Heute habe ich unsere Wäsche gewaschen und unsere Gastfamilie hat sogar eine Waschmaschine, was hier selten ist. Alba, das Dienstmädchen unserer Gastfamilie, hat mir gezeigt wie es geht. Da die Waschmaschine schlecht wäscht, muss man die Wäsche mit einer Bürste vorschruben. Ca. 15 Minuten nach Ablauf des Waschprogramms habe ich die Wäsche aufhängen wollen, aber sie war sehr nass. Da das Dachbelch an der Stelle, wo die Maschine steht, undicht ist, war aufgrund des heftigen Regens viel Regenwasser in die Maschine reingelaufen. Das undichte Dach nimmt man hier so als Schicksal hin und deckt die Maschine mit einer Plane ab, wenn sie nicht gebraucht wird.
Ich hätte Alba auf ca. 45 Jahre geschätzt. Sie arbeitet jeden Tag von 7 bis 19 Uhr außer Sonntags. Heute habe ich mich ein wenig mit ihr unterhalten. Sie erzählte mir die Geschichte ihres Lebens und es hätte die Geschichte tausender anderer Frauen hier in Nicaragua sein können.
Sie ist 36 Jahre alt und hat die Schule 5 Jahre lang besucht. Mit 15 Jahren hat sie geheiratet und dann innerhalb von 6 Jahren 4 Kinder bekommen. Als die Kinder noch klein waren, hat ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlassen. Sie musste als Dienstmädchen arbeiten gehen und ihre Kinder bei Onkeln und Tanten lassen. Sie hat hart gearbeitet, damit ihre Kinder einen Schulabschluss machen konnten. Die zwei Ältesten haben die Schule schon abgeschlossen und sind Straßenverkäufer geworden. Der eine verkauft selbstgebrannte CDs.
Sie versucht ihnen eine gute Mutter und ihren beiden Enkeln eine gute Großmutter zu sein. Sie will ihnen guten Rat geben, welchen sie von ihren Eltern nicht bekommen hat. Zum Beispiel, dass sie nicht so jung heiraten sollen. Ihr größter Wunsch ist es, dass ihre Kinder eines Tage zu ihr sagen: Du warst eine gute Mutter.
Alba schuftet hier von früh bis spät. Sie fängt mit dem Geschirr des Vorabends an, wäscht die Wäsche der Familie (ca. 12 Leute), kocht, fegt, putzt und wäscht Geschirr. Wenn sie Abends geht ist es bereits dunkel und zu Hause hat sie noch einen eigenen Haushalt.
Die Hausmutter geht sehr sachlich mit ihr um. Während wir ein Guten Morgen! Wie habt ihr denn geschlafen! Was wollt ihr essen? hören, sagt man ihr höchstens Guten Morgen, kannst du bitte der Annette das Frühstück machen?.
So geht es hier der armen Landbevölkerung überall, wenn sie Arbeit in der Stadt finden. Der Lohn ist ein Hungerlohn, er reicht kaum zum Leben, aber verhindert das Sterben.
Von Erzählungen meiner Großeltern weiß ich, dass es in Deutschland früher nicht viel anders war. Aber hier hat man kaum Hoffnung, dass sich in den nächsten Generationen was ändern könnte. Es macht mich traurig.
Täglich 4 ganze Stunden Non-Stop Einzelunterricht in Spanisch ist herausfordernd, aber effektiv. Nachmittags haben wir entweder frei um Hausaufgaben zu machen oder einen Ausflug, der uns die nicaraguanische Kultur und das Land näher bringen soll. Gestern waren wir in einem Naturreservat und sind auf einen 1080 m hohen Berg gestiegen. Es war wunderschön und Artenreich. Leider ist es überall dort in Nicaragua, wo die Natur nicht geschützt ist und Menschen leben, sehr verschmutz, das Wasser verseucht und der Urwald bzw. die Vegetation brandgerodet. Wie schön, dass es aber diese Naturreservate gibt.
Wir haben jetzt schon seit 2 Tagen Sprachunterricht hier in Matagalpa, der sehr abwechslungsreich ist. Wir nehmen unterschiedliche Themen durch, gestern war es die nicaraguanische Begrüßung (wer küßt wann wen) und nicaraguanische Volkslieder. Heute war es der nicaraguanische Machismus und traditionelles Rollenverständnis, Gewalt in der Familie und Straßenkinder. Mein Spanisch muss besser werden. Was ich alles so falsch mache, merke ich jetzt. Na ja, man hat mich bisher meistens verstanden.


Heute war unser Vermieter da um die letzten Gitter an Fenster und Türen anzubringen. Das hatten wir als Teil des Mietvertrages vereinbart, da es hier kaum ein Haus ohne Gitterschutz gibt. Die Türen und Fenster lassen sich sehr einfach eindrücken und stellen keinen echten Schutz dar. Selbst die Armen, die es sich leisten können, vergittern ihre Häuschen. Wie ich von einer Einheimischen hörte, klauen sie sich manchmal gegenseitig den Reis aus der Hütte.
Der Elektriker kam heute mit seinem Gehilfen um uns Strom ins Badezimmer zu legen. Er hat ausgemessen wie viel Kabel wir brauchen um dann mit Andreas in den Fachhandel zu fahren und das Material zu kaufen, da er kein Auto hat. Die Wände, die Andreas nachgemessen hat, waren vom Elektriker falsch ausgemessen und die hat er korrigiert. Leider hat Andreas eine Wand nicht kontrolliert. Nun ist das Kabel 2 m zu kurz!