dezember. Eijeijeijeijei….

Im Kinderheim wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre die Hygeinebeauftragte zu sein und die Küchenaufsicht führen inklusive dem Erstellen des Speiseplans. Meine Vorgängerin ist überfordert und die, die zuvor eingesprungen ist, ist jetzt die „Böse“, weil sie auf die Einhaltung sehr einfacher Standards bestanden hat. Die Frage an mich war, ob ich bereit bin, diese Aufgabe zu übernehmen. Es wäre nicht immer einfach. Wer den Standard hochhält ist nicht immer bei allen geliebt. 

Beeindruckt haben mich die Verhältnisse in einem SOS Kinderdorf, welches Andreas und ich vor ein paar Tagen besichtigt haben. Es arbeiteten dort nur Nicaraguanerinnen und sie hatten sehr hohe Standards was die Hygiene, die Qualität der Verflegung, Erziehung usw betraf. Es ist also möglich.

Bei den Campesinos in den Bergen

Gestern sind wir nach dem Sprachunterricht in die Berge gefahren, da wir von einer Siedlung von Ureinwohnern gehört haben, die dort noch einer alten Tradition der Stoffwebens nachgehen. Es war eine sehr abenteuerliche Reise, da die Straßen nicht asphaltiert sind und es gerade Regenzeit ist. Aber es hat sich gelohnt. Die Landschaft war wunderschön, wenn es auch ein wenig schmerzt, dass da, wo früher tropischer Regenwald war, alles abeholzt ist und die Hügel mit Feldern bedeckt sind. Mais, Bohnen, Kaffee. Wenn der Boden nicht mehr viel hergibt wird neues Land gerodet. Aber wunderschön war die Hügellandschaft trotzdem. Und da ganz oben, fast am Ende der Welt, entdeckten wir ein kleines Häuschen mit einem gepflegten Blumengärtchen mit dem Schild: „Webstoffe“. Eine groß gewachsene, weißhaarige Frau, die ganz bestimmt nicht aus dieser Gegend stammt, kam aus dem Haus küßte uns zur Begrüßung, hieß uns willkommen und fragte nach unserer Herkunft. Es war wie im Märchen.

Vergrößerung: Marion und die ArgentinierinDiese liebe Argentinierin lebt seit 23 Jahren dort oben und hat das alte Kunsthandwerk, dass so gut wie ausgestorben war, wiederbelebt. Sie beschäftigt 4 einheimische Frauen, verkauft die Stoffe und die daraus hergestellten Taschen und verdient daran selber nichts. Ich habe mir ein paar Beutelchen gekauft, natürlich die in grüner Farbe. 

Sie hat so viele Enttäuschungen erlebt in dem Versuch diesen Menschen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Wir haben viel von ihr gelernt und sie war froh mal mit jemanden reden zu können. Ich bewundere ihren Idealismus, ihr Engagement und ihre Liebe zu diesen Bergbewohnern noch in ihrem Alter von fast 70 Jahren. Auf jeden Fall werden wir sie noch einmal für ein paar Tage dort besuchen, wenn wir mehr Zeit haben.

Vergrößerung: Unsere neuen BananenstaudenDann sind wir dort von Häuschen zu Häuschen gelaufen und haben gefragt ob uns jemand Bananenstauden verkaufen könnte, aber wieder schien uns keiner welche besorgen zu können. Als wir uns bei der Argentinieren verabschieden gingen, kam dann doch ein Campesino und sagte er hätte Stauden, für umgerechnet 15 Cent das Stück. Da die Bauern hier oben fast kein Geld verdienen und nur von dem Leben was sie selber in ihren Gärtchen haben (Mais und Bohnen) hatte er keine Vorstellung was er für 1m hohe Stauden verlangen kann. Wir gaben ihm etwas mehr dafür und er grub uns einige Ableger seiner Bananen aus.

Heute sind wir dann wieder nach Managua gefahren und kamen am frühen Abend zu Hause an, so dass wir die Pflanzen noch einpflanzen konnten. Bald haben wir einen kleinen Bananenwald im Garten, der dem Haus auch ein wenig Schatten spendet. Es ist ja soooooo heiß hier. Ich hatte das in den Bergen fast vergessen. Schwitz…..

Außerdem haben wir wieder Skorpione getötet, die sich in unserer Abwesenheit in unserem Haus eingerichtet hatten.