Archiv des Autors: Marion

Auf dem Gemüsemarkt

Heute waren Andrea und ich mit unserer Hauptköchin des Kinderheimes Los Cedros auf dem Gemüsemarkt. Wir haben alle unnötigen Wertsachen abgelegt und uns ins Gewühl gestürzt. Normalerweise nehmen wir einen unserer Tennagejungen mit, aber wir dachten, dass 3 Frauen dass schon alleine schaffen. Letztendlich haben wir dann einen Teenager vom Markt engagiert, der für ein paar Cordobas auf dem Pick-Up sass und alles bewachte was wir dort ablegten. Wir hätten es unmöglich alles herumtragen können. 5 Wassermelonen, 10 Ananas, 100 Bananen usw….

Zwar ist alles recht billig hier im Vergleich zu deutschen Preisen, aber billig ist immer relativ zu dem was man zur Verfügung hat. Für 30 Personen stehen uns 50 US Dollar für Obst und Gemüse für eine Woche zur Verfügung. Das ist eine Herausforderung.

Aber ich liebe solche Märkte!

Der kleine Pedro

Gestern wurde uns Pedro, ein kleiner 1½-jährige vom Familienministerium gebracht. Sie haben ihn mit seinen Sachen abgegeben, die bestanden aus einer Babyflasche, die er noch benutzt, Windeln, die aber für ein Neugeborenes waren und ihm nicht passten, einer Tüte voller Lutscher und einer Tüte Zucker. Zucker, meint man hier, brauchen alle Kinder. Die Babys bekommen als Durststiller eine extrem süße Lösung und viele der Kinder, die den ganzen Tag an ihren Flaschen nuckeln, haben angefaulte Zähne. Die Schulkinder nehmen in die Schule Kristallzucker in kleinen Plastikfläschen  mit, den sie sich immer nach Bedarf in Mund schütten. Unsere Heimkinder bekommen stattdessen immer ein Pausenbrot oder Obst mit.

Pedro ist vor 3 Monaten schwerstverbrannt. Ich schätze, dass  ¼ seiner Hautfläche Vebrennungen 2. oder 3. Grades aufweist. Er ist ohne Aufsichtsperson unter einem Mosquitonetz und mit einer Kerze alleine gelassen worden. Die Nachbarn haben seine Schreie gehört.

Jedenfalls wurde uns noch gesagt, dass er einen Termin im Krankenhaus heute hat. Andrea, unsere britische Missionarin und ich sind also um 6:30 Uhr losgefahren und haben uns dann im Krankenhaus gewundert, warum wir so lange warten müssen. Wir haben ihn in der Zeit mit Pfannekuchen gefüttert und uns über seinen Appetit gefreut.

Als wir dann mal nachhakten, wurden uns gesagt, dass er operiert werden sollte. Andrea durfte mit ihm in den OP, hat ihn ausgezogen und sich aller Taschen und Wertsachen entledigt und mir alles in die Hand gedrückt. In einem leeren Raum wurde ihr gesagt, dass sie dort mit ihm 3 Stunden warten muss bis zur OP (wegen den Pfannekuchen) dann 2 Stunden OP und dann noch 2 Stunden im Aufwachraum mit ihm verbringen muss. Ohne ihr Mobiltelefon konnte sie mir das auch nicht mehr mitteilen. Ich habe über Umwege erfahren, dass ich die beiden erst wieder in ca. 7 Stunden sehe.

Die plastische Chirurgie diente zur Hauttransplantation und soll nach weiteren OPs seine linke Hand wieder funktionstüchtig machen. Die ist seit dem Unfall in 90 Grad Überstreckung. Das Verbrennungszentrum machte auf mich einen sehr guten Eindruck und finanziert sich aus einer Stiftung einer der reichsten Frauen Nicaraguas.

Riskant fand ich nur, dass wir ihn nach der OP nach Hause, also ins Kinderheim nehmen mussten, das ca. 30 Kilometer entfernt liegt und damit meine ich nicht 30 Kilometer deutscher Landstraße, sondern mittelamerikanischer… Außerdem gehen die anderen Kleinkinder mit einem Frischoperierten auch nicht so zart um. Er bräuchte jetzt eigentlich seine eigene Pflegeperson. Aber die OP kam etwas überraschend für uns, kann man sagen.

Das arme Kind. Zusätzlich fragt er immer nach seiner Mama. Was für ein Schicksal. Übermorgen ist die nächste Operation.

