Heute fand ich beim Aufstehen eine Ansammlung kleiner Fliegen auf dem Boden, Beim näheren Hinsehen sah ich eine unter der Tür hereinkommende, auf unser Bett zumarschierende Armee dieser Miniinsekten. Als sie am Bett hochsprangen, habe ich Andreas unsanft geweckt und aus dem Bett gebeten und die Überdecke drüber geschmissen. Als wir die Zimmertür öffneten wimmelte ALLES. Der Boden war auch bedeckt. Im Duschraum bedeckten sie mich. Gott sei Dank waren wir mit einem tollen Insektenspray ausgerüstet, der alle flieg
enden Insekten schnell erledigt. Den haben wir gesprüht und haben das Haus fluchtartig verlassen um im Männerhaus zu duschen. Noch wohnen wir ja im Frauengästehaus des Kinderheimes.
Als wir zurückkamen war es schon ein wenig gruselig. Der Boden war schwarz von toten Fliegen und Mosquitos. Ich habe eine Stunde lang geputzt und sauber ist was anderes.
Das war aber noch nichts im Vergleich zu dem was uns bei unserer Rückkehr am Abend im Kinderheim erwartete. Das Kleinkinderhaus war voller Termiten und die Kinder hatten ihre Freude daran sie totzuschlagen. Als wir das Haus verließen, waren dort draußen wieder die Fliegenschwärme, die wir vom Morgen kannten und ein Schwarm riesiger schwarzer Käfer, die sich auf uns stürzen und dann tot zu Boden fielen. Unmengen an dicken fetten Fröschen saßen herum und labten sich an ihnen. Auf uns krabbelte alles, Termiten, Fliegen.. und Wahnvorstellungen gesellten sich dazu. Die Plagen Ägyptens können wir uns jetzt ein wenig besser vorstellen.
Die Überlandbusfahrer streiken seit 8 Tagen, weil die Benzinpreise gestiegen sind. Wir müssen immer durch eine Barrikade aus lauter Busen, Polizisten und Busfahrern wenn wir nach Managua runter fahren. Letztens wollten wir einige Menschen, die deshalb zu Fuß unterwegs waren, auf unserer Pick-up Fläche mitnehmen, haben es aber Gott sei Dank nicht getan. Wir wären angehalten und unter Umständen wäre unsere Auto beschädigt worden, weil wir den Streik gebrochen hätten. Sagt unser Nicaraguanischer Freund Joel. Er ist zwar erst 22 Jahre alt, weiß aber alles über Nicaragua, glauben wir, oder wollen wir glauben. Der Präsident hat eine Senkung der Benzinpreise versprochen, wie jedes Jahr. Die steigen dann aber in wenigen Tagen wieder (sagt Joel).
Als wir Abends ins Kinderheim Los Cedros zurückkamen, feierten die Kinder draußen auf der Wiese mit Kuchen und Lutschern den ersten Geburtstag von Gabriel. Er ließ sich auch ganz brav den Geburtstagshut aufsetzen, obwohl er sonst immer alle Versuche bekämpft ihm etwas anzuziehen. Ein aussichtsloser Kampf…Schön finde ich, dass die Wiese um das Kinderheim wenig Ameisen hat.
Den zweiten Teil unsere „Schnitzeljagd“ um die Autopapiere haben wir heute absolviert und haben 7 weitere Stunden in Ämtern und heißen Werkstätten verbracht. Die Belohnung, der Schatz am Ende sozusagen, war die kleine grüne Karte, die uns zum rechtmäßigen Besitzer unsere Autos erklärt. Wir nennen sie die Nicaraguanische „Green card“.
Heute haben wir begonnen unser neues Auto umzumelden. Man hatte uns gesagt, dass es 3 Tage Arbeitseinsatz erfordert und man könnte einen Rechtsanwalt beauftragen es für US$ 150 zu erledigen. Wir beschlossen das Geld zu sparen und es selber mit einem Einheimischen (Joel) zu machen, der Bescheid weiß und diesem dann US$ 25 zu zahlen. Wir machten uns mit Joel um 7:30 auf den Weg. Zuerst zum Straßenverkehrsamt den Laufzettel holen auf dem alles draufstand was wir machen mussten, zumindestens so mehr oder weniger. Und dann begann die „Managua-Schnitzeljagd“. Wir fuhren von einem Amt zum nächsten in Managua, insgesamt mussten wir 4 Mal eine Stellte zum Fotokopieren aufsuchen und an ca. 7 verschiedenen Stellen ca. 10 Zahlungen vornehmen. Die letzte Stelle an der wir Fotokopien machten, mussten war auf der vom Amt gegenüberliegenden Straßenseite fotokopieren gehen. Dort warteten 5 verschiedene Leute mit Fotokopierern auf dem Bürgersteig auf Kundschaft und die Vermittler zerrten an uns doch an ihrem Stand zu kommen.
An die kleinen Eidechsen die an den Wänden unseres Zimmers hin- und herhuschen haben wir uns gut gewöhnt. Angeblich fressen sie auch Mosquitos deshalb sind sie uns willkommen.
Seit einer Woche sind wir nun endlich in Nicaragua. Heute Morgen ist das deutsche Fernsehteam abgereist was uns bei unserer Ankunft in Managua bereits am Flughafen erwartet und gefilmt hat. Es waren sehr anstrengende Tage auch deshalb, weil es so heiß ist und man in den Tropen normalerweise nicht so viel in einen Tag reinpackt, wie wir es tun mussten um die Drehtage effektiv zu nutzen. 10 bis 12 Stunden am Tag gefilmt zu werden und dabei immer zu seinen Gedanken und Gefühlen interviewt zu werden ist kraftzehrend.