Der tägliche Kampf auf den Straßen Managuas

Wenn wir uns mit unserem Auto auf die Straßen Managuas heraustrauen (manchmal führt kein Weg drum herum) warten viele Herausforderungen auf uns. Schlimm sind die tiefen SchlaglöcherÜberflutete Straßen, manchmal auch fehlende Gullideckel, die fehlende Fahrspurmarkierung, Überschwemmungen, die vielen Busse und Taxis die ihre Spur nicht einhalten, die Pferdewagen, Straßenverkäufer und die staatlichen „Freunde und Helfer“. Die halten besonders uns mit heller Haut gerne an und drohen uns den Führerschein wegzunehmen, wenn wir nicht „eine andere Lösung“ ($) finden…. Meistens können wir die Vergehen, die wir gemacht haben sollen, nicht nachvollziehen oder auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse nicht verstehen. Meistens läuft es darauf hinaus, wir hätten eine durchgezogene Linie überfahren. Das ist in diesem chaotischen Verkehr leider manchmal der Fall und es gibt nicht immer Alternativen dazu, gerade wenn man Hindernissen ausweichen muss. Auch die Erklärung, dass an der Stelle gar keine Linie ist, hilft nicht. Ja, da ist zwar keine, aber da sollte eine sein, und wenn sie da wäre, hätten wir sie überfahren… o.k. irgendwie leuchtet das ein, irgendwie… 

Für manche der Probleme haben wir also noch keine Antwort, aber für manche schon!

Der Fahrspurwechsel hat uns Kopfschmerzen bereitet. Wir haben immer schön geblinkt und sind in eine Lücke rübergezogen. Und immer wurde uns gehupt! Wie oft haben wir uns gefragt, was daran so falsch sein soll. Jetzt wissen wir es! Man braucht weder nach einer Lücke Ausschau zu halten noch zu blinken, das ist viel zu unpersönlich. Man hängt seinen Arm lässig zum Fenster raus und hebt die Hand mit leichtem hin- und herbewegen, wenn man rüber will. Dann wird man reingelassen. Dann ein lässiges Heben der Hand zeigt das „Dankeschön“ an. Jetzt wissen wir wie man ohne angehupt zu werden auf die linke Spur wechseln kann. Rechts rüber ist uns noch ein Rätsel.

Ja und das Überholen. Das macht man immer nur unter Hupen. Da der andere ja nicht schaut und nicht blinkt und jeder Zeit auch ohne Handzeichen rüberziehen könnte, hupt man eben, damit er schön auf seiner Spur bleibt. Bei jedem Überholen. Immer! Die Erkenntnis war ja schon gut, aber die Umsetzung hat mich gekostet. Nur weil ich jemanden überhole, soll ich ihm Hupen? Es funktioniert aber.  

  

Wieder im Kleiderschrank

Und wieder ein giftiges Insekt in meinem Kleiderschrank: ein südamerikanischer Hundertfüßler, der mit seinen Greifklauen schmerzhaft zubeißen kann und dabei ein Gift injiziert. Die Vergiftungssymptome sollen zwar schlimm, aber nicht unbedingt tödlich sein. Na dann….

Aber warum befinden sich diese Viecher eigentlich immer in meinem Kleiderschrank?

Vor ein paar Tagen schaute sich eine Frau meinen Fubboden an und meinte, wenn ich ihn besser sauber halten würde, kämen nicht so viele Insekten. Das hat mir noch nie jemand gesagt. Noch eine neue Erfahrung.

Mitten im Wirbelsturm Alma

Nasse Wände
Heute war ein schwerer Tag. Die Regenzeit hat dramatisch begonnen und es regnete in den letzten Stunden heftig und ununterbrochen. Als wir aufstanden, entdeckten wir Wasserflecken an der Wand unseres Schlafzimmers. Da der Vermieter sowieso wegen der ganzen defekten Wasserhähne vorbeikommen wollte, blieb Andreas zu Hause während ich einen medizinischen Einsatz mitmachte. Leider kam der Vermieter nicht und rief Nachmittags an, er käme stattdessen Morgen. Manana, das kennen wir ja schon. Also werde ich morgen zu Hause bleiben während Andreas Termine wegen der Angestellten im Kinderheim wahrnimmt, wo ich eigentlich übersetzen sollte für ihn. Hoffentlich kommt der Vermieter dann Morgen. Die Wand kann nicht so lange warten, die Wasserflecken wachsen. Und da es so warm hier ist, schimmelt alles innerhalb von Tagen.

Medizinischer Einsatz
Mit den amerikanischen Ärzten und deren Team fuhr ich dann mit dem alten Schulbus des Kinderheimes nach San Diego an der Pazifischen Küste nordwestlich von Managua. Wie sich rausstellte, war das mitten im Zentrum des ersten Hurrikans dieser Saison, Hurrikan Alma (Stufe 1). Wir hatten keine Nachrichten gehört und die Hurrikanwarnungen nicht mitbekommen. In dem Dorf hatte es auch schon seit 24 Stunden gegossen, so dass das Schulgebäude überflutet war und wir die Patienten in dem Kirchengebäude behandeln mußten. Das war ein ca. 30 qm großer Holzverschlag mit Blechdach und vielen Löchern. Um hinzugelangen mussten wir durch knöcheltiefe Schlammpfützen waten. Jim, (ein Krankenpfleger) und ich suchten uns eine trockene Stelle und stellten unseren Klapptisch und Plastikstühle dort auf. Die Apotheke haben wir ausnahmsweise im Schulbus eingerichtet, weil es so goss. Es wurde dann eng, als die ca. 60 Patienten alle im Kirchengebäude auf Behandlung warteten.
Gegen Mittag traf der Hurrikan die nicaraguanische Pazifikküste, wo wir gerade waren und als das Blechdach in Stücken abgehoben wurde und ein Baum zum Teil auf die Kirche fiel, sind wir aufgesprungen, habe alle Patienten rausgeschoben und nach Hause geschickt, unsere Sachen gepackt und sind in den Bus geflüchtet. Die Apotheke wurde eilig aufgelöst und wir sind losgefahren. Aber leider kamen wir nur 100 m und der erste Baum lag quer. Es wurde eine beschwerliche Reise. Die ersten Bäume haben die Männer mit Mascheten weggehackt, die nachfolgenden Bäume waren so groß, dass das auch nicht mehr ging. Ein Traktor kam vorbei und wir haben ihn engagiert uns die 10 km bis zur nächsten befestigten Hauptstraße frei zu machen. Er räumte weitere 6 Bäumen weg und zog den Bus aus mehreren Schlammlöchern, während wir über die Felder liefen. Das Ausmaß der Schäden, die wir sahen, war erschreckend. Dank sei Gott, dass uns allen fast nichts Ernsthaftes passiert ist. Drei Teammitgliedern sind auf Grund der Windstärke Gegenstände ins Auge geflogen, zwei wurden am Fuß verletzt beim Bäume abhacken. Sie wurden von unseren Ärzten behandelt. Erstaunlich, dass wir überhaupt vor Einbruch der Dunkelheit im Kinderheim Los Cedros ankamen. Wir werden in Zukunft besser auf die Hurrikanwarnungen achten …

 
Container
Als wir im Kinderheim ankamen, waren wir erfreut zu sehen, dass der langersehnte Container mit Reis, Spielsachen, Matratzen und weiteren Hilfsgütern nach viel Drama um den Zoll angekommen war. Der LKW blieb zwar ca. 100 m von unserem Warenhaus im Schlamm stecken, aber mit unseren Geländewagen konnten wir die Sachen herüberfahren. Auch unsere Waschmaschine, die wir in den USA gekauft haben, war im Container. Leider gab es Abends im Dunkeln beim Entladen des Containers noch Stress zwischen einigen Menschen, der mich sehr mitgenommen hat. Ich hätte mich gerne näher informiert und eingesetzt für ihre Anliegen, aber momentan sind wir nicht in der Position, in der wir das machen sollten und wir vertrauen, dass die momentanen Leiter den besten Durchblick haben und gute Entscheidungen treffen.

Waschmaschine

Ja, die Waschmaschine. Wir baten unsere nicaraguanischen Nachbarn uns beim herein tragen der Waschmaschine zu helfen. Sie waren erstaunt über die elektrische Waschmaschine. Es gäbe doch draußen am Haus eine Waschstelle (Betonwaschbecken), wo unsere Waschfrau (wenn wir denn eine hätten) waschen könnte. So eine Waschmaschine würde doch nicht so viel kosten. Ich habe darauf verzichtet ihnen zu erklären, dass ich die Kosten für die Waschfrau in 1-2 Jahren raushätte.

Palmen und Internetkabel

Heute haben wir in der Morgenhitze (die ein wenig weniger ist als die Mittagshitze) unsere ersten beiden kleinen Palmen im Vorgarten gepflanzt. Es hat ein wenig Aufsehen erregt. Die Arbeiter und Gärtner der anderen Häuser haben ihre Arbeiten unterbrochen um uns zuzusehen. Ein Gärtner kostet pro Tag ca. 5 Euro und so sieht man hier so gut wie nie einen Westler selber in seinem Garten schwitzen.

Palme und InternetkabelWir kamen auch nicht weit. Die ersten 10 cm waren leicht auszuheben, danach tat sich nichts mehr. Der Spaten brach fast ab. Steinharte Erde. Der Gärtner von gegenüber rief uns zu: Harte Erde! Ja, meinte ich, harte Erde. Nach einer weiteren halben Stunde kam er vorbei geschlendert und hat sich neben uns gestellt. Wir haben ihn dann gefragt, wie er das machen würde. Ja, mit einer Stange natürlich. Ob er eine habe, wollte ich wissen. Klar, er holt sie. Und so half er uns mit seiner langen, schweren, angespitzen Eisenstange und innerhalb von einer halben Stunde, hatten wir die beiden Palmen in der Erde.

Rechts im Bild sieht man übrigens das Internetkabel, das gestern gelegt wurde. Eine langwierige Geschichte, da die Techniker immer kamen wenn wir nicht zu Hause waren.  Wir haben unzählige Male angerufen und sie gebeten uns vorher wissen zu lassen wann sie kommen. Als wir gestern um 16 Uhr gerade das Haus verlassen wollten, da wir im Kinderheim erwartet wurden, standen sie vor der Tür. Endlich wären wir da, sie hätten am Morgen ja keinen angetroffen. Den Termin im Kinderheim mussten wir dann verschieben, sonst hätten wir noch Wochen lang kein Internet!

Und dann haben wir verwundert festgestellt, dass sie nur durch die Decke ein Loch bohren wollten, da sie es nur manuell machen konnten. Aber wir hätten gerne das Loch in der Wand, neben einer Steckdose. Ja, das wäre gut, meinten sie, aber eine Bohrmaschine besitzen sie nicht. Andreas brachte seine an und fasziniert haben sie sie begutachtet. Irgendwo  in der Wand haben sie angesetzt zu bohren und wir riefen immer: „Moment, da wollen wir es aber nicht!“ Wahrscheinlich fanden sie uns kompliziert. Aber hätten sie da gebohrt wo sie planten, wären sie an einer Säule rausgekommen und der Bohrer hätte nicht gereicht. Also holten wir Zollstock und haben es ausgemessen. Das fanden sie auch hochinteressant. 

Dann haben sie das gelegte Kabel an die oberirdisch neben den Stromleitungen verlaufende Internetkabel angeschlossen und haben uns ohne Konfigurationsdaten zurückgelassen. Dazu kämen dann morgen die anderen Techniker. Als hätten wir morgen nicht schon was geplant. Wir sind also heute brav zu Hause geblieben, haben Palmen gepflanzt und sie kamen tatsächlich heute!! Wir haben eine stabile Internetverbindung! Wenn wir Strom haben… 

Trink-, Schmier- und Schutzgelder

Junge als StraßenverkäuferDieser kleine Junge verkauft, wie viele andere, an einer befahrenen Kreuzung in Managua Kaugummis, vermutlich den ganzen Tag. Wenn die Ampel rot ist, geht er von Autofenster zu Fenster. Er ist so klein, dass er bei unserem höhergelegtem Auto gar nicht an die Scheibe reicht und vorbeigeht. Es bricht einem das Herz. Wenn die Jungs älter werden verkaufen sie andere Sachen oder werden irgendwo ein selbsternannter „Parkwächter“. Leider empfindet man dann diese etwas älteren Kinder nicht mehr als süß, sondern als lästig oder bedrohlich und man schickt sie weg. Irgendwie verständlich, dass die Eltern dann gerne die kleinsten auf die Straße Ex-Straßenkindschicken.

Es gäbe noch so viele Kinder hier die Hilfe bräuchten, aber man kann nur einer Auswahl helfen. Manche der Kinder im Kinderheim waren vorher Straßenkinder und wenn ich sie sehe, freue ich mich, dass sie jetzt bei uns in einem der Heime leben können. Wie dieser Junge rechts auf dem Bild.

Egal wo wir parken, immer kommt ein Junge oder ein Mann angelaufen und erklärt, dass er auf unser Auto aufpasst. Dann erwartet er wenn man wegfährt 5-10 Cordobas, umgerechnet ca. 30 Euro Cent. Das klingt nicht nach viel, aber wenn wir täglich 3-4 Stellen anfahren, wird es zusammen mit all den anderen Trinkgeldern zu einem Posten im Budget. Wenn wir jedoch den selbsternannten Parkwächter sagen, dass wir ihren Schutz nicht brauchen, wissen wir nicht was passiert. Oder was passiert wenn wir nicht zahlen und das nächste Mal vor dem Geschäft oder dem Amt parken…

Die Grenze zwischen Trinkgeld, Schutzgeld und Schmiergeld ist hier oft nicht so klar.

Goldene Morgenstunden

Die allerschönste Zeit hier in Managua sind die Morgenstunden. Drei wunderschöne Stunden von 5 bis 8 wo die Welt noch in Ordnung scheint. Es ist ruhig und kühl, man kann alles was sonst zu viel Schweiß kosten würde noch erledigen wie joggen, putzen, man kann beten und lesen.

Und man hat fast immer Strom und Wasser! Man kann Duschen, am Rechner arbeiten, Kaffee kochen und man kann (wenn man Internet hätte) gut nach Deutschland telefonieren, da die Zeitumstellung es erlaubt. Man kann also alles machen was das Herz von Elektrogeräten begehrt..

Wir springen morgens um 5 immer aus dem Bett (genauer gesagt ist es zur Zeit eine Morgens nicht mehr so volle Luftmatratze) um nur keine kostbare Minute dieser schönen Zeit zu verpassen.

Schlangen

Es ist schwül heiß, wir schwitzen, schwitzen, schwitzen und richten immer wenn möglich den Ventilator auf uns.  Vermutlich davon hat sich mein Auge entzündet. Ich muss heute zum Arzt. Das wird sicher interessant. Ich habe noch keine Ahnung wo und wie.

Abends ohne zu Duschen ins Bett zu gehen ist eklig, aber da das Wasser ständig abends abgestellt wird, haben wir gelernt einen 5 Liter Wasserkanister vorätig zu halten der uns beiden zum „Duschen“ bzw. Übergießen reicht. Man wird mit Kleinigkeiten hier glücklich. 

Als Gestern Abend sowohl Licht als auch Wasser ausfiel, beschloß Andreas irgendetwas Produktives zu machen und mit der von Freunden in Deutschland geschenkten genialen Stirmlampe draußen den undichten Wasserhahm zu reparieren. Das Wasser war ja sowieso abgestellt. Im Schein der Stirnlampe sah er dann eine 50 cm lange schwarze Schlange mit gelben Ringen vorbeischlängeln. Andreas kam wieder rein. Wir wissen nicht ob die Schlange giftig ist oder nicht.

Wir sind etwas vorsichtiger geworden Abends mit offenen Türen zu lüften. Der kühlere Luft täte zwar gut, aber was sich dann so alles reinbewegen könnte, täte uns vielleicht weniger gut.

Kleiner Frosch

Diesen kleinen Frosch wollte ich unter dem Spalt der Eingangstür wieder nach draußen schieben, aber er sprang an der Tür hoch und versuchte sich festzuhalten. Dabei rutschte er immer runter. Es war süß.

Wir würden gerne den Spalt unter den Außentüren unseres Hauses mit Leisten zumachen, da nicht nur Ungeziefer, sondern auch Wasser bei starken Regenfällen reinläuft, aber dann kann man uns die Rechnungen und andere Notizen nicht mehr unter der Tür reinschieben, wie allgemein üblich. Wir werden ein Lösung finden.

Die erste Rechnung für den allgemeinen Strom der Nachbarschaft kam so unter der Tür reingeflattert. 28 Cordobas, umgerechnet 95 Eurocent. Innerhalb von 30 Tagen zu zahlen, bei jeder Bank. Das Problem ist nur, dass man in den Banken oft sehr lange ansteht. Aber Stromrechnungen sollte man rechtzeitig zahlen, das haben wir ja gelernt.

So zahlt man hier jede Rechnung bar bei de Bank ein. Außer die Miete. Die Vermieterin kommt jeden Monat vorbei und holt die Miete in US Dollar ab.

Eine echte Herausforderung wird es werden die Sozialabgaben für die 10 Angestellten des Kinderheimes Los Cedros jeden Monat auszurechnen, mit der Abrechnung zum Amt für Sozialabgaben zu fahren und dort (oder wo anders?) den fälligen Betrag bar zu zahlen. Die Angestellten sind seit diesem Monat alle mit Vertrag angestellt und wir müssen jetzt alles noch lernen, wie das hier so funktioniert